Landtagswahl : Kubickis Herz für die Niedersachsen
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Die Liberalen johlen


Tatsächlich ist es Kubickis leichteste Übung, den gut gefüllten Saal nach einer sachlichen Wahlkampfrede Birkners, die sich viel um Schuldenabbau, Wirtschaftswachstum und solide Politik dreht, zum Kichern zu bringen: "Lieber Philipp". Pause. "Mein Bundesvorsitzender." Pause. "Liebe Andersdenkende", eröffnet Kubicki seine Rede. Dann erzählt er, warum er zu Niedersachsen so einen guten Bezug habe. "Ich habe 18 Jahre meines Lebens in Braunschweig verbracht, bin der Liebe wegen nach Kiel gegangen, um dann eine Hildesheimerin zu heiraten." Die Liberalen johlen.

Kubicki garniert seinen Auftritt außerdem mit einigen besonders schönen vermeintlichen Schreckensbeispielen aus dem neuerdings von SPD und Grünen sowie dem Südschleswigschen Wählerverband regierten Kiel. Weil die Regierung kein Geld in den Straßenbau investieren wolle, seien vielerorts die Straßen mit Schlaglöchern übersät: "Es sieht jetzt aus wie damals in der DDR, als diese beschloss der BRD beizutreten." Am Sonntag gelte es daher, wenigstens in Niedersachsen Rot-Grün zu verhindern, sagt der Wahlkämpfer aus dem hohen Norden und wagt sogar eine Prognose: "Ich bin sicher, dass die FDP hier sechs Prozent und mehr bekommt."

Das freut die Niedersachsen, dürften sie doch in guter Erinnerung haben, dass Kubickis letzte vollmundige Ankündigung ebenfalls aufging – beinahe jedenfalls. Mindestens neun Prozent hat er sich selbst im Schleswig-Holstein-Wahlkampf vorausgesagt, am Ende wurden es immerhin 8,2 Prozent.

FDP kann den Einzug in den Landtag schaffen

Auch so sind die Wahlkämpfer kurz vor der Entscheidung recht entspannt. "Die Dynamik nach oben ist da", sagt Spitzenkandidat Birkner. Er verweist auf die gestiegenen Umfragewerte und geht wie die meisten Liberalen  davon aus, dass die FDP den Einzug in den Landtag schaffen wird. Zu verdanken haben sie dies einer indirekten Leihstimmenkampagne: Obwohl die CDU es ablehnt, allzu offensiv für die Liberalen zu werben, ist inzwischen wohl jedem Wähler im Land klar, dass der beliebte David McAllister nur Ministerpräsident bleiben kann, wenn er einen Koalitionspartner hat. "CDU-FDP statt rot/grün. Zweitstimme FDP", so wirbt in Northeim der örtliche Landtagskandidat auf Flyern um Zustimmung für seine Partei. Die Wahl in Niedersachsen ist zum Lagerwahlkampf geworden. Eine Fortsetzung der schwarz-gelben Regierungskoalition ist wieder denkbar.

Ob die Niedersachsenwahl dem Bundesparteichef sein Amt retten kann, das wiederum ist offen. Philipp Rösler, der an diesem Abend als letzter seine Rede hält, bekommt von den Northeimern zwar warmen Applaus. Stehende Ovationen, über die Rösler in einem Interview über seine Wahlkampfauftritte in der Heimat berichtete, gibt es nicht. Rösler wirkt müde, verhaspelt sich mehrmals. Es fällt schwer, in ihm noch den Hoffnungsträger von 2008 wiederzuerkennen, als er die Niedersachsen-FDP als Spitzenkandidat im Landtagswahlkampf anführte – und 8,2 Prozent der Stimmen holte.

Kubicki jedenfalls hat mit Rösler längst abgeschlossen, wie er auf Nachfrage sehr freimütig zugibt. Seine Kritik an der Ausstrahlung des Bundesvorsitzenden sei durch seinen kleinen Wahlkampfauftritt in Northeim nicht passé, sagt er ZEIT ONLINE: "Nach der Landtagswahl werden wir Liberalen über die beste Aufstellung für die Bundestagswahl sprechen."

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Kommentare

68 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Liberale ausserhalb der FDP (1)

Das große Problem der real existierenden FDP ist, dass sie zwar die richtigen Grundsätze verkündet aber in der Praxis ständig dagegen verstößt. Die große Aufregung, die z.B. um den Steuervorteil für Hoteliers gemacht wurde, kommt ja gerade aus diesem Abstand zwischen Theorie und Praxis. In der Summe ist das, was die CSU und eben auch die FDP den Hoteliers zugeschanzt hat, Peanuts im Vergleich zu den Summen, die CDU und SPD ihrer Klientel schon lange rüberschieben. Und profitieren können wahrscheinlich weniger als 6%