Dagegen verteidigte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel seinen Parteikollegen. "Ich halte die Vorwürfe gegenüber Klaus Wowereit für absolut unberechtigt", sagte Gabriel am Montag in Berlin. "Mein Rat ist, einen kühlen Kopf zu bewahren." Man könne zwar "Politiker für einiges verantwortlich machen", die Verurteilung Wowereits sei absolut unangemessen. Für einen Rücktritt gebe es "gar keine Argumente".

In Brandenburg forderte der CDU-Fraktionschef Ministerpräsident Platzeck zum Rücktritt auf. "Der Ministerpräsident hat nicht nur als Aufsichtsrat, sondern auch als Regierungschef unverantwortlich und fahrlässig gehandelt", sagte Dieter Dombrowski dem Sender rbb.

Die Bundesregierung und die beiden Landesregierungen bestritten, schon länger von der erneuten Verschiebung gewusst zu haben. Flughafen-Technikchef Horst Amann hat nach Angaben von Brandenburgs Landesregierung erstmals am vergangenen Freitag darüber informiert, dass der Eröffnungstermin "real nicht zu halten" sei. Aus dem Bund hieß es gegenüber dem Tagesspiegel, das Verkehrsministerium sei am Wochenende per Brief, der von einem Boten überstellt wurde und auf den 4. Januar datiert sei, informiert worden.

Wann wurde Aufsichtsrat informiert?

Die Bild-Zeitung berichtete dagegen, Amann habe bei der Besprechung einen Termin frühestens 2014 in Aussicht gestellt. Die etwa zehn Teilnehmer der Runde hätten sich darauf geeinigt, die erneut notwendige Terminverschiebung erst einmal nicht öffentlich zu machen. Angesichts des erneuten Debakels wollen sich die Spitzen der drei Gesellschafter der Flughafengesellschaft noch am Montag treffen, teilte ein Sprecher der Landesregierung von Brandenburg mit.

Die Auswirkungen der erneuten Verschiebung auf den Flugbetrieb und für die Passagiere sind noch nicht abzusehen. Air Berlin und die Lufthansa als größte Kunden des Flughafens äußerten sich zunächst nicht. "Wir haben noch keine offizielle Information bekommen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Wegen der abermaligen Verschiebung dürften die beiden bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld noch länger als Übergangslösung genutzt werden. Vor allem der größte Standort Tegel arbeitet bereits an der Grenze seiner Kapazität.