FDP "Ich wollte die Welt verändern"

Florian Bernschneider ist der jüngste Abgeordnete im Bundestag. Im Interview spricht der FDP-Politiker über die Herausforderungen in seiner ersten Legislaturperiode.

Der FDP-Abgeordnete Florian Bernschneider, aufgenommen im September 2009 im Berliner Reichstag

Der FDP-Abgeordnete Florian Bernschneider, aufgenommen im September 2009 im Berliner Reichstag

ZEIT ONLINE: Herr Bernschneider, sind Sie froh, die Rolle als jüngster Bundestagsabgeordneter bald loszuwerden?

Florian Bernschneider: Ich hoffe doch, dass ich im nächsten Bundestag nicht der Jüngste mit 26 Jahren bin. So häufig werde ich heute aber auch gar nicht mehr auf diese Rolle angesprochen. Zum Glück: Ich bin ja nicht hier, um nur über mein Alter zu reden. Zu Beginn war das aber anders. Ich kam hier her und wollte die Welt verändern, aber die Journalisten wollten vor allem wissen, was meine Mutter oder Freundin darüber denken, dass ich im Bundestag sitze.

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ZEIT ONLINE: Wie lange mussten Sie sich an den Gedanken gewöhnen, Bundestagsabgeordneter zu sein?

Bernschneider: Man realisiert das stückchenweise – aber ein drei viertel Jahr hat es bestimmt gedauert. Aber auch meinen älteren Kollegen, die zum ersten Mal gewählt wurden, ging es meiner Beobachtung nach ähnlich. Jemand hat mir mal gesagt: "So richtig interessant für Ihren Wahlkreis sind Sie erst nach drei, vier Jahren, wenn Sie wissen, wie das Spiel in Berlin läuft." Da ist was dran.

Florian Bernschneider

geboren am 15. Dezember 1986, zog 2009 im Alter von 22 Jahren als jüngster Abgeordneter der aktuellen Legislaturperiode in den Bundestag ein. Der studierte Betriebswirt zählt zu seinen inhaltlichen Schwerpunkten die Jugendpolitik und Freiwilligendienste.

ZEIT ONLINE: Woran orientiert man sich als neuer Abgeordneter bei schwierigen Entscheidungen? Die vielen Euro-Rettungspakete, der Ausstieg aus der Kernkraft, Krach in der Koalition – damit konnten Sie 2009 noch nicht rechnen.

Bernschneider: In der FDP haben wir ein Patenmodell mit erfahrenen Mitgliedern, die bei den ersten Schritten helfen. Bei mir war das Patrick Döring. Ich frage die Kollegen nach ihren Einschätzungen und in den Anhörungen gibt es unheimlich viel Rat von Experten. Aber auch die alten Hasen im Parlament sagen, dass diese Legislaturperiode von den Themen besonders anspruchsvoll ist.

ZEIT ONLINE: Wie viel Zeit kann sich ein Bundestagsmitglied nehmen, um sich vor einer Abstimmung zum Euro-Rettungsschirm ins Thema einzulesen?

Bernschneider: Eigentlich zu wenig, das muss man zugegeben. Und man muss Prioritäten setzen, was wirklich wichtig ist. Es gibt Gesetze, über die ich abgestimmt habe, ohne sie gelesen zu haben. Ich sage das offen, weil man den Bürgern sonst einen falschen Eindruck vermittelt. Man kann nicht jedes Gesetz und jeden Antrag lesen, über den wir abstimmen. Wie in jedem Betrieb gibt es eine Arbeitsteilung.

ZEIT ONLINE: Der Euro-Rettungsschirm ist aber sicher von größerer Bedeutung?

Bernschneider: Richtig, das ist so weitreichend, dass ich mich natürlich selbst reinackern musste. Da kam mir mein BWL-Studium entgegen. In vielen kleineren Gesetzgebungsverfahren verlässt man sich aber auch einfach auf seine zuständigen Fachkollegen.

Leser-Kommentare
  1. Schon der Titel ist göttlich:
    "Ich wollte die Welt verändern"

    Hat Herr Bernschneider diese Phase schon hinter sich?
    Was wollte er denn verändern? Was waren seine Ziele und Träume? Was war der Grund, warum er sich davon verabschiedet hat? Wir erfahren es nicht.

    Aber vielleicht ist das auch nur der verkehrte Ansatz. Es ging ihm wohl nicht darum das die Welt sich verändert, sondern dass "er" die Welt verändert. Auf zu den Trögen der Macht. Erstmal als Hinterbänkler die (eigene) Rente sichern. Da ist schon mit Anfang 30 die Rente durch. Bei den Personalengpässen der FDP fällt da ja mal schnell ein Amt als Staatssekretär oder Minister ab. Da geht es dann richtig rund.

    Bei Hern Bernschneider es wie der Merkel: Die hockt jetzt schon fast zwei Legislaturperioden auf ihren Thron und hat immer noch keine Ahnung, was sie dort eigentlich will. Als was wird sie in die Geschichte eingehen? Als Reichsverweserin der Schröder-Doktrin oder als Totengräberin der EU?

    2 Leser-Empfehlungen
    • Afa81
    • 28.01.2013 um 21:38 Uhr

    ...sagt die Überschrift, dass er die Welt verändern wollte - vom Verbessern (was er damit wohl meinte) steht hier nichts.

    Zum Zweiten hat er das im Zusammenhang mit seiner Intention, Politiker zu werden, gesagt. Damit begann eben alles.

