ZEIT ONLINE: Im Bundestag haben Sie bei namentlichen Abstimmungen bislang immer auf Parteilinie gestimmt.

Bernschneider: Das kann sein. Und bevor Sie fragen; es gab auch Abstimmungen, bei denen ich gegen meine eigentliche Haltung gestimmt habe. Die Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften in der Einkommensteuer gehört sicher dazu. Es ist traurig, dass wohl erst das Verfassungsgericht die Union hier zur Vernunft bringen wird. Aber das wird bald passieren und man muss sich fragen, ob man für ein paar Wochen oder Monate eine Koalition aufs Spiel setzt und damit auch übergeordnete Ziele wie einen ausgeglichenen Haushalt. Ich hätte aber auch kein Problem, bei einer Gewissensfrage gegen die Fraktionslinie zu stimmen.

ZEIT ONLINE: Sie sind auch Mitglied des Landesvorstands der FDP in Niedersachsen, die bei der Landtagswahl fast zehn Prozent der Stimmen erhalten hat. Das hat Ihren Parteichef Philipp Rösler zwar erst mal gerettet. Aber dennoch bleibt er umstritten.

Bernschneider: Wie jeder andere auch bei all jenen umstritten wäre, die meinen, dass ein Vorsitzender alleine reicht, damit die FDP in den Umfragewerten wieder über zehn Prozent schießt. Die FDP wird nur erfolgreich sein, wenn wir im Team auftreten. Dazu gehören sowohl Philipp Rösler als auch Rainer Brüderle und viele andere.

ZEIT ONLINE: Auch Brüderle steht in der Kritik, spätestens seit diese Woche ein sehr kritisches Porträt über ihn im Stern erschienen ist.

Bernschneider: Dieselbe Journalistin hat mich mal über eine Stunde zum Thema "Wie kommt die FDP wieder voran?" interviewt. Am Ende war davon nichts zu lesen, sondern ein Bericht mit dem Titel "jung, clever und bald arbeitslos". Der Leser bekam den Eindruck, wir würden hier alle nur noch darüber nachdenken, wo wir einen neuen Job finden. Das war an den Haaren herbeigezogen und so scheint es mir bei ihrer Geschichte über Brüderle jetzt auch wieder zu sein. Allein der Veröffentlichungstermin spricht Bände.

ZEIT ONLINE: Möglich wäre ja auch, dass Sie künftig deshalb nicht mehr jüngster Bundestagsabgeordneter sind, weil die FDP bei der Bundestagswahl die Fünf-Prozent-Hürde verpasst.

Bernschneider: Das wird aber nicht passieren. Natürlich müssen wir uns anstrengen, um unsere Erfolge endlich deutlicher zu machen und erklären, wofür man eine liberale Partei braucht. Dass man dafür aber weit mehr als fünf Prozent der Wahlberechtigten begeistern kann, davon bin ich überzeugt.