"Ob die Nibelungentreue zu Klaus Wowereit für die Berliner SPD so förderlich ist, bezweifle ich", sagte etwa der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Dankert. Die Berliner SPD müsse jetzt entscheiden, wie es weitergehe. Die Berliner CDU-Politikerin Stefanie Vogelsang forderte erneut den Rücktritt Wowereits. Es sei besser für die Stadt, wenn dieser "den Weg frei macht".

Dagegen sagte der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Graf am Montagabend nach dem Koalitionsausschuss einem Sprecher zufolge, es handele sich "nicht um eine Regierungskrise, sondern um eine Krise in den Flughafengremien". SPD-Fraktionschef Raed Saleh sagte, er gehe davon aus, dass "die Koalition geschlossen hinter Wowereit steht".

Die Grünen und die FDP machten Druck auf Wowereit. Für jemanden, der "Millionen Steuergelder versenkt" und den Ruf Berlins unrettbar beschädigt habe, sei der Rücktritt als Regierender Bürgermeister die einzige Konsequenz, sagte Grünen-Chef Jürgen Trittin. Oliver Luksic, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, sagte: "Wer als Aufsichtsratsvorsitzender seiner Position nicht gewachsen ist, kann auch nicht eine 3,5-Millionen-Stadt regieren."

Misstrauensantrag am Donnerstag

Am Donnerstag wollen die Oppositionsfraktionen in einer Sondersitzung des Berliner Abgeordnetenhauses voraussichtlich ein Misstrauensvotum gegen Wowereit beantragen. "Bei Annahme eines Misstrauensantrages hat der Regierende Bürgermeister sofort zurückzutreten", steht in Artikel 57 Absatz 3 der Landesverfassung. Innerhalb von 21 Tagen müsste dann neu gewählt werden, sonst verliert das Misstrauensvotum seine Wirkung.

Im Abgeordnetenhaus mit seinen 149 Mitgliedern bräuchte ein Misstrauensantrag derzeit 75 Ja-Stimmen. SPD und CDU verfügen zusammen über 85 Sitze, die Opposition über 64. Die namentliche Abstimmung darf frühestens 48 Stunden nach der Bekanntgabe des Misstrauensantrags im Parlament erfolgen.