Wehrbeauftragter Schlechte Stimmung in der Bundeswehr
Der Wehrbeauftragte Königshaus zeichnet in seinem Bericht ein fatales Bild der deutschen Truppe: Die Soldaten sind verunsichert und überlastet, die Führung mangelhaft.
- Datum: 29.01.2013 - 14:39 Uhr
© Jens Wolf/dpa

Soldaten des Logistikbataillons 171 in der Clausewitz-Kaserne in Burg
Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hält die Bundeswehr angesichts zahlreicher Auslandseinsätze und weitreichender Umstrukturierungen für überlastet und tief verunsichert. "Insbesondere die Dienst- und Einsatzbelastung hat vielfach die Grenze der Belastbarkeit erreicht, teilweise bereits überschritten", sagte der FDP-Politiker, als er seinen Jahresbericht vorstellte. "Eine Verbesserung der Stimmung in der Truppe zeichnet sich nicht ab."
Sorge bereitet ihm demnach auch die Häufigkeit der Einsätze. Das Ziel, die Soldaten maximal vier Monate in Auslandseinsätze zu schicken und ihnen danach eine mindestens 20 Monate dauernde Erholungszeit in der Heimat zu gewähren, sei nur begrenzt erreicht worden.
Königshaus kritisierte im Zusammenhang mit der Bundeswehrreform Stationierungsentscheidungen, die "zu weiterer Pendelei und nochmals stärkerer Belastung der Soldatenfamilien führen". Auch die weiterhin bestehende Ungewissheit über die eigene Zukunft wegen der geplanten Veränderungen in der Bundeswehr bessere die Stimmung in der Truppe nicht. Auch würden in der Bundeswehr "viele Dinge für normal gehalten, die anderswo nicht normal sind", zum Beispiel die Pflicht, am Sonntagnachmittag auf dem Truppenübungsplatz anzureisen, auch wenn der Einsatz dort erst am Montag beginne.
Zudem beklagte er "gravierende Mängel" in der Führung der Truppe. Bei der Ahndung von Dienstvergehen werde in Einzelfällen zweierlei Maß angewandt. Das führe zu dem Eindruck, "dass – bildhaft gesprochen – die Kleinen gehenkt werden, und man die Großen laufen lasse".
Anstieg rechtsextremistischer Vorkommnisse
Ein Problem sieht er in der Kinderbetreuung bei der Bundeswehr. Königshaus sagte, trotz wiederholter Kritik in den vergangenen Jahren seien "Verbesserungen nur in geringem Umfang geplant". Und das meistens dort, wo – etwa im medizinischen Bereich – es größere Probleme gebe, Personal zu finden. Der Wehrbeauftragte drückte seinen Unmut darüber aus, dass die Bundeswehr vorhandene Förderprogramme der Bundesregierung für betriebliche Kita-Angebote nicht nutze.
Die Zahl rechtsextremistischer Vorkommnisse in der Bundeswehr ist nach Jahren des Rückgangs 2012 wieder leicht gestiegen. 67 Vorfälle mit Verdacht auf einen rechtsextremen Hintergrund wurden bekannt, im Jahr zuvor waren es 63 gewesen. Das war der niedrigste Stand seit Anfang der neunziger Jahre. Bis 2009 wurden Jahr für Jahr mehr als 100 rechtsextremistische Vorkommnisse bei der Bundeswehr registriert.
Sexuelle Übergriffe in der Bundeswehr
Königshaus listet auch 50 Vorkommnisse mit "sexuellem Bezug" auf, womit sich ein Bericht der Welt bestätigt. Darunter sind Fälle von verbaler sexueller Belästigung, exhibitionistische Handlungen und Besitz von Kinderpornographie. Vergewaltigungen seien wie auch in den vorangegangenen Berichtsjahren "glücklicherweise die absolute Ausnahme", sagte Königshaus.
