50 Jahre ÉlyséeDie Energiewende, das nächste deutsch-französische Projekt

Ihre langjährige Freundschaft sollten Frankreich und Deutschland dazu nutzen, die erneuerbaren Energien voranzutreiben. Ein Gastbeitrag von J. Trittin und grünen Kollegen von Jürgen Trittin, Rebecca Harms, Claude Turmes und Yannik Jadot

Vor 50 Jahren wurde mit dem Élysée-Vertrag eine wichtige Grundlage für das Zusammenwachsen in Europa gelegt. Es begann ein Zeitalter des friedlichen Zusammenlebens und der gegenseitigen Kooperation. Heute steht das Europa der Finanzkrise angesichts des Auseinanderklaffens von Reich und Arm wieder am Scheideweg. Trotzdem liegt für uns die Lösung der Krise in Europa. Diese gilt auch für die künftige Versorgung mit Energie. Allein 2011 gab Europa über 500 Milliarden Euro für den Import von Öl und Gas aus. Mit diesem Geld hätte man problemlos die notwendige Erneuerung der ökologischen Wirtschaft und die energetische Gebäudesanierung finanzieren können. Doch die Weichen werden nur zaghaft umgestellt.

Die Autoren

Jürgen Trittin ist Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag und Spitzenkandidat zur Bundestagswahl. Rebecca Harms führt die Fraktion der Grünen im Europäischen Parlament. Der Luxemburger Claude Turmes ist ihr Stellvertreter, Yannick Jadot gehört für das französische Wahlbündnis Europe Écologie dem Europäischen Parlament an.

Die Energiewende muss europäisch gedacht werden

Die Kraftwerkparks in Europa sind überaltert. Die Deutschen investieren vor allem in erneuerbare Energien statt in Atom- und Kohlekraftwerke. Rund 400.000 Arbeitsplätze in diesem Sektor zeugen von dessen heutiger industrieller Bedeutung. In Frankreich wären Investitionen in Höhe von 213 Milliarden Euro notwendig, um die AKW nachzurüsten beziehungsweise neue zu bauen. Eine Investition in erneuerbare Energien wäre daher auch für Frankreich der bessere Weg. Ökologisch und wirtschaftlich!

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Die deutsche Energiewende wird weltweit viel beachtet. Doch Öko-Technologien sind immer noch nicht Zentrum einer gemeinsamen europäischen Industriepolitik. Und die Umstellung auf erneuerbare Energien wird durch das Festhalten an einer überkommenen nuklear-fossilen Kraftwerksstruktur gehemmt. Der Erfolg der Energiewende hängt auch davon ab, dass sie europäisch gedacht und verankert wird. Dazu muss die deutsch-französische Zusammenarbeit als historischer Motor der europäischen Integration wieder die treibende Kraft sein. Mit dem 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags und der damit verbundenen reichen Erfahrung sollte die Gelegenheit genutzt werden, eine bilaterale und im weiteren Sinne europäische Initiative rund um die Energiewende auf die deutsch-französische Agenda zu setzen.

Der EU-Kommissar bedient die Interessen der fossilen Kraftwerke

Es gibt viele Unterschiede, doch beide Staaten haben ähnliche Herausforderungen zu meistern. Der Umbau der Energieversorgung erfordert große Investitionen, um weg von Öl, Kohle und großen Mengen Atomstrom zu kommen. Die erforderliche energetische Sanierung des Gebäudebestands oder der Automobilsektor hinken auf beiden Seiten des Rheins den Anforderungen hinterher.

Niemand hat bisher ein Patentrezept dafür gefunden, wie der Strommarkt mit den fluktuierenden erneuerbaren Energien funktionieren kann. Aber wenn der zuständige Kommissar lediglich gegen Windmühlen reitet und im Kern die Interessen der alten Energiekonzerne bedient, müssen die wichtigen Fragen von anderen angegangen werden. So sollte zum Beispiel die seit 2007 bestehende Kooperation auf den Energiemärkten von Deutschland, Frankreich, Österreich und den Benelux-Staaten Ausgangspunkt eines regionalen Kapazitätsmarktes sein, welcher die notwendigen Flexibilitäten – z.B. neue Gaskraftwerke oder Speicher – beschafft. Hierzu müsste eine gemeinsame Arbeitsgruppe die Regulierer an einen Tisch bringen.

Leserkommentare
  1. Natürlich wäre es zu begrüßen, wenn ganz Europa sich an der "Energiewende" beteiligen würde. Schon allein aufgrund der unterschiedlichen Standortvorteile (Sonne/Wind/Wasser etc.) wäre dies sinnvoll.
    Aber aktuell ist das Szenario doch eher eine Utopie. Eine große Mehrheit der Franzosen ist pro Kernkraft und auch in unseren Nachbarländern ist da eher eine Tendenz in Richtung saubere Energie = Kernenergie zu erkennen.