    Zum Dritten hat ihn Herr Weckwerth nicht danach gefragt - und es handelt sich hierbei nunmal um ein Interview.

    Zum Vierten sollten wir vorsichtig sein... wenn wir alle Menschen kritisieren, die die Welt irgendwie verändern wollen ohne konkret zu sagen wie... dann kritisieren wir die halbe Menschheit (und mit 50% bin ich wohl auf der sicheren Seite).

    Es gibt genügend Politiker die uns sagen, wie sie die Welt verbessern wollen. Peer Steinbrück z.B. hört ja garnicht mehr auf... doch, wer die Wahl 2005 ff. miterlebt hat weiß, was er davon zu halten hat. Wenn Herr Bernschneider sich hinstellen- und haufenweise illusorischer Dinge runterbeten würde, würde man ihn hier doch genauso als Lügner hinstellen. Ich denke, er war schon unten durch, bevor er das Interview überhaupt gegeben hat.

    So und jetzt lese ich mir erstmal den Artikel "Auch wir Grünen sind nicht frei von Sexismus" durch. Was für ein Skandal - immerhin dachte ich die Grünen wären frei von jedem Tadel... einfach weil sie grün sind.

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    Antwort auf "Sie sagen es"
  2. ohne sie gelesen zu haben."

    Ich finde, dies ist ein unakzeptables Verhalten für einen Abgeordneten. Hoffentlich wird er nicht wiedergewählt.

    Abgeordete, die nicht lesen, worüber sie abstimmen, gehören nicht ins Parlament. Würde man diesen Maßstab an alle Abgeordneten anlegen, der Bundestag wäre wohl leer.

    3 Leser-Empfehlungen
    • hmr
    • 29.01.2013 um 17:08 Uhr

    @Bashu "Oder meinen Sie etwa Merkel, Westerwelle & Co. haben sich zu jedem Gesetz das nötige Fachwissen eingeeignet und die Gesetzestexte eingehend studiert. Meinen Sie in Frau Merkels Terminkalender ist Zeit für sowas?"

    Es interessiert mich nicht im geringsten, was der Terminkalender eines Abgeordneten zuläßt, sehe es aber als oberste Pflicht, einen Gesetzesentwurf, über den abgestimmt wird, nicht nur zu lesen, sondern ihn auch zu verstehen. Genau das ist der Grund, warum ich alle vier Jahre mein Kreuz mache, ich erwarte (nicht ich wünsche oder hoffe), daß kompetente, informierte Leute abstimmen.

    "Und bevor Sie fragen; es gab auch Abstimmungen, bei denen ich gegen meine eigentliche Haltung gestimmt habe."

    Auch wenn es ein offenes Geheimnis ist, daß Abgeordnete im Sinne ihrer Fraktion abstimmen, halte ich jemanden, der öffentlich eine Bruch des Grundgesetzes (Art. 38 Abs.1) zugibt, nicht für tragbar. Er würde die Welt vielleicht ein klein wenig verändern, wenn er aufgrund dieser Aussage zurücktreten würde.

    Gruß
    hmr

    2 Leser-Empfehlungen
  3. ... mit 22 im Bundestag und ein Gehalt, dass andere da draußen in ihrem Leben nie sehen werden. Studierter BWLer, bringt zumindest theoretische Grundlagen, aber praktische Erfahrung in der Arbeitswelt wurde keine gesammelt. Tut mir leid. Typisches Beispiel für Berufspolitiker dem wir dann Gesetze zu verdanken haben, die Jenseits der Realität da draußen zu finden sind.

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    • H-Aeng
    • 30.01.2013 um 8:07 Uhr

    Jüngster Bundestagsabgeordneter der FDP, natürlich aalglatt und unverbindlich. Ein FDP-Abgeordneter mit BWL-Studium, ausgerechnet von einem Versicherungsvertreter (Patrick Döring) angelernt und jüngster Abgeordneter kann doch nichts anderes als leere Worthülsen hervorbringen. Von einem Politikwissenschaftler las ich kürzlich, die FDP sei eine parasitäre Partei. Besser kann man es nicht sagen. Der Beweis, die Landtagswahl in Niedersachsen, Herrn Dörings politische Heimat. Die Zeit-Online-Fragen waren ja dann auch ganz verständnisvoll milde. Herr Bernschneider ist für die Boulevard-Medien zurzeit noch uninteressant. Sollte er einmal irgendwie ein Profil zeigen wird sich zeigen welche Veränderungen der Welt realisiert werden können. Mit Vorbildern deren Weltbild vom Vermitteln von Versicherungsverträgen geprägt ist, ob ich sie nun brauche oder auch nicht, kann das wohl kaum gelingen.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Eine gute (wenn denn ehrliche) ANtwort auf die Frage: "Wieviel Zeit..." wäre etwa gewesen: "Zu wenig, das habe ich auch schon angeprangert..." Stattessen kommt sein Statement, bei dem er nebenbei auch noch zugibt, dass er sich auch sonst kaum nen eigenen Kopf macht. "Honig ums Maul" ist gar nicht der Punkt. Der Mann ist inkompetent, gibt es öffentlich zu und wird von Ihnen sogar noch dafür beklatscht.
    Tausende Bürger finanzieren diesem Spinner mit Steuergeldern seinen Job, der zum Großteil darin besteht, sich zu informieren und dann nach seinem Gewissen über Gesetze abzustimmen.

    Die Bürger erwarten einen ehrlichen, kompetenten und standhaften Menschen und bekommen so einen aalglatten Hampelmann. Das gibt es doch nicht!

  5. ...als mit so einem Kommentar?

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