Niedersachsen-WahlBrüderle verdirbt den FDP-Endspurt
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Geht Rösler freiwillig?

Ist das also der Beginn eines Putsches gegen den Parteivorsitzenden, strategisch gezielt wenige Tage vor die Landtagswahl in Röslers Heimatverband gesetzt? Abgesprochen mit der Parteizentrale war Brüderles Interview jedenfalls nicht. Verärgert reagierte auch der Spitzenkandidat in Niedersachsen, Stefan Birkner. Ihm stehe nach solchen Diskussionen jetzt wirklich nicht der Sinn, sagte er der Welt. Kritik kam auch vom schleswig-holsteinischen Fraktionsvorsitzenden, Wolfgang Kubicki, der nicht gerade als Rösler-Freund bekannt ist: "Ich verstehe den Vorstoß von Rainer Brüderle nicht", sagte er ZEIT ONLINE – und verwies darauf, dass man diese Fragen doch erst am Montag diskutieren wollte. Außerdem stellten sich satzungsrechtliche Probleme. Zum Beispiel die, ob man so schnell und so einfach überhaupt einen Wahlparteitag einberufen könnte. Entwicklungsminister Niebel zog es vor zu schweigen.

Als wirkliche Unterstützung für den Parteichef ist das alles natürlich nicht zu interpretieren. Eher als Schadensbegrenzungsmaßnahme für die niedersächsischen Wahlkämpfer. Rösler weiß sowieso, dass er mit dem Rücken zur Wand steht. Seine Kritiker versuchen ihn dem Vernehmen nach dazu zu bewegen, sein Amt als Parteichef freiwillig aufzugeben und lediglich als Minister weiterzumachen. Das wäre das gleiche Szenario wie bei seinem Vorgänger Guido Westerwelle. Rainer Brüderle würde dann Vorsitzender und Spitzenkandidat zur Bundestagswahl. Eine weitere Option wäre, dass Rösler Parteichef bleibt und Brüderle als obersten Wahlkämpfer für 2013 vorschlägt.

Der Parteichef hatte intern signalisiert, dass er bei einem Ergebnis von über fünf Prozent der Stimmen um sein Vorsitzendenamt kämpfen will. Vielleicht ist Rainer Brüderle ja daher am Freitag im Fernsehen in die Offensive gegangen. Um den von ihm vermeintlich so unterstützten Rösler leise zu warnen, am Wahlabend nicht zu selbstbewusst aufzutreten.

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Leserkommentare
  1. die FDP will den Laden doch wohl nicht tatsächlich Brüderle überlassen. Ein schrecklicher Gedanke.

    12 Leserempfehlungen
    • Ghede
    • 18. Januar 2013 18:51 Uhr

    Na, sollte die FDP an der 5%-Hürde scheitern, werde ich gedanklich auf Herrn Brüderle anstoßen.

    Als ob es irgendeine Rolle spielte, wer in der FDP derzeit Vorsitzender oder "oberster Wahlkämpfer" ist. Es ist nicht zu sehen, dass diese Partei momentan in der Lage oder willens wäre, sich inhaltlich glaubwürdig neu zu positionieren. Wobei "neu" da natürlich ohnehin relativ ist, denn was sind überhaupt die aktuellen Positionen der FDP? Das liberale Korrektiv? Eine Lachnummer.

    Es gibt sicherlich Parteien, die "egaler" sind, beispielsweise die Violetten. Aber wäre die FDP nicht immer noch bedauernswerterweise in Regierungsverantwortung, wer würde von diesem Haufen momentan überhaupt Notiz nehmen?

    19 Leserempfehlungen
    • 29C3
    • 18. Januar 2013 18:53 Uhr

    ist m.E. als Politiker ein gnadenloser Populist und Phrasendrescher, der in etlichen TV-Auftritten längst wiederholt als Solches entlarvt wurde. Was die FDP braucht sind Leute vom Schlage Baums und Schnarrenbergers, und nicht Lambsdorfs oder Brüderles.

    18 Leserempfehlungen
  2. ... wie man sie kennt und schätzt:

    Es geht immer um die Inhalte - in dem Fall dann um den Inhalt des Parteivorsitzendenbüros.

    >> "Ich stehe hinter Philipp Rösler" <<

    Da hat Brüderle sich ja in die ideale Position gebracht für das, was er mit Rösler vorhat. Wollte er ihn schützen, würde er sich ja *vor* ihn stellen.

    22 Leserempfehlungen
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    Stellungskampf bei der FDP. Egal wer verliert, einen Gewinner gibt es auf jeden Fall: das ZDF. Brüderle bei Welke, Rössler bei Lanz. Hoffentlich nimmt sich das ZDF nicht Merkels Aufforderung, mit den Rundfunkbeitägen sorgsam umzugehen, zu Herzen und fängt an zu sparen....

    Brüderle steht hinter Rösler, mit gezücktem Dolch.

  3. Der Artikel ist mir viel zu einseitig geschreiben. Was der Autor des Artikels gerne hätte, wissen wir ja nun.

    Aber was will Brüderele damit erreichen? Vielleicht ist das gar nicht so dumm wie es erscheint. Vielleicht ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl an alle potentiellen FDP: "Seht her, wir entziehen Rösler in jedem Fall das Vertrauen, also besteht wieder Hoffnung auf einen richtigen Neuanfang bei der FDP"

    Für mich ist die FDP unverzichtbar (auch in Niedersachsen), da sie die einzige Partei ist, die noch wirklich auf Selbstverantwortung, Leistung und weniger Einmischung vom Staat steht. Das geht insbesondere der SPD und den Grünen mittlerweile leider gänzlich ab.