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    Nur weil sie bei uns, von Atommüll mal abgesehen wenig Dreck macht, ist sie noch lange nicht sauber. Sehen sie sich mal den Uranbergbau in armen Ländern an...
    http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/156271/index.html

  2. Die Franzosen sollen ihre Atomkraftwerke behalten und nicht dem deutschen Irrweg folgen.

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    • S0T86
    • 22. Januar 2013 16:11 Uhr

    Der angebliche "Irrweg" ist der einzig vernünftige und nachhaltige. Weder Atomkraftwerke, noch Kohlekraftwerke sind eine nachhaltige, d.h. auf die Zukunft ausgerichtete Lösung. In diesem Kontext ist die Energiewende unausweichlich und sollte mit viel mehr Elan durchgesetzt werden, als es nun der Fall ist. Notfalls auch in ganz Europa. Mittel- und langfristig gibt es dazu keine Alternative.

    Der konservative Strohhalm "Atomkraftwerke" hat ausgedient. Und das ist gut so. Bis heute gibt es kein zuverlässiges Endlager.

    herausgestellt, überhaupt in die Kernspaltungstechnik eingestiegen zu sein.

    Die Ukraine muss heute einen erheblichen Anteil ihres Staatshaushalts dafür aufwenden, die Ruine von Tschernobyl zu sichern.

    Die japanische TEPCO ist im Mai 2012 mitsamt ihren Milliardenschulden in die Hand der japanischen Bürger übergegangen, d.h. die japanische Gesellschaft steht nun für die Schäden gerade.

    In Deutschland soll allein die Bergung des Inhalts der Asse mehrere Milliarden Euro kosten (wenn dies überhaupt noch möglich ist.)

    Und der französische Weg führt zu stark verschuldeten Staatsunternehmen (der "mittelfristige Finanzbedarf" der EDF-Tochter Areva soll laut Schweizer Handelszeitung bei ca. 13 Milliarden Euro liegen; 2011 hat die Gesellschaft 2,4 Milliarden Euro Verlust gemacht.)

    Der "Irrweg" Deutschlands wird dagegen auf lange Sicht zur Versorgung mit günstigem und sauberem EE-Strom führen - ohne Brennstoffkosten, ohne Abfälle oder Abgase - und zwar auf Jahrtausende.

    (Doch - EE sind günstig - das Börsenbarometer EEX zeigt dies unzweifelhaft.)

    • Karl63
    • 22. Januar 2013 17:08 Uhr

    schon einen Schritt weiter, wie im Dezember in ZEIT Online zu lesen war: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-12/frankreich-atomkraft-zweifel
    Angesichts der hohen Kosten für AKW-Neubauten auf den Stand der Technik, sinkt auch dort die Bereitschaft in neue Kernkraftwerke zu investieren. Wobei auch zu berücksichtigen ist, bislang sind die Kosten für Windenergie stetig gesunken, ob Kernbrennstoff auch in Zukunft derart preiswert wie momentan zur Verfügung stehen wird, ist völlig offen.

    Aber leider leider sind AKWs noch nicht sicher genug, dass sie auch einen Terroranschlag mit einem Raketenwerfer oder Flugzeug überleben würden und mindestens genauso störend - wir können nicht alle Abfälle aus den AKWs unter Herrn Armutszeugnises Kopfkissen lagern.

    • S0T86
    • 22. Januar 2013 16:11 Uhr

    Der angebliche "Irrweg" ist der einzig vernünftige und nachhaltige. Weder Atomkraftwerke, noch Kohlekraftwerke sind eine nachhaltige, d.h. auf die Zukunft ausgerichtete Lösung. In diesem Kontext ist die Energiewende unausweichlich und sollte mit viel mehr Elan durchgesetzt werden, als es nun der Fall ist. Notfalls auch in ganz Europa. Mittel- und langfristig gibt es dazu keine Alternative.

    Der konservative Strohhalm "Atomkraftwerke" hat ausgedient. Und das ist gut so. Bis heute gibt es kein zuverlässiges Endlager.

    7 Leserempfehlungen
    • Mika B
    • 22. Januar 2013 16:13 Uhr

    welche nicht zusammen passen unter "Energiewende" versteht Deutschland und Frankreich schon einmal grundsätzlich etwas Anderes.
    In Deutschland möchte man von der Kernkraft weg und sie in Frankreich gern Behalten, dies hat aber nichts mit CO2 Emmission zu Tun den Atomstrom ist genauso Klimaneutral wie Windenergie.
    In Frankreich möchte man gern den CO2 Ausstoß von Autos stärker begrenzen, Deutschland aber lieber weiter Luxusautos bauen und fahren.
    Zudem haben die restlichen EU Bürger gerade mitbekommen das in Deutschland die Energiekosten wegen der Umstellung sogar drastisch Steigen obwohl Wind und Sonne gegenüber Uran, Gas oder Kohle als Rohstoff "Kostenlos" sind und die Preise eigentlich deshalb Sinken müssten?
    Zumindest hier hat Deutschland einer Europäischen Energiewende einen "Bärendienst" erwiesen, wäre ich Bürger in Frankreich oder Polen und müsste deshalb deutsche Energiepreise fürchten.
    Ganz abgesehen vom Unsinn "CO2-Emissionshandel" an den sicher Spekulanten und Bankster gut Verdienen, aber nicht der Bürger oder das Klima welche die Zeche dann noch zusätzlich zahlen müssen.

