Wahl-Niederlage : Der CDU fehlen die Optionen

Wieder stärkste Kraft, wieder keine Machtoption: Niedersachsen hat der CDU gezeigt, wie sehr sie von Merkel und der FDP abhängig ist.

Die Niedersachsen-Wahl wird sich der CDU auf schmerzhafte Weise ins Gedächtnis brennen: Als stärkste Kraft hat sich die Partei frühzeitig zum Wahlsieger erklärt und steht am Ende doch mit leeren Händen da. Die niedersächsische Staatskanzlei ist verloren, der Hoffnungsträger David McAllister an seiner ersten echten Herausforderung gescheitert. Viel alptraumhafter hätte der Start ins Jahr der Bundestagswahl für die Partei nicht verlaufen können. Zumal Niedersachsen durchaus als Szenario für die Bundestagswahl taugt.

Das wird die CDU-Führung natürlich vehement bestreiten. Schon am Sonntagabend erklärte Generalsekretär Hermann Gröhe die Wahl zu einer Richtungsentscheidung für Niedersachsen und eben nicht für den Bund. Aber so ist das bei Landtagswahlen – die Sieger sprechen von Rückenwind und Signalwirkung, die Verlierer spielen die Ergebnisse und ihre Bedeutung herunter. Angela Merkel jedenfalls ließ sich als CDU-Chefin den gesamten Abend über nicht blicken.

Nicht zu verschleiern ist die Niederlage von David McAllister. Merkels letzter Kronprinz hat seine erste richtige Wahl verloren und muss zurück in die zweite Reihe treten. Dass er am Wahlabend Edmund-Stoiber-gleich den Sieg bereits für sich reklamierte und sich als schlechter Verlierer entpuppte, hat seinem Abgang einen unschönen Beigeschmack gegeben. Als Hoffnungsträger für die CDU ist er vorerst verbrannt. Mit einem Wahlsieg hätte er dagegen seine Stellung als aussichtsreicher Erbe von CDU-Chefin Merkel festigen können.

CDU gehen Nachwuchshoffnungen aus

Nun muss McAllister aus der Opposition heraus an seiner politischen Zukunft arbeiten oder den Umweg über einen Kabinettsposten in Berlin gehen. Beides ist alles andere als aussichtsreich und braucht Zeit. McAllister folgt damit Stefan Mappus, Norbert Röttgen und all den anderen gestürzten Hoffnungsträgern der Partei. Das Tableau an vielversprechenden Nachwuchskräften ist bei den Christdemokraten mittlerweile ausgedünnt. Eine der wenigen verbliebenen ist die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner. Auch sie muss erst einmal eine Wahl gewinnen, was gegen die neue SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer deutlich schwerer geworden ist.

Was der CDU bleibt, ist ihre Vorsitzende und Kanzlerin, auf die bei der CDU schon jetzt alles ausgelegt ist. Worauf sonst sollte die Partei beim Bundestagswahlkampf auch setzen, wo neben Merkel nichts als Leere ist und das Regierungsprogramm vor allem Machterhalt heißt.

Dies gilt auch nach der Wahlschlappe in Niedersachsen. "Hauptsache wir können entscheiden, mit wem wir regieren", war am Wahlabend im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin zu hören. Die CDU gibt ihr Selbstverständnis als Regierungspartei eben nicht so einfach auf. Aber nach der Niederlage in Baden-Württemberg mussten die Christdemokraten nun erneut erfahren, dass man auch als stärkste Partei in der Opposition landen kann.

Das Leihstimmen-Trauma

In Niedersachsen hat die CDU mehr als 6,5 Prozentpunkte gegenüber der Landtagswahl 2008 verloren. Die meisten davon an ihren Koalitionspartner, die FDP. Die Botschaft, die davon ausgeht, dürfte weder den Schwarzen noch den Gelben gefallen: Das christlich-liberale Lager wird nicht größer, die FDP wächst auf Kosten der CDU. Dass mehr als 100.000 CDU-Anhänger ihre Stimme den Liberalen gegeben haben, drang am Wahlabend erst mit der Zeit als Problem ins Bewusstsein der CDU. Um 18 Uhr brach noch Jubel aus in der Parteizentrale, als die überraschend starken Werte für die FDP verkündet wurden.

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Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

CDU oder CSU?

Zitat: "...Natürlich gehen der CDU die Nachwuchshoffnungen aus. Die wenigen, die nicht von den Wählern abgestraft wurden, wurden von der Kanzlerin selbst demontiert (Röttgen) oder haben sich selbst aus dem Rennen genommen (Guttenberg)...."

Ist zu Guttenberg nicht CSU-Mitglied?

Es ist höchst erstaunlich, dass diese beiden Parteien im Bewusstsein der Bevölkerung als eine einzige wahrgenommen werden. Oder hat Merkel sich die CSU bereits vollends einverleibt?

Wer im Glashaus sitzt...

Das habe ich aber anders in Erinnerung mit Röttgen - meines Wissens wurde auch er bei der NRW-Wahl von den Wählern abgestraft.
Das ist ja wohl auch eine voreilige Schlussfolgerung, dass ein Politiker erst mal eine Landtagswahl gewinnen müsse, um als Kanzlerkandidat in Frage zu kommen. Wen hätte die SPD denn dann? Jedenfalls niemanden aus dem gegenwärtigen Führungs-Trio Gabriel, Steinmeier, Steinbrück.
Das Problem der CDU ist wohl nicht der fehlende Nachwuchs, der im Moment ja gar nicht gefragt ist, sondern der Koalitionspartner.
Man sollte auch nicht die Linken vergessen, die bei den Bundestags-Wahlen dem rot-grünen Lager wohl ein paar Prozent wegnehmen könnten, anders als in Niedersachsen.
Also erst mal abwarten.

Der einzige Verlierer

ist Deutschland. Sowohl als auch haben keine anerkannten Persönlichkeiten, sondern Politiker, die sich arrogant inszenieren und Verantwortung vermissen lassen.
Nachwuchs ist noch lange nicht in Sicht, bei keiner der Parteien fiele mir auch nur einer ein auf den ich zeigen könnte. Es ist eher eine Art Altherrenrunde mit Rotationsprinzip wer wann wieder regieren darf (natürlich beziehe ich auch die Frauen ein, aber mir ist kein passenderer Begriff eingefallen. Vorschläge werden gerne entgegengenommen)

Das man überhaupt von Sieg sprechen kann ist ja selbstredend ein Witz bei der Wahlbeteiligung ist diese Regierung keines Wegs vom Volk, sondern einer Minderheit legitimiert (Also doch Demokratur oder Aristokratie?)