    2 Leserempfehlungen
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    • Ghede
    • 18. Januar 2013 19:11 Uhr

    So wie in dem wundervollen Satz, dass sich Leistung wieder lohnen müsse? Am besten schmeckt das garniert mit der spätrömischen Dekadenz. Da sieht man mal, dass die Leute, die 5 Euro pro Stunde verdienen einfach nicht genügend leisten, und es doch selbst in der Hand hätten, mehr zu tun. So wie beispielsweise Hoteliers, die nun wahrlich die helfende staatliche Hand benötigen, bei so viel Leistung, die sie tagtäglich bringen.

    Hach. Ein Fest, diese FDP.

    gegenüber? - Und was bedeutet schon Leistung: Was haben die Hoteliers denn geleistet dafür, daß ihnen ein Steuergeschenk gemacht wurde? Was leisten dagegen Menschen in Vollarbeitszeit, ohne daß sie mit dem Lohn ihre Familie ernähren könnten? Was leistet Industrie, die demnächst den elektrischen Strom fast geschenkt bekommt, während zur gleichen Zeit auch Geringverdiener mit dem Dreifachen des eigentlichen Preises zur Kasse gebeten werden? - Die Liste ließe sich fortsetzen; ich bedaure nur, daß es immer wieder Anhänger der FDP gibt, die die Grundsätze des Liberalen gerne vergessen. -

    In Niedersachsen?
    Ich sag nur mal drei Stichworte:
    - Fracking

    - Gorleben

    -Wulff

    McAllister kann einem ja nur leid tun, denn er selbst scheint ein bodensttändiger Mann zu sein, aber sowohl Wulff, als auch Bode, werden ihm das Genick brechen.

    Denn die Fracking-Gegner, neben den Gegnern von Gorleben, haben sicher registriert, dass die NRW-Regierung Fracking, nach der Wahl 2012, sehr schnell gestoppt hat.

    Von den üblichen Problemen im Oldenburgischen rede ich schon gar nicht.

    Es wird wahrscheinlich knapp werden, wie in NRW 2010, wenn es auch zu einer Mehrheit für SPD/Grüne reichen dürfte.

    Dann kann man immer noch, zu gegebener Neuwahlen veranstalten, wenn die wichtigsten Sachen abgestellt wurden.

    Hr. Brüderle will sicher klarmachen, dass man mit seiner Wahlentscheidung in Niedersachsen nicht "Hrn. Rösler abwählen" muss, weil das eh bald passiert, egal wie die Wahl ausgeht.

    Aber auch unabhängig von Hrn. Rösler oder Hrn. Brüderle: kann man eine Partei wählen, die derart Klientelpolitik macht und sich nicht um das Wohl Deutschlands als Ganzem kümmert, sondern Dumpinglöhne, Steuerflucht und Zockerbörsengeschäfte begünstigt - das kann meiner Ansicht nach (und vermutlich gehöre ich persönlich sogar zum anvisierten Klientel dieser Partei) mit dem ansonsten guten Grundmotiv von Liberalität nicht gerechtfertigt werden.

    Auch wenn es die CDU dann allein in Niedersachen nicht schaffen sollte: diese FDP gehört nicht gewählt!

    "da sie die einzige Partei ist, die noch wirklich auf Selbstverantwortung, Leistung und weniger Einmischung vom Staat steht."

    Ich glaube, genau darin liegt das Problem dieser Partei, das auch der Wechsel zum xtem Vorsitzenden nicht ändern wird. Das stoische Beantworten aller möglicher drängender Probleme mit der neoliberalen Universalformel "keine Einmischung staatlicherseits, Selbstverantwortung und Leistung" - welche gleichermaßen auf Fragen des Umgangs mit der europäischen Krise, den humanitären Katastrophen, und der Frauenquote gegeben wird...überzeugt irgendwie nicht (mehr).

  4. Das ist offenbar wohl der Glaube aller um ihre Posten bangenden FDP-Politiker.

    Da es jetzt wohl so aussieht, als ob die FDP in Niedersachsen über die 5 % kommt und die Hängepartie dann mit Rösler weitergeht, muss dieser attackiert werden, bevor er einen triumphalen Auftritt haben kann.

    Wenn es dann doch schief gehen sollte, so kann Rösler natürlich als Sündenbock dienen, nach dessen Beseitigung die FDP sich strahlend erneuert und wie Phönix aus der Asche aufersteht.

    Eine Leserempfehlung
    • Ghede
    • 18. Januar 2013 19:11 Uhr

    So wie in dem wundervollen Satz, dass sich Leistung wieder lohnen müsse? Am besten schmeckt das garniert mit der spätrömischen Dekadenz. Da sieht man mal, dass die Leute, die 5 Euro pro Stunde verdienen einfach nicht genügend leisten, und es doch selbst in der Hand hätten, mehr zu tun. So wie beispielsweise Hoteliers, die nun wahrlich die helfende staatliche Hand benötigen, bei so viel Leistung, die sie tagtäglich bringen.

    Hach. Ein Fest, diese FDP.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Einseitig..."
  5. Zum zweiten Mal nach der Landtagswahl in BW könnte es dem Weinfreund aus der Pfalz gelingen, die Wahlaussichten seiner Partei zu ruinieren. Auch Politikern muss man raten: "Erst denken und dann reden!"
    Oder hat er sich vor dem Interview mit seinem Lieblingsgetränk in Stimmung gebracht?

    8 Leserempfehlungen

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