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    • lispm
    • 22. Januar 2013 16:24 Uhr

    Genau. Die französischen Strompreise sind politisch - sie haben nichts mit einem Markt zu tun. Die Konzerne (EDF, Areva) gehören dem französischen Staat und sind hoch verschuldet. Wir haben es hier mit Staatsmonopolen zu tun. Fern von jeder Marktwirtschaft.

    Kein französischer Präsident würde es überleben, wenn die Strompreise auf Marktniveau angehoben werden.

    • Wupert
    • 22. Januar 2013 22:28 Uhr

    Sie haben vollkommen recht!

    Deutschland schreit mit voller Imbrunst "Energiewende", was es aber meint ist "Atomkraft - nein danke".

    Genau aus diesem Grund versteht es auch Länder wie GB oder Frankreich nicht. Diese Länder verstehen unter Energiewende, die Abkehr von kohlenstoff basierter Energieversorgung hin zu CO2 freier Stromversorgung und das noch unter Berücksichtigung von bezahlbaren StrompPreisen.
    Aber genau hier hat Kernkraft nunmal erhebleiche Vorteile, die aber natürlich nicht zur "Energiewende"-made-in-Germany passen.

    Ich behaupte, hier in Deutschland würde man die gelungene Umsetzung der Energiewende schon feiern, wenn alle KKW abgeschaltet und durch Braunkohlekraftwerke ersetzt worden sind.

    Und, ja natürlich produziert die Kerntechnik auch Abfälle, nur was mir einfach nicht einleuchtet ist, das Deutschland als Industrieland tagtäglich tausende von Tonnen hochtoxischer Abfälle aus allen möglichen Industriebereichen produziert und keinen interessiert das. Beim Thema Kernkraft, allerdings, steht man auf dem Standpunkt "Jedes Atom tötet". Das ist doch lächerlich!

    Genauso könnte sich ein Kettenraucher darüber aufregen, das sein Nachbar einen Diesel fährt, weil er ja von dem Russ Lungenkrebs bekommen könnte!

    • lispm
    • 22. Januar 2013 16:24 Uhr

    Genau. Die französischen Strompreise sind politisch - sie haben nichts mit einem Markt zu tun. Die Konzerne (EDF, Areva) gehören dem französischen Staat und sind hoch verschuldet. Wir haben es hier mit Staatsmonopolen zu tun. Fern von jeder Marktwirtschaft.

    Kein französischer Präsident würde es überleben, wenn die Strompreise auf Marktniveau angehoben werden.

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  3. Nur weil sie bei uns, von Atommüll mal abgesehen wenig Dreck macht, ist sie noch lange nicht sauber. Sehen sie sich mal den Uranbergbau in armen Ländern an...
    http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/156271/index.html

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    Antwort auf "leider utopisch"
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    Ich persönlich halte Kernenergie nicht für sauber, weil wir die Endlagerung nie befriedigend werden lösen können.

    Aufgrund der geringen CO2 Belastung wird Kernenergie jedoch zu den umweltfreundlichsten Energiegewinnungsarten gezählt.

  4. [...]

    es ist doch fr, in dem mit atomstrom geheizt wird-
    während in deutschland-auch dank trittin-mit öl geheizt wird- und nicht mit atomstrom.-

    die deutschen konnten in pucto atomkraft belogen werden,weil sie geil darauf waren,belogen zu werden.-
    sie wollten es hören mmer wieder :"in wahrheit ist der atomstrom viel teurer als ee"-
    das wird in fr nicht funktionieren,weil denen die deutsche angst abgeht.-

    dass trittin offenbar seinem selbstbetrug treu bleibt,zeigt die mär von den schwankenden preisen,die deutsche pv-hersteller in die pleite getrieben haben soll.-
    mit solcher primitivtechnologie kann ein hochlohnland nicht konkurrenzfähig sein-das ist der grund.-

    und die überkapazitäten sollen nun auch noch durch weitere
    deutsch-französische fabriken erhöht werden.-
    die produzieren dann billiger als die chinesen? oder wie?

    es ist unfug pur-man muss das ganze als glaubensbekenntnis sehen- und glauben heisst nun mal nicht wissen.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen freundlichen Umgangston. Danke. Die Redaktion/sh

    Eine Leserempfehlung
    • Mika B
    • 22. Januar 2013 16:48 Uhr

    Natürlich ist Kernernergie nicht "Sauber" das hab ich auch nicht Behauptet sondern im Prinzip genauso "Klima oder CO2neutral" wie Windenergie.
    Auch bei den Windrädern gibt es die gleichen Umwelt "Rohstoff Probleme", dort nicht im afrikanischen Uranbergbau sondern teilweise schlimmeren "Seltende Erden" Abbau.

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