FDP Brüderle entschuldigt sich nicht
Rainer Brüderle hat die Presse empfangen. Auch die "Stern"-Autorin, die sich von ihm belästigt fühlte, war dabei. Das ignorierte der FDP-Politiker. Von Tilman Steffen
© Maurizio Gambarini/dpa

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle am Mittwoch in Berlin
Zum Neujahrsempfang der FDP ließ er neulich Parteifreunde sprechen, er selbst nahm den Hinterausgang. Beim Pressestatement am Dienstag ließ er keine Fragen zu. Am heutigen Mittwoch war die Chance da, aufzuräumen mit dem Bild, das viele in Deutschland vom gerade nominierten FDP-Spitzenkandidaten haben, seit der Stern vergangene Woche ein Porträt über Rainer Brüderle veröffentlichte. Das Magazin beschrieb ihn ziemlich unvorteilhaft als einen auch für schlüpfrige Bemerkungen anfälligen älteren Herrn. Was Brüderle zu später Stunde an einer Hotelbar von sich gab, wurde selbst dessen Pressesprecherin irgendwann peinlich, die ihn schließlich schlafen schickte.
Seither diskutiert die Öffentlichkeit über Sexismus in der Politik, der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz. Spitzen-Liberale warfen Magazin und Autorin vor, die FDP beschädigen zu wollen. Zehntausende Betroffene schilderten Erlebtes auf Twitter, kaum eine Kommentarseite und kaum eine Talkshow spart seither das Thema aus. Es geht um Macht über Frauen, mögliche Mittel der Gegenwehr, um Anstand.
Gewaltiges Medieninteresse
Nur Rainer Brüderle wollte sich daran bisher nicht beteiligen. Er schwieg konsequent, verweigerte jeden Kommentar. Am Mittwochmorgen lud er zu einem Pressegespräch, das die Fraktionsspitzen in allen Sitzungswochen des Parlaments veranstalten.
Das Medieninteresse ist gewaltig: Zügig füllt sich der Raum in der obersten Etage des Parlamentsneubaus im Regierungsviertel, auch die hintere Reihe ist besetzt, eine Agenturreporterin hockt am Boden. 70 Journalisten sind es, ein Drittel mehr als sonst. Die Autorin des Stern-Porträts sitzt wenige Meter von Brüderle entfernt, im Kreis mehrerer Redaktionskollegen.
Leicht gebeugt kommt der Fraktionschef, über das große Interesse witzelnd: "Bei der FDP findet jeder Unterschlupf." Er nimmt zügig vor der Fensterwand Platz, hinter der unter regnerischem Himmel die Flaggen des Reichstagsgebäudes wehen.
Ein Thema klammert er aus
Schnell wird klar: Auch heute will Brüderle nicht über den Vorwurf gegen ihn sprechen. Stattdessen redet er über den Besuch des ägyptischen Präsidenten in Berlin, über die Lage in Mali, den anstehenden Koalitionsgipfel, den Rentenstreit in der Regierung und über erneuerbare Energien.
Das Thema, weswegen die meisten hierher kamen, klammert er konsequent aus. Er wiederholt am Anfang nur kurz, was er dazu bereits gesagt hat: Dass er sich nicht äußern werde.
Am Ende, nach einem längeren Referat, erlaubt seine Mitarbeiterin, Fragen zu stellen.
"Nützen Sie der FDP noch, Herr Brüderle", fragt ein Journalist. Der entgegnet knapp, dass das die Partei entscheiden müsse, ob er noch nützlich sei. Auf dem Spitzenkandidaten ruht die Hoffnung der Liberalen, dass die FDP am 22. September mit Kanzlerin Merkel den Machterhalt sichert.
Entschuldigung oder nicht?
"Werden Sie bis zum Ende schweigen, Herr Brüderle?" wird er gefragt. Und, ob er sich nicht einmal mit der Autorin unterhalten wolle. Brüderle redet, aber er verweigert die Antwort.

Nach einigen Worten zur Lage in Afrika wagt einer einen neuen Versuch: Wie Brüderle denn die durch ihn und den Bericht ausgelöste Debatte einschätze. "Sexismus ist eine Debatte, die läuft und die sicherlich gesellschaftliche Relevanz hat", antwortet der Angesprochene vage. Dass sie geführt wird, gehöre zur Demokratie.
