Niedersachsen-WahlBrüderle verdirbt den FDP-Endspurt

Rainer Brüderle will Ende Februar einen neuen Parteivorsitzenden wählen lassen. Ein Angriff auf Philipp Rösler, zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl. von 

Es ging doch gerade wieder aufwärts für die FDP. Laut neuesten Umfragen ist der Wiedereinzug in den niedersächsischen Landtag greifbarer als je zuvor. Wahlkämpfer und Parteiführung schienen zusammengerückt. Der Vorsitzende Philipp Rösler berichtete stolz von Standing Ovations für ihn in seinem Heimatverband und FDP-Urgestein Hans-Dietrich Genscher lobte öffentlich die Arbeit des 39-Jährigen. "So macht Rösler die deutsche Wirtschaft fit", jubelte außerdem am Freitagmorgen Deutschlands größte Boulevardzeitung.

Super Vorzeichen für den Wahlsonntag, könnte man meinen. Fast vergessen schien das missratene Dreikönigstreffen von Anfang Januar, als Präsidiumsmitglied Dirk Niebel indirekt den Rücktritt des Parteichefs forderte. "So wie jetzt kann es mit der FDP nicht weitergehen", hatte der Entwicklungsminister gesagt. Die Partei müsse sich personell neu aufstellen – so bald wie möglich und nicht erst nach der Niedersachsen-Wahl.

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Nicht nur in Hannover war man empört. Bekanntlich meiden Bürger Parteien, die als zerstritten gelten. Doch Niebels Vorstoß verpuffte, im Präsidium einigte man sich darauf, die Personalstreitereien auf die Zeit nach der Landtagswahl zu vertagen. Ausgerechnet Rainer Brüderle hat sie nun wieder neu angestoßen. Und damit den Wahlkämpfern in Niedersachsen einen Bärendienst erwiesen. Niedersächsische Liberale reagierten am Freitag hinter vorgehaltener Hand verständnislos.

Landesverbände wollen Sonderparteitag

Der Bundestagsfraktionschef, der als möglicher Nachfolger Röslers an der Parteispitze gilt, sinnierte am Freitagmorgen in einem Fernsehinterview über eine vorgezogene Neuwahl des Bundesvorsitzenden. Denkbar wäre ein Parteitag Ende Februar/Anfang März – und nicht erst Anfang Mai, sagte Brüderle. Schließlich stünden die Wahlen satzungsgemäß sowieso an und mit Blick auf die nahende Bundestagswahl sollte man vielleicht früher reinen Tisch machen.

Damit sprach der Fraktionschef einerseits nur Überlegungen offen aus, die schon länger in FDP-Führungskreisen die Runde machen. Denn die Liberalen wissen, dass sie so schnell wie möglich ihre elenden Personaldiskussionen beenden müssen. Sonst können sie die Bundestagswahl und eine mögliche Fortsetzung der schwarz-gelben Regierung vergessen. Der Unmut gegen Rösler hat in den vergangenen Monaten größere Kreise gezogen: Neben Niebel haben sich andere führende Liberale wie Wolfgang Gerhardt, Volker Wissing und Wolfgang Kubicki mehr oder weniger direkt für einen neuen Parteivorsitzenden ausgesprochen. Mehrere FDP-Landesverbände wollen offenbar einen Sonderparteitag einfordern, sollte die Parteiführung diesen nicht selbst vorziehen. Mögliche Termine wurden bereits intern diskutiert, denn es ist allen klar, dass bald etwas passieren muss – egal wie die Wahl am Sonntag in Niedersachsen ausgeht.

"Ich stehe hinter Philipp Rösler"

Dass ausgerechnet der Polit-Profi Brüderle sich jetzt nicht an das bis zum Montag auferlegte Schweigegelübde hielt, muss Parteichef Rösler als Angriff verstehen. Denn für den Fraktionschef wäre es ein Einfaches gewesen, die Frage der Fernsehmoderatorin ähnlich ausweichend zu beantworten, wie alle anderen Kollegen dies auch in den vergangenen Tagen taten. Da nutzt es nicht, dass Brüderle im gleichen Interview noch betonte: "Ich stehe hinter Philipp Rösler."

Der Rheinland-Pfälzer Brüderle gilt schon länger als Rivale des Parteichefs, einer Umfrage zufolge sähe ihn die Mehrheit der FDP-Wähler gern in dieser Führungsposition. Bemerkenswert auch, dass ihm sogleich Christian Lindner beisprang, der mal Röslers Generalsekretär war und heute nicht mehr gut auf seinen einstigen Weggefährten zu sprechen ist. Lindner betonte, er würde Brüderles Empfehlung folgen.

Leserkommentare
    • grrzt
    • 18. Januar 2013 21:32 Uhr

    "Es ging doch gerade wieder mit der FDP" und dann der Witz des Abends, - "Laut neuesten Umfragen ist der Wiedereinzug in den niedersächsischen Landtag greifbarer als je zuvor" Nun Ja, haarscharf vorbei ist auch daneben. Wann ging es jemals irgendwie mit der FDP, abstürzende Vorsitzende en masse. 0.5% Prozent halte ich der Bedeutung dieser Partei für angemessenm, befürchte aber, dass die Zweistimmenverdummung auf ein entsprechendes Wählervolk trifft

    3 Leserempfehlungen
  1. mit Fremdsprachen habe ich mich schon immer schwer getan. Trotzdem komme ich wohl nicht herum, jetzt brüderlisch zu lernen.

    2 Leserempfehlungen
    • wokahle
    • 18. Januar 2013 22:25 Uhr

    Es wird doch nur jeder Unfug behauptet, um die FTP ununterbrochen in den Medien zu halten.
    Und wie man sieht, alle machen mit.
    Ich nenne das ein Versuch der Wahlbeeinflussung.

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  2. Brüderle steht hinter Rösler, mit gezücktem Dolch.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die FDP, ..."
  3. "Wer blaue Krawatten trägt strebt nach Ausgeglichenheit, Ruhe, Treue, Beständigkeit und zeigt eine hohe Meinung zu Werten wie Ehrlichkeit und Ehre."

    Sie meinen doch wohl nicht etwa, die Herren Brüderle und Rösler täuschen Eigenschaften vor, die sie gar nicht besitzen? ;-)

    2 Leserempfehlungen
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    das meine ich...

    Oder wie soll man interpretieren, dass in den letzten Jahren auch Politiker auf die Krawatte verzichten: Nur nicht festlegen lassen...

    Da finde ich die Männer in der FDP schon mutig ;)

    • Bashu
    • 18. Januar 2013 23:26 Uhr

    zeitung.

    Interessant.

    So wird die Volksmeinung geBILDet. Da hat jemand gute Kontakte.

    2 Leserempfehlungen
  4. Hu, ausgerechnet Brüderle?! Der müsste sich eigentlich gaaanz klein machen und gaaanz still sein. Schließlich war er es, der als FDP-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz seine eigene Partei bei der letzten Landtagswahl so außerordentlich wirkungsvoll aus dem Landesparlament katapultiert hat. Was ihm in Mainz gelungen ist, sollte er doch auch in Hannover und später dann in Berlin schaffen...

    3 Leserempfehlungen
  5. 40. Genau

    das meine ich...

    Oder wie soll man interpretieren, dass in den letzten Jahren auch Politiker auf die Krawatte verzichten: Nur nicht festlegen lassen...

    Da finde ich die Männer in der FDP schon mutig ;)

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