BundeswehrDer Traum vom ferngelenkten Krieg

Die Regierung will für die Bundeswehr Kampfdrohnen anschaffen. Befürworter sprechen von militärischer Notwendigkeit, Gegner fürchten neue Kampfeinsätze. von 

Die Bundesregierung hat es jetzt bestätigt: Sie folgt dem Wunsch der Armee und beschafft der Bundeswehr Kampfdrohnen. Die Truppe hatte in den vergangenen Monaten mehrfach den Kauf dieser unbemannten, ferngelenkten und bewaffneten Flugzeuge gefordert, zuletzt der Inspekteur der Luftwaffe. Bislang besitzt die Bundeswehr lediglich Aufklärungsdrohnen verschiedener Größen, von Mikado, die wie ein Spielzeug aussieht, bis zur Euro Hawk mit einer gewaltigen Spannweite von fast 40 Metern. Im politischen Berlin ist nun ein Streit entbrannt, ob die Bundeswehr mit Kampfdrohnen ausgestattet werden soll, ob sie damit zu einer anderen Armee würde und ob sich künftig ihre Auslandseinsätze ändern werden.

Fest steht, dass viele Streitkräfte momentan massiv mit Drohnen aufrüsten. Der Krieg der Zukunft wird vor allem am Computer geführt werden: In den digitalen Netzen mit Viren und Würmen, in der echten Welt mit Robotern und Drohnen. Ferngelenkte und unbemannte Kampfflugzeuge sind bereits heute wichtiger Bestandteil des amerikanischen Kampfs gegen den Terror. In Afghanistan, Pakistan, Jemen und Somalia jagen der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA und die US-Armee damit Terroristen der Al-Kaida und anderer islamistischer Gruppen. Die israelischen Streitkräfte setzen ebenfalls bewaffnete Drohnen ein. Und künftige Weltmächte wie China und Indien sowie aufstrebende Staaten wie Brasilien haben großes Interesse an diesen UAS (unmanned aircraft systems). Selbst der von Wirtschaftssanktionen hart getroffene Iran präsentierte bereits eine eigene Kampfdrohne, deren Einsatzbereitschaft jedoch umstritten ist.

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"Die Verfügbarkeit neuer Fähigkeiten ist beispielsweise bei bewaffneten UAS Ausdruck technologischen Vorsprungs, der einen Sicherheitsgewinn vor allem durch glaubhafte Abschreckung zu bewirken vermag", teilt die Bundesregierung als einen der Gründe für die Anschaffung mit. Und: UAS haben nicht den Zweck, "eskalierend zu wirken". Wer aber mit Kampfdrohnen abgeschreckt werden soll, bleibt offen.

Ergänzung der Waffensysteme im Auslandseinsatz

Die Bundeswehr wird ihre Kampfdrohnen vermutlich aus Israel beziehen. Momentan nutzt die Truppe in Afghanistan bereits Heron 1. Fünf dieser Drohnensysteme hat das Verteidigungsministerium beim deutschen Rüstungsriesen Rheinmetall geleast, der wiederum mit dem israelischen Hersteller Israel Aerospace Industries kooperiert. Drei deutsche Heron-Systeme sind in Afghanistan im Einsatz. Heron TP, der Nachfolger, kann mit Raketen bestückt werden. Zudem könnte Heron 1 umgerüstet und nachträglich bewaffnet werden.

Aus Sicht der Bundeswehr kommen verschiedene Drohnen in Betracht: "Ein zukünftiges europäisches UAS der Male (Medium Altitude Long Endurance)- Klasse sowie UAS vom Typ Heron 1, Heron TP und Predator B / Reaper." Predator und Reaper sind die Drohnen, mit denen die US-Armee bereits Hunderte Missionen geflogen hat – beide Typen haben in Deutschland ein schlechtes Image. Sie werden von den Amerikanern zur gezielten Tötung von Terrorverdächtigen genutzt.

Die Bundesregierung sieht solche Einsätze für ihre Drohnen nicht vor: "Falls das Prinzip der Friedenssicherung durch Abschreckung versagt, wird die Bundeswehr – und damit auch bewaffnete UAS – auch künftig ausschließlich im Rahmen ihres verfassungsgemäßen und mandatierten Auftrags eingesetzt werden." Die Bundesregierung scheint die Drohnen vor allem als Ergänzung der bisherigen Waffensysteme im Auslandseinsatz verwenden zu wollen: "Aus den Einsatzerfahrungen der Bundeswehr wird deutlich, dass eine durchhaltefähige bewaffnete Aufklärung (armed overwatch) in heutigen und wahrscheinlichen Einsatzszenarien, als Schutz bei plötzlich auftretenden gravierenden Lageänderungen unbedingt erforderlich ist. Außerdem werden durch diese Fähigkeit gegnerische Kräfte einer ständigen und für sie nicht prognostizierbaren Bedrohung ausgesetzt und in ihrem Handlungsspielraum eingeengt." Der wichtigste Grund ist aber, dass bei Drohneneinsätzen keine Soldaten gefährdet werden.

Leserkommentare
  1. 33. Öhm ja

    Einen hab ich noch:

    »Der Krieg ist darin schlimm, daß er mehr böse Leute macht, als er deren wegnimmt.« (Immanuel Kant)

    "To crush your enemies, see them driven before you and here the lamentation of the women" (Conan the Barbarian)

    Nibbla 28.01.2013 um 14:20 Uhr

    hmmm

    Not sure if he want to be seriös or just trollin

    Antwort auf "Einen hab ich noch:"
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    • Nibbla
    • 28. Januar 2013 15:28 Uhr

    womit er sich besser identifizieren kann.

    Wenn man den Leuten zuhört, was sie alles ihren Feinden wünschen, wird einen manchmal übel. Wie schnell die Menschen bereit sind die Vorteile des Rechtstaates aufzugeben für ein bisschen Rache an einen vermeintlichen Feind, der sich weigert sich zu fügen.

    es ging mir nicht darum.
    Es ging mir eher um die Frage ob man Kant und man verzeihe mir einen so Klischee behafteten Aktionfilm in einem Satz nennen kann ?

    Den der vergleich ist Literatrisch gesehen ja entscheiden Sie selbst.

    • bhenry
    • 28. Januar 2013 15:12 Uhr

    Bitte etwas mehr Ehrlichkeit und Sachlichkeit. Wenn kein anderer Ausweg bleibt und das Parlament beschließt den Einsatz der Armee, wird kein Ausflug der Pfadfinder geplant, sondern ein erkennbarer Gegener soll ausgeschaltet (sprich geziehlt getötet)werden, mit möglichst geringen eigenen Verlusten. Hierzu werden zur Zeit Bomben, Panzer oder Artelleriegranaten usw.verwendet. Was unterscheidet bitte sehr die Wirkung eine Artelleriegranate die aus ca. 10 -20 km fast blind ins Ziel gefeuert wird von einer mit Kamera ferngesteuerte Rakete einer ferngelenkten Drohne. Beide sollen geziehlt töten und oft die Falschen. Die bewffnete Drohne sollte die berüchtigten Kolleteralschäden und eigene Verluste vermindern. Und das sollte das Ziel in jeder bewaffneten Auseinandersetzung sein.
    Ich kann diese moralisierenden Kommentare nicht mehr ertragen.
    Wichtiger erscheint mir nach dem Sinn der jetzigen deutschen Armee fragen, wenn sie nicht in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden soll. Wir brauchen eine gemeinsame effiziente europäische Interventionsarmee mit einer entsprechenden Ausrüstung. Wenn wir das nicht wollen, sollten wir die Bundeswehr abschaffen und Briten und Franzosen für uns sterben lassen wenn es darauf ankommt.

    2 Leserempfehlungen
  2. Entweder man schafft die Bundeswehr ab und spart sich die Kosten oder man steht zu einem eigenen Militär und muß dann aber dementsprechend seine Truppen laufend modernisieren bzw. mit dem besten Material ausstatten. Eine Bundeswehr mit veraltetem Material wäre eine Zumutung für die dort beschäftigten Menschen. Um nichts anderes geht es bei diesem Thema.

    3 Leserempfehlungen
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    • bhenry
    • 28. Januar 2013 15:19 Uhr

    so ist es!!!

    Nicht ganz. Es geht auch darum, worauf unsere Armee ausgelegt sein soll. Diese speziellen Drohnen sind für den Auslandseinsatz konzipiert, wenn ich das richtig verstanden habe. Damit wird ein weiterer Schritt getan zur "Interventionsarmee"... früher nannte man das "Invasionsarmee". Wenn diese Drohnen ausschließlich für den echten Verteidigungsfall gedacht wären, hätte ich eigentlich kein Problem damit. Aber seit ca 15 Jahren ist Deutschland leider regelmäßig an Kriegen beteiligt, deren moralische Begründung und Zweckhaftigkeit immer fragwürdiger wird.

    Die Bundeswehr abschaffen, würde den Exitus für uns bedeuten. Neues Material wird laufend benötigt, aber es muss zwischen nötig und unnötig unterschieden werden. Meiner Meinung nach sind die Drohnen unnötig.

    • bhenry
    • 28. Januar 2013 15:19 Uhr

    so ist es!!!

    Antwort auf "Entweder oder"
    • Conte
    • 28. Januar 2013 15:22 Uhr

    Die Rechnung ist einfacher aufgemacht: solange es Menschen gibt, wird es Konflikte geben. Wer sich in Sicherheit wiegt, könnte das nächste Opfer sein (C.G.)

    • Nibbla
    • 28. Januar 2013 15:28 Uhr

    womit er sich besser identifizieren kann.

    Wenn man den Leuten zuhört, was sie alles ihren Feinden wünschen, wird einen manchmal übel. Wie schnell die Menschen bereit sind die Vorteile des Rechtstaates aufzugeben für ein bisschen Rache an einen vermeintlichen Feind, der sich weigert sich zu fügen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Öhm ja"
  3. Krieg darf mE nicht einfach sein. Töten muss Überwindung kosten. Wenn sich eine Gesellschaft, in diesem Fall die deutsche, dazu entscheidet kriegerisch tätig zu werden, so wissen alle Soldaten, was das bedeutet. Und auch im Falle von Droheneinsätzen wissen Soldaten was es bedeutet: weniger.

    Daher werden Drohen (und natürlich werden sie kommen) unser Verhältnis zu Kriegen ändern.
    Wenn es in Zukunft wieder Debatten über fragliche Einsätze der Bundeswehr gibt oder überhaupt darüber berichtet wird, werden im Falle von Drohnenbeteiligung niedrige Opferzahlen häufiger. Was eine Desensibilisierung zur Folge hat.

    Es ist geschmacklos sich als Henker nicht auf dem Schafott zu befinden. Ich will den Krieg nicht gut reden, doch Gesellschaften geraten aneinander. Das haben sie immer schon getan und so nüchtern wir im Rückblick auf Kriege schauen, so fest ist der Griff ihrer scheinbaren Notwendigkeit. Wenn ein Krieg sich anbahnt, weiß man, dass er schmutzig wird. Er stellt ein Versagen von Diplomatie, bzw eine zu dünne Beziehungsebene zwischen den Kontrahenten dar. Er sollte nicht technologische Überlegenheit darstellen.

    Eine Leserempfehlung
  4. Es wird ja auch an automatisierten Panzern etc. geforscht. Der komplett ferngelenkte Krieg mag noch nicht erreicht sein, ist aber absehbar. Klar, auf der einen Seite möchte man natürlich die eigenen Soldaten schützen und sowieso so wenig wie möglich bei etwaigen Einsätzen in Gefahr bringen. Leider wird diese Technik dazu führen, dass es unseren Entscheidungsträgern noch leichter fallen wird das Bombardement von entfernten Ländern zu beschließen, weil sie noch nichtmal zu Soldatenbegräbnissen müssen (was wohl eine der unangenehmeren Pflichten in diesen Positionen ist.). Dadurch werden wir mehr Kriege führen und mehr Menschen in fremden Ländern umbringen (die berühmten "Kollateralschäden") Am Ende haben wir nur weniger Tote auf unserer Seite für mehr Tote auf der anderen Seite (eben auch bei Zivilisten) erkauft. Ob das dann ein Fortschritt ist, mag bezweifelt werden.

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