Brüderle als lachender Dritter
Die Sprecherin lässt eine letzte Frage zu, bevor Brüderle in den Plenarsaal aufbricht. Er habe ja registriert, dass die Stern-Autorin anwesend sei, hakt einer nach. Ob er sich nicht entschuldigen wolle – bei der Frau also, die Ziel seiner Ausfälligkeiten wurde.
Brüderle bleibt sich treu und verweigert auch dies. Dann geht er.
Ein bisschen könnte er sich in diesem Moment wie ein lachender Dritter fühlen, weil das Thema zwischenzeitlich auch die Medienvertreter entzweite: Ein Journalist hatte seine Frage zur aktuellen Politik mit der Bemerkung eingeleitet, dass er jetzt wieder zu ernsthaften Themen kommen wolle. Sein Vor-Fragesteller fühlte sich düpiert und sagte das auch in das Raunen der Kollegen hinein, deutlich vernehmbar. Sein Kontrahent erwidert: Jeder produziere sich eben, wie er will.
"Können wir das hier sachlich halten?", bittet die Mitarbeiterin des Spitzenkandidaten. Diesmal muss die Pressesprecherin nicht Brüderle maßregeln, sondern die Journalisten.
- Datum 30.01.2013 - 14:55 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich glaube nicht, dass der Fall "Brüderle" auch nur ansatzweise eine strafrechtliche Relevanz hat.
Hier geht es um reine Böswilligkeit oder Geltungssucht, dies in die Medien zu tragen.
Ich finde die Frau Himmelreich hat der Sache "Gegen Sexismus" einen Bärendienst erwiesen.
Wenn Frauen das als Sexismus betrachten gibt es keine wirklichen Probleme für Frauen - und das stimmt nicht!
Das ist kein Sexismus, das ist unhöfliches Benehmen des Herrn Brüderle. Jetzt muss man aber auch die Vorgeschichte dazu wissen.
In der Regel würde man sagen, so etwas schafft man unter vier Augen aus der Welt. Aber das wird hier unmöglich gemacht. Das Resultat für Frau Himmelreich wird sein, dass sie Ihren Job nur noch eingeschränkt ausüben kann. Selbst als Frau würde ich mich vor einer Interviewerin wie Frau Himmelreich in Acht nahmen und im Zweifelsfall darauf verzichten!
würde zu der Vorgehensweise von Stern und Himmelreich passen.
Die länger gediente, recht einflussreiche Politikerin sitzt an der Bar. Ein junger, fescher Journalist kommt vorbei.
Ein kurzes Interview - die Dame, von einem Drink und dem Ambiente beschwingt, von seinem Charme und jugendlichen Ehrgeiz angetan, lässt sich zu einer eindeutig zweideutigen Anspielung hinreißen - worauf der junge Schnösel aufspringt und schreit: "Sie hat mich angemacht! Haben Sie gesehen? Diese alte Schabracke ist doch tatsächlich an mich rangewanzt und hat mich angemacht!"
Wer ist nun sexistisch...hmmmm?
Dabei ist die beschriebene Situation noch geschönt, denn die "Empörung" dieser Frau brach ein gestrichenes Jahr nach dem Ereignis aus ihr heraus.
Unterste Schublade.
Um Mitternacht, es wird Wein getrunken, es ist kein tête à tête, sondern eine Runde mit Journalisten und Pressereferentin, Frau Himmelreich dürfte eine der jüngsten der Runde sein.
Sie macht vor Kollegen in jugendlichem Superioritätsgestus eine höchst zweideutige Anspielung auf Alter und Rollenkompetenz ("Hoffnungsträger").
Er pariert, indem er die Situation (junge Journalistin in Initiationsposition) karikiert und sich selbst eine "Tanzkarte" gibt, die er ihr reichen will. Die erhielten junge Damen bei den Initiationsriten vergangener Tage, den Gesellschaftsbällen. Die Verehrer der jungen Damen konnten sich hübsch der Reihe nach auf die Tanzkärtchen eintragen.
