LandtagswahlKubickis Herz für die Niedersachsen

Mindestens sechs Prozent für die FDP prophezeit Gastredner Wolfgang Kubicki den Wahlkämpfern im Harz. Die setzen auf Stimmen von CDU-Wählern. Von L. Caspari, Northeim von 

Im Wahlkampfendspurt ist selbst in einer so chronisch zerstrittenen Partei wie der FDP Zusammenrücken angesagt. So treten an diesem Mittwochabend im beschaulichem Northeim im Harz drei liberale Charaktere gemeinsam auf, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Da ist der ewig sachliche und ziemlich entspannt wirkende Landeschef Stefan Birkner. Da ist der schon angeschlagener wirkende Bundesparteichef Philipp Rösler, der sich vorgenommen hat, mit Dutzenden von Auftritten in seinem Heimatland um seine ungewisse Zukunft zu kämpfen. Und da ist Wolfgang Kubicki, der ewig gut gelaunte und süffisante schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende.

Eben jener Kubicki, der zuletzt vor allem mit Spitzen gegen Rösler auf sich aufmerksam gemacht hat. Kurzerhand hatte er im August die Landtagswahl in Niedersachsen zur Schicksalswahl für den glücklosen Parteichef ausgerufen. Solle in Röslers Heimatverband der Wiedereinzug in den Landtag verpasst werden und es schlecht für die Bundestagswahl aussehen, sagte Kubicki, werde er den "geborenen neuen Bundesvorsitzenden" Christian Lindner um eine Rückkehr auf das Berliner Parkett bitten. Vor einigen Wochen wurde vom Kieler Fraktionschef dieser nette Satz überliefert: Natürlich sei Philipp Rösler sein Vorsitzender – bis zum nächsten Parteitag. Und der