In seinem Bericht ging Königshaus erneut auf psychische Erkrankungen von Rückkehrern aus dem Auslandseinsatz ein. In etwa der Hälfte der Fälle würden hier schon vor dem Einsatz vorhandene Vorbelastungen nicht erkannt. "Diesem Aspekt muss bei der Überprüfung der Einsatzverwendungsfähigkeit ein größeres Augenmerk gewidmet werden", verlangte der Wehrbeauftragte. Insbesondere dürften nicht erkannte psychische Vorerkrankungen für die Soldaten im Nachhinein keine Nachteile mit sich bringen, wenn es etwa um Entschädigungen gehe.
Die Behandlung traumatisierter Soldaten lasse weiter zu wünschen übrig. Noch immer fehle es an Psychologen und Psychotherapeuten, während die Zahl traumatisierter Soldaten im vergangenen Jahr auf einen Höchststand von 1.143 gestiegen sei.
Positiv bewertete der Wehrbeauftragte Verbesserungen bei der Ausrüstung der Truppe im Einsatz. Dies habe dazu beigetragen, dass in Afghanistan seit Mitte 2011 kein deutscher Soldat mehr getötet wurde. Auch die Versorgung Verwundeter lobte Königshaus.
- Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, nf
- Adresse: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-01/bundeswehr-bericht-ueberlastung/komplettansicht
- Datum: 29.01.2013 - 14:39 Uhr
- Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, nf
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ich persönlich Abrüstung und Befriedung bevorzuge die deutschen Soldaten sind ja real und existent.
Was die in den letzten zehn Jahren alles durchmachen mussten weil verschiedene Verteidigungsminister immer wieder im Inland reformierten in unterschiedlichen Richtungen und keine klaren Aufträge im Ausland vergaben ist es doch nachzuvollziehen das es eine grosse Unzufriedenheit gibt.
Der Trick über Personalentwicklung eine Zukunft zu haben funktioniert schon lange nicht mehr in der freien Wirtschaft und jetzt auch nicht mehr im Wehrdienst.
Dem kann ich zustimmen, die Reformen waren aus meiner Sicht ein Teil; aber nicht zu vergessen auch teilweise der miese Rückhalt durch die Politik in Punkto Auslandseinsatz und das generelle Bild oder auch Symphatie der BW in der Öffentlichkeit. Kann man natürlich wie immer alles nicht pauschalisieren, durch mein technikerdasein in der BW hab ich oft 20-30 Standorte pro Jahr "besucht" und zumindest ein wenig die Stimmung mit eingefangen. Unsicherheit gepaart mit fehlendem Verständnis und das ohne Rückhalt.
Insbesondere der Umbau von einer reinen Verteitigungsarmee zur Interventionsarmee ist fatal.
Das hat man nicht nur der Bevölkerung sondern auch den Soldaten einfach mal so aufs Auge gedrückt.
Bei den "neuen" Soldaten mag es anders sein aber ich vermute es gibt bei den langjährig verpflichteten und Berufssoldaten etliche die eine andere Berufswahl getroffen hätten, hätten sie geahnt dass sie in einer Interventionsarmee landen.
Wenn deutlich mehr als sagen wir 5 Prozent Personal abgebaut werden müssen und der ganze Laden in kurzen Zeitabständen immer wieder heftig und umfassend unstrukturiert wird und dann auch noch mehrfach das Geschäftsmodell geändert wird und dennoch immer verbal bis zur Unkenntlichkeit verabstrahiert und verklausuliert vage bleibt, gibts in jedem Unternehmen Stress und Demotivation. Und wie! Solche Unternehmen gehen in der Regel kaputt. Die Bundeswehr als Organisation wahrscheinlich nicht, aber als "Streitkräfte" ist sie längst kaputt.
Dem kann ich zustimmen, die Reformen waren aus meiner Sicht ein Teil; aber nicht zu vergessen auch teilweise der miese Rückhalt durch die Politik in Punkto Auslandseinsatz und das generelle Bild oder auch Symphatie der BW in der Öffentlichkeit. Kann man natürlich wie immer alles nicht pauschalisieren, durch mein technikerdasein in der BW hab ich oft 20-30 Standorte pro Jahr "besucht" und zumindest ein wenig die Stimmung mit eingefangen. Unsicherheit gepaart mit fehlendem Verständnis und das ohne Rückhalt.
Insbesondere der Umbau von einer reinen Verteitigungsarmee zur Interventionsarmee ist fatal.