Brüderle nimmt also - auf sein Alter angesprochen - in weingeschwängerte Runde eine Alters- und Geschlechtsumwandlung vor: er macht sich selbst zur jungen Dame, die von den journalistischen Verehrern umschwärmt wird und Präferenzen verteilt.
Die Situation entgleist deshalb, weil Himmelreich zwar den ironischen Aufschlag macht, die ganz offensichtlich anschließende ironische gemeinte Anspielungen "Tanzkarte" "wir Politiker verfallen ja alle Journalistinnen" nicht versteht, sondern wortwörtlich nimmt.
Soll Brüderle diese Petitessen jetzt einzeln aufdröseln?
Die Brüderle/Himmelreich-Begegnung taugt nicht als Beispiel für Sexismus.
Sondern vielmehr als Sinnbild missglückter Kommunikation bei Zeichen- und Gedankenreduktion in twitter-Zeiten.
Dessenungeachtet ist eine Sexismusdebatte überfällig.
Angelegenheit uneingeschränkt anschließen kann.
Nehmen Sie vielleicht nochmals eine Geschlechtsumwandlung vor und verstecken sich hinter einem weiblichen Nick? Anders kann ich mir gar nicht erklären, woher Sie so detailliert wissen, was sich in Herrn Brüderles Oberstübchen abgespielt hat. Falls die Szenerie aber nur Ihrer Phantasie entspringt, fürchte ich leider, dass Herr Brüderle, zumal um Mitternacht und betrunken, die Subtilität, die Sie Ihm zusprechen, nicht besitzt.
Angelegenheit uneingeschränkt anschließen kann.
Nehmen Sie vielleicht nochmals eine Geschlechtsumwandlung vor und verstecken sich hinter einem weiblichen Nick? Anders kann ich mir gar nicht erklären, woher Sie so detailliert wissen, was sich in Herrn Brüderles Oberstübchen abgespielt hat. Falls die Szenerie aber nur Ihrer Phantasie entspringt, fürchte ich leider, dass Herr Brüderle, zumal um Mitternacht und betrunken, die Subtilität, die Sie Ihm zusprechen, nicht besitzt.
Es gibt (GIBT!) sexuelle Gewalt, es gibt Diskriminierung, es gibt viel zu tun - aber dass eine junge, unerfahrene Zeitungsvolontärin einen Spruch wie diesen nicht parieren kann, einen Spruch, der in einem Meer ähnlicher Sprüche untergeht, die Politiker und Politikerinnen sich täglich um die Ohren hauen, ohne gleich weinend zum Chefredakteur zu laufen - das hat mit den wirklichen Problemen nichts, GAR nichts zu tun.
Empfehlenswert die gestrige Lanz-Sendung und die Stellungnahme von Katrin Sass und Matussek.
Spannend auch: http://www.vocer.org/de/a...
Da Brüderle und FDP noch niemanden wegen Verleumdung verklagt haben und sich so bedeckt halten würde ich sagen, dass es wohl irgendwo Beweise gibt. Folglich sehe ich die Schuld bei Brüderle: So etwas sagt man vielleicht unter guten Freunden oder so. Aber in keinem Fall zu einer Journalistin. Ich behaupte nicht, dass der Stern keine Agenda hat - was weiß ich denn? Aber jedem Politiker - erst recht solchen, die an oder nahe der Parteispitze sind - muss klar sein, dass man vor Journalisten jedes Wort zwei Mal im Munde umdrehen muss.
Und ja, "Sie könnten ein Dirndl ausfüllen" ist sexistisch in so einem Kontext. Punktum.
"Da Brüderle und FDP noch niemanden wegen Verleumdung verklagt haben und sich so bedeckt halten würde ich sagen, dass es wohl irgendwo Beweise gibt."
Wie Herr Kubicki das so schon ausdrückte, falsche Tatsachenbehauptung könnte man der Frau nicht vorwerfen.
Eine falschen Tatsachenbehauptung wäre es auch bei dieser zugegebenermaßen fiktiven Beschreibung des Abends http://www.vocer.org/de/a... und da wäre es mir im Falle von Brüderle auch zu dumm mich dafür zu rechtfertigen, nur weil eine unerfahrene Journalistin ihr geschäft noch nicht beherrscht.
und eine berechtigte Sexismus Debatte ad absurdum geführt.
