FlughafendebakelOpposition fordert Wowereit und Platzeck zum Rücktritt auf

Rücktrittsforderungen und Misstrauensantrag: Der Druck auf die Regierungschefs Platzeck und Wowereit wächst, seit klar ist, die Flughafeneröffnung wird dieses Jahr nichts.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (links) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck Ende März bei einer Pressekonferenz in Berlin

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (links) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck Ende März bei einer Pressekonferenz in Berlin  |  © Sören Stache/dpa

Gegen Klaus Wowereit und Matthias Platzeck werden nach dem geplatzten Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen in Berlin Rücktrittsforderungen laut. Oppositionspolitiker aus Berlin und Brandenburg forderten die beiden sozialdemokratischen Regierungschefs zum Rückzug auf und kündigten politische Konsequenzen an.

Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus wollen noch in dieser Woche einen Misstrauensantrag gegen Wowereit stellen. Fraktionschefin Ramona Pop warf dem Regierenden Bürgermeister Täuschung vor, ein Rücktritt sei unausweichlich. Sie sei fassungslos, dass die Verschiebung auf frühestens 2014 offensichtlich intern seit Mitte Dezember bekannt gewesen sei. Der Fraktionschef der Bundespartei, Jürgen Trittin, twitterte: "Das war's jetzt Klaus." Der Chef des Untersuchungsausschusses zum Flughafenbau im Abgeordnetenhaus, Martin Delius von der Piratenpartei, kritisierte: "Wir alle hätten erwarten dürfen, noch im vergangenen Jahr darüber informiert zu werden."

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Auch von Wowereits Koalitionspartner kam Kritik. Als erste Berliner CDU-Politikerin forderte die Bundestagsabgeordnete Stefanie Vogelsang seinen Rücktritt. Der Berliner Innensenator und CDU-Vorsitzende Frank Henkel kritisierte eine "Desinformationspolitik" beim Flughafen. "Ich bin nicht nur fassungslos, sondern auch stinksauer. Es ist nicht hinnehmbar, dass ich als Aufsichtsratsmitglied von einem solchen Erdbeben am Sonntagabend aus den Medien erfahre", sagte Henkel.

Berliner SPD ratlos

Am Sonntagabend war bekannt geworden, dass die Flughafeneröffnung am 27. Oktober dieses Jahres nicht mehr zu halten ist. Grund ist auch diesmal die komplexe Brandschutzanlage, die bis heute nicht funktioniert und bereits dreimal zur Verschiebung des Eröffnungstermins um insgesamt zwei Jahre gesorgt hatte.

In der Berliner SPD herrscht nach Angaben des Tagesspiegels Ratlosigkeit. Zwar wolle niemand Wowereit aus dem Amt drängen, aber ein Rücktritt und anschließende Neuwahlen würden nicht mehr kategorisch ausgeschlossen.

Die FDP im Bund forderte Wowereit zumindest zum Rücktritt vom Aufsichtsratsvorsitz auf. "Berlin hat es nicht verdient, immer mehr zur internationalen Lachnummer zu werden. Das ist nicht sexy, das ist peinlich. Was macht eigentlich der Aufsichtsratsvorsitzende?", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle dem Tagesspiegel. Wowereit müsse sich seiner Verantwortung stellen und Konsequenzen ziehen. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Oliver Luksic, ging noch weiter: "Ein Rücktritt als Regierender Bürgermeister ist nach diesem kompletten Versagen unvermeidlich, er bekommt das Flughafen-Chaos nicht in den Griff", sagte er dem Blatt.

Leserkommentare
  1. dann würde bei der nächsten Wahl vielleicht mehr auf Kompetenz geachtet.

    • Mika B
    • 07. Januar 2013 19:43 Uhr

    welche die Verantwortlichen und beteiligten Firmen dafür zu Verantwortung ziehen, wird sich auch nicht allzuviel an der Praxis Ändern.
    Es wäre für die Politik ein leichtes diese Gesetze zu Schaffen und wenn nötig auch verantwortliche Firmen bis zu den Banken dafür Finanzell und persönlich zur Rechenschaft zu Ziehen, statt einfach den Steuerzahler weiter zu belasten.
    Wir haben leider ein gesellschaftlichen und juristisches ein System Erschaffen in dem kaum eine Firmen, Planer oder Gutachter ect. für solche Fehler bei Großaufträgen auch Unternehmerisch Büßen müssen, sondern diese wie bei Banken notfalls "systemrelevant" mit Steuergeldern immer weiter "alimentiert" werden.
    Notfalls muß ein Politiker als "Bauernopfer" in Pension gehen oder wird wie in BaWü abgewählt ohne große persönliche Folgen oder gar Strafen.
    Es ist das System Fußball, spielt die Manschaft schlecht wird nur der Trainer reflexartig Beurlaubt und alles ist wieder Gut oder auch nicht.

  2. Tünnes geht, dafür rückt Schäl vor. Man könnte über alles lachen, wenn die versenkten Milliarden nicht der Steuerzahler berappen müsste.

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    "Man könnte über alles lachen, wenn die versenkten Milliarden nicht der Steuerzahler berappen müsste."
    ---------------
    Na ja, die machen das doch freiwillig. Zum Wahlergebnis dieser Personen wurde kein Steuerzahler gezwungen.

  3. "Man könnte über alles lachen, wenn die versenkten Milliarden nicht der Steuerzahler berappen müsste."
    ---------------
    Na ja, die machen das doch freiwillig. Zum Wahlergebnis dieser Personen wurde kein Steuerzahler gezwungen.

  4. trifft es gut. Die Grünen grämen sich immer noch, dass sie letztes Jahr in Berlin nicht mitregieren durften. Und auch das Misstrauensvotum werden sie nicht gewinnen.

  5. ...nur um die Überschrift des Artikels, der sich nicht mit dem Inhalt des Artikels nicht deckt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Klaus Wowereit | Matthias Platzeck | Opposition | SPD | Grüne | Henkel
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