Das hat man nicht nur der Bevölkerung sondern auch den Soldaten einfach mal so aufs Auge gedrückt.
Bei den "neuen" Soldaten mag es anders sein aber ich vermute es gibt bei den langjährig verpflichteten und Berufssoldaten etliche die eine andere Berufswahl getroffen hätten, hätten sie geahnt dass sie in einer Interventionsarmee landen.
Wenn deutlich mehr als sagen wir 5 Prozent Personal abgebaut werden müssen und der ganze Laden in kurzen Zeitabständen immer wieder heftig und umfassend unstrukturiert wird und dann auch noch mehrfach das Geschäftsmodell geändert wird und dennoch immer verbal bis zur Unkenntlichkeit verabstrahiert und verklausuliert vage bleibt, gibts in jedem Unternehmen Stress und Demotivation. Und wie! Solche Unternehmen gehen in der Regel kaputt. Die Bundeswehr als Organisation wahrscheinlich nicht, aber als "Streitkräfte" ist sie längst kaputt.
wenn wir zukünftig auch in der Bundeswehr Frauenquoten hätten. Zumindest meiner Stimmung würde es in Bezug auf gleiche Rechte und Pflichten gut tun. Warum sollen nur Männer für die militärische Durchsetzung von staatlichen Interessen töten und sterben?
staatlicher Interessen sollte eigentlich niemand töten (dürfen)...
Da haben Sie selbstverständlich Recht! Nur ist das sicher nicht der Grund, warum von der Leyen keine Frauenquote bei Generälen fordert. ;)
Weil im Ernstfall ein Volk vernichtet wird, wenn auch Frauen zum Sterben an die Front geschickt werden.
Nach der faktischen Abschaffung der Wehrpflicht ist es jedem Bundesbürger freigestellt, ob er in die Bundeswehr eintreten will oder nicht. Dies gilt für Frauen und Männer.
Wenn dann tatsächlich weniger Frauen der Bundeswehr beitreten als Männer, sollte man dort ebenso wenig eine Frauenquote einführen, wie dies in der freien Wirtschaft geschehen sollte.
staatlicher Interessen sollte eigentlich niemand töten (dürfen)...
Da haben Sie selbstverständlich Recht! Nur ist das sicher nicht der Grund, warum von der Leyen keine Frauenquote bei Generälen fordert. ;)
Weil im Ernstfall ein Volk vernichtet wird, wenn auch Frauen zum Sterben an die Front geschickt werden.
Nach der faktischen Abschaffung der Wehrpflicht ist es jedem Bundesbürger freigestellt, ob er in die Bundeswehr eintreten will oder nicht. Dies gilt für Frauen und Männer.
Wenn dann tatsächlich weniger Frauen der Bundeswehr beitreten als Männer, sollte man dort ebenso wenig eine Frauenquote einführen, wie dies in der freien Wirtschaft geschehen sollte.
Für mich war und ist die größte Missachtung der Mitglieder und Angehörigen der Bundeswehr die Berufung von Herrn von Guttenberg zum Verteidigungsminister.
Unabhängig wie ich zu Themen innerhalb des deutschen Militärs stehe, eines ist die Bundeswehr definitiv nicht: Schaubühne für "Showmaster".
"Unabhängig wie ich zu Themen innerhalb des deutschen Militärs stehe, eines ist die Bundeswehr definitiv nicht: Schaubühne für "Showmaster"."
"Unabhängig wie ich zu Themen innerhalb des deutschen Militärs stehe, eines ist die Bundeswehr definitiv nicht: Schaubühne für "Showmaster"."
staatlicher Interessen sollte eigentlich niemand töten (dürfen)...
Eigentlich nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft:
Wir sind zwar
- technisch gut ausgerüstet, aber letztlich
- alle überlastet (siehe aktuelle Studie zur Arbeitswelt),
- sind zutiefst verunsichert und haben Zukunftsangst,
- glauben im Rechtssystem mit zweierlei Maß gemessen zu werden und
- wir haben eine miserable Führung in Berlin.
Die Bundeswehr sollte mal im positiven Sinne Schule der Nation sein, jetzt ist sie bloß noch ihr Spiegelbild vor allem im negativen Sinne. Mit falschen und völlig undurchdachten Reformen kriegt man eben alles kaputt.
..nur Zustimmung geben.
Aber was soll dann unter diesen Gegebenheiten die Anschaffung von Kampfdrohnen bewirken? Neues Spielzeug für die geschundenen BW-Seelen? Gerade wenn der Zustand so ist, wie Herr Königshaus ihn beschreibt, dann wäre es genau die falsche Maßnahme, derart tödliche Waffen in die Hände einer zutiefst verunsicherten Truppe zu geben.
Man lernt nie aus. Ich dachte wirklich, dass diese Sprüche aus der Mottenkiste des Imperialismus ausgestorben seien. Was kann ich bei einer Armee für die Nation lernen, was ich nicht auch außerhalb der Armee für die Nation lernen kann?
Andersherum wird ein Schuh draus. Die Armee bringt Menschen etwas bei, was sie im Zivilleben nicht lernen würden und auch nicht lernen müssen und auch unerwünscht ist zu lernen - töten.
Die Schule der Nation ist die Schule!
..nur Zustimmung geben.
Aber was soll dann unter diesen Gegebenheiten die Anschaffung von Kampfdrohnen bewirken? Neues Spielzeug für die geschundenen BW-Seelen? Gerade wenn der Zustand so ist, wie Herr Königshaus ihn beschreibt, dann wäre es genau die falsche Maßnahme, derart tödliche Waffen in die Hände einer zutiefst verunsicherten Truppe zu geben.
Man lernt nie aus. Ich dachte wirklich, dass diese Sprüche aus der Mottenkiste des Imperialismus ausgestorben seien. Was kann ich bei einer Armee für die Nation lernen, was ich nicht auch außerhalb der Armee für die Nation lernen kann?
Andersherum wird ein Schuh draus. Die Armee bringt Menschen etwas bei, was sie im Zivilleben nicht lernen würden und auch nicht lernen müssen und auch unerwünscht ist zu lernen - töten.
Die Schule der Nation ist die Schule!
Wem es da nicht mehr gefällt, der/die kann ja kündigen.
Eine Kündigung bei der Bundeswehr lässt sich nicht so einfach vollziehen.
Einige von den Soldaten haben sich auf bis zu 15 Jahre verpflichtet. Da kann man nur in Ausnahmefällen den Arbeitsvertrag kündigen. Ein einfaches "Ich will nicht mehr" funktioniert hier nicht.
Eine Kündigung bei der Bundeswehr lässt sich nicht so einfach vollziehen.
Einige von den Soldaten haben sich auf bis zu 15 Jahre verpflichtet. Da kann man nur in Ausnahmefällen den Arbeitsvertrag kündigen. Ein einfaches "Ich will nicht mehr" funktioniert hier nicht.
Da haben Sie selbstverständlich Recht! Nur ist das sicher nicht der Grund, warum von der Leyen keine Frauenquote bei Generälen fordert. ;)
Ich denke, daran ist die Presse nicht ganz unschuldig. Allein wenn ich diesen Artikel lese, fallen mir die Themenauswahl auf. Wie wichtig sind Probleme mit Anzüglichkeiten bei einem Beruf, bei dem man sein Leben riskiert weil scharf geschossen wird.
Immer wieder entwickeln Journalisten in ihren warmen und sicheren Schreibstuben eine Erwartungshaltung an die Vernunft und Besonnenheit der jungen Soldaten, die fernab der Realität in einer solchen Situation ist.
Und wenn einem bei jeder Panne die gesamte Journalie des eigenen Landes in den Rücken fällt, dann muss man verunsichert sein.
wenn unsere Journalisten aufdecken,das unter dem Kissen eines am Hindukusch oder in Somalia Stationierten Soldaten Hitlers "Mein Kampf" entdeckt wird,bin ich jeden Journalisten dafür Dankbar !
wenn unsere Journalisten aufdecken,das unter dem Kissen eines am Hindukusch oder in Somalia Stationierten Soldaten Hitlers "Mein Kampf" entdeckt wird,bin ich jeden Journalisten dafür Dankbar !
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