Wenn das die Probleme von Frauen sind, dann könnten die sich aber glücklich schätzen.
In Wirklichkeit gibt es richtigen Sexismus und die Betroffenen trauen sich heute noch weniger sich dagegen zu wehren als vorher. Das was Frau Himmelreich als Sexismus gewertet wissen möchte kann man als unhöfliche Umgangsformen werten aber ansonsten sind das normale Umgangsformen beider Geschlechter. Denken sie an den Waschbrettbauch oder den Muskelmann.
"Da Brüderle und FDP noch niemanden wegen Verleumdung verklagt haben und sich so bedeckt halten würde ich sagen, dass es wohl irgendwo Beweise gibt."
Wie Herr Kubicki das so schon ausdrückte, falsche Tatsachenbehauptung könnte man der Frau nicht vorwerfen.
Eine falschen Tatsachenbehauptung wäre es auch bei dieser zugegebenermaßen fiktiven Beschreibung des Abends http://www.vocer.org/de/a... und da wäre es mir im Falle von Brüderle auch zu dumm mich dafür zu rechtfertigen, nur weil eine unerfahrene Journalistin ihr geschäft noch nicht beherrscht.
und eine berechtigte Sexismus Debatte ad absurdum geführt.
Wenn das die Probleme von Frauen sind, dann könnten die sich aber glücklich schätzen.
In Wirklichkeit gibt es richtigen Sexismus und die Betroffenen trauen sich heute noch weniger sich dagegen zu wehren als vorher. Das was Frau Himmelreich als Sexismus gewertet wissen möchte kann man als unhöfliche Umgangsformen werten aber ansonsten sind das normale Umgangsformen beider Geschlechter. Denken sie an den Waschbrettbauch oder den Muskelmann.
erscheint Herr Brüderle alt geworden zu sein.... umgeben von "Young Boys" umso mehr.....
Ich verstehe zweierlei nicht: Erstens, warum äußern sich die kompetenten Dienststellen des Staates nicht zu diesem Thema, z.B. die Antidiskriminierungsstelle des Bundes? Die müssten doch wissen, ob es sich um ein flächendeckendes Problem handelt.
Wie ist es mit den Kenntnissen der Internationalen Arbeitsorganisationen darüber. Oder Kriminalisten, Frauenbeauftragte und Betriebsräte?
Und zweitens: Warum zapft der Qualitätsjournalismus all diese Quellen nicht an? Warum so wenig Fakten? Jetzt „diskutiert“ man bereits eine Woche dieses Thema, belegt die Vorwürfe aber weiter nicht mit Fakten. Wenn es ein Problem darstellt, muss es angegangen werden. Wo aber wird das faktisch belegt? Bisher wissen wir nur von einer anonymen Mitarbeiterin eines Bundestagsabgeordneten, dass im Bundestag der Sexismus breitflächig sein Unwesen treibt. Und von Laura Himmelreich. Die aber hat selbst Altersdiskriminierung betrieben.
Also, fangt langsam mal damit an, die Diskussion vom Kopf auf die Beine zu stellen. Eure versuche, die FDP „umzuhacken“, gelingt so wie so nicht.
z.B. die Antidiskriminierungsstelle des Bundes?
---------
Diese ist für solche Fälle nicht wirklich zuständig.
- die Frau hat sich nicht innerhalb der Frist dagegen rechtlich beschwert.
- die Journalistin steht nicht in einem Abhängigkeitverhältnis zum Politiker, er ist nicht ihr Chef oder Kollege.
Die Antidiskriminierungsstelle wird Ihnen auch nicht helfen, wenn jemand im Bus Ihnen anzügliche Bemerkung macht.
z.B. die Antidiskriminierungsstelle des Bundes?
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Diese ist für solche Fälle nicht wirklich zuständig.
- die Frau hat sich nicht innerhalb der Frist dagegen rechtlich beschwert.
- die Journalistin steht nicht in einem Abhängigkeitverhältnis zum Politiker, er ist nicht ihr Chef oder Kollege.
Die Antidiskriminierungsstelle wird Ihnen auch nicht helfen, wenn jemand im Bus Ihnen anzügliche Bemerkung macht.