Wahlkampf Die CDU will weiblicher werden

An der Spitze der CDU geben Frauen bereits den Ton an, in der Breite dagegen sind sie unterrepräsentiert. Initiativen der Landesverbände sollen das ändern.

Kristina Schröder, Ursula von der Leyen und Angela Merkel im Bundestag

Kristina Schröder, Ursula von der Leyen und Angela Merkel im Bundestag

Wenn es um die Gleichstellung von Frauen geht, zeigt sich die CDU janusköpfig: Einerseits ist sie die Partei, die 1961 die erste Bundesministerin berief, seit 2000 von einer Frau geführt wird und in der Öffentlichkeit häufig mit meinungsstarken Ministerinnen auffällt. Doch sie ist auch eine Partei, die im Bundestag auf einen Frauenanteil von nur 20 Prozent kommt, die das Betreuungsgeld fördert und eine feste Frauenquote in der Wirtschaft ablehnt.

Welche Seite überwiegt, haben viele Wählerinnen für sich schon entschieden. In Baden-Württemberg zum Beispiel trauen sie der CDU immer weniger zu: Die Partei habe "insbesondere bei Frauen in nahezu allen Politikfeldern an Kompetenzwerten eingebüßt", berichtet die Initiative Frauen im Fokus des dortigen Landesverbands. Ein neues Patenmodell soll darum helfen, mehr weibliche Mitglieder zu Kandidaturen zu ermutigen. Eine Auszeichnung der erfolgreichsten Verbände dient als Anreiz.

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Der nordrhein-westfälische Verband gibt sich ebenfalls bemüht. Die Kandidaten zur Bundestagswahl werden "jünger und weiblicher" als zuletzt sein, prognostiziert der Landesvorsitzende Armin Laschet: "Als Volkspartei muss die CDU die ganze Vielfalt der Bevölkerung ausstrahlen, wenn sie noch Wahlen gewinnen will." Bislang wurden in NRW sechs Wahlkreise, in denen 2009 ein Mann antrat, an Frauen vergeben.

Diese regionalen Initiativen könnten bundespolitische Folgen haben. Immerhin stellen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zusammen fast die Hälfte der insgesamt 483.000 CDU-Mitglieder. Aus der Parteizentrale heißt es dazu wohlwollend: "Wir unterstützen alle Bemühungen unserer Parteigliederungen, verstärkt Frauen für eine Kandidatur bei der Bundestagswahl zu gewinnen."

Parteiinterne Kritik am traditionellen Rollenbild

In den Augen ihrer Kritiker stehen die Christdemokraten dagegen für veraltete Geschlechterklischees – der Mann verdient das Geld, die Frau steht am Herd. Das Betreuungsgeld zementiere dieses überholte Familienbild, kritisiert die rot-grüne Opposition. Und die Debatte um eine feste Frauenquote für Aufsichtsräte von Großunternehmen entzweit selbst die Ministerinnen Ursula von der Leyen (dafür) und Kristina Schröder (dagegen).

Eine Studie der parteinahen Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt, dass sogar die eigenen Mitglieder mit dem traditionellen Frauenbild der CDU fremdeln. Demzufolge sprechen sich 73 Prozent der weiblichen Mitglieder klar gegen die starre Rollenverteilung aus, in der gesamten Mitgliedschaft sind es 48 Prozent. Die Analyse von 2007 kommt außerdem zu dem Schluss, dass überdurchschnittlich viele Frauen liberale Positionen vertreten, etwa in der Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.

Leser-Kommentare
  1. Zumindest ist mir bisher nichts aufgefallen. Es werden Meinungsumfragen veranstaltet und danach Politik gemacht. Die wirkliche Lebenswelt der Menschen wird ausgeblendet und vor den Wahlen wird schnell noch ein bißchen taktiert. Und jetzt wird die CDU "weiblicher".
    Alle Politikerinnen der CDU sind viel zu männlich geprägt, das heißt dem Christlichen Weltbild unterworfen. Da hat man es mit manchen Themen nicht so leicht, obwohl sie viele Menschen betreffen.

    2 Leser-Empfehlungen
  2. 58. Von was

    für einer Opferrolle sptrechen Sie?

    Ich spreche von Formulierungen, von Sätzen, von gesellschaftlich verbreiteten Bildern und ihrer Wirkung auch in parteitaKTISCHER hINSICHT.

    Manchmal habe ich den eindruck, wir lebten wieder im 20. Jahrhundert. Die Menschen hatten damals fertige ideologien im kopF und egal, was einer sagte, schon wurden die eingeübten Termini aus der jeweiigen ideologischen Bibel über alles drübergeschüttet - egal, ob es mit dem Anlass zu tun hatte oder nicht.

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    • 2b
    • 01.02.2013 um 14:49 Uhr

    der Realität wird in den nachkommenden Generationen durchaus wahrgenommen ...

    Unsere (System)Unflexibilität ist das Hemmnis der Entwicklung der Jüngeren (und vor allem nicht deren Schuld) ???

    ohne 'Stolz und Vorurteil' durchs Bildungsdefizit ???
    (exotisch war die Rolle Jane Austen's während des http://de.wikipedia.org/w... _Haltepunktes (~Epoche) , damals, heute eher Mainstream?)

  3. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik und beleidigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

  4. ...als die Erweiterung des abgebildeten Triumvirat/Innen-Gespanns.
    .
    * Betreuungsgeld + Fragen ums Christkind resp. Weihnachtsmann
    * von der Leiharbeit
    * und als Highlight dieses Trios: die Meisterin des expectativen Verfahrens (abwarten um 180° wenden).
    .
    Die (getürkten) Zahlen kann uns auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit via dpa zukommen lassen.
    .
    Warum ist Annette Schavan nicht (mehr) mit auf dem Bild?

    2 Leser-Empfehlungen
  5. 62. oh oh

    In den von Ihnen oben angeführten Beispielen sind meines wissens Frauen deshalb unterrepresentiert, weil die Frau von Heute nunmal gleichberechtigt ihren eigenen Weg geht. Dazu gehört nicht automatisch der Wunsch auf Vorstand in DAX-Unternehmen etc.(und den damit verbundenen Einbussen im Privatleben). Es soll Frauen geben, die als Mutter ihre Aufgabe und Erfüllung gefunden haben. Darum sollte hier auch nicht Gleichstellung und Gleichberechtigung in einen Topf geworfen werden. Gleichberechtigt sind wir schon Jahrzente. Jedem ist überlassen, wie er sein Leben gestalten möchte. Die Gleichstellung ist das Gegenteil!

    Das es in den vergangenen Jahrhunderten eher (mächtige)Männer waren, die ihr Volk unterdrückten(dies betraf übrigens auch die 99% Männer in der Gesellschaft, die als Knechte, Sklave und Kanonenfutter ihren Herren dienen durften), bezweifelt überhaupt Niemand.

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    • keox
    • 01.02.2013 um 15:27 Uhr

    Dieser und jener vergebe mir, meine erste Assoziation war die Eingangsszene vom Macbeth:

    ""When shall we three meet again
    In thunder, lightning, or in rain?"

    2 Leser-Empfehlungen
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    • 2b
    • 01.02.2013 um 15:44 Uhr

    Die Verbindung eines Eklektizismus mit Verstand und Gefühl (Fritz Schumacher) mit einem Humanismus für Lebensrealitäten des gegenwärtigen ZeitRaumes wäre meiner Intuition folgend politeia sinniger

    nennt das meinetwegen
    weiblich im 21. Jahrhundert zum kindlichen Neutrum???

    mfg 'sinnerzeugender Konflikt'
    (http://de.wikipedia.org/w...)

    • 2b
    • 01.02.2013 um 17:02 Uhr

    Drei Damen vom Grill ;)

    ""When shall we three meet again
    In thunder, lightning, or in rain?"

    Diese spontane Assoziation von Politikerinnen mit den "Macbeth"-Hexen lässt aber doch tief blicken...

    ;-) ;-) ;-)

    ...vermutlich sind Sie nicht der Einzige, der so assoziiert...

    Männliche Ur-Ängste?

    ;-)

    • 2b
    • 01.02.2013 um 15:44 Uhr

    Die Verbindung eines Eklektizismus mit Verstand und Gefühl (Fritz Schumacher) mit einem Humanismus für Lebensrealitäten des gegenwärtigen ZeitRaumes wäre meiner Intuition folgend politeia sinniger

    nennt das meinetwegen
    weiblich im 21. Jahrhundert zum kindlichen Neutrum???

    mfg 'sinnerzeugender Konflikt'
    (http://de.wikipedia.org/w...)

    • 2b
    • 01.02.2013 um 17:02 Uhr

    Drei Damen vom Grill ;)

    ""When shall we three meet again
    In thunder, lightning, or in rain?"

    Diese spontane Assoziation von Politikerinnen mit den "Macbeth"-Hexen lässt aber doch tief blicken...

    ;-) ;-) ;-)

    ...vermutlich sind Sie nicht der Einzige, der so assoziiert...

    Männliche Ur-Ängste?

    ;-)

    • keox
    • 01.02.2013 um 15:34 Uhr

    Falls Sie interessiert sind, finden Sie meine Assoziation dazu im Kommentar 63

    Antwort auf "3 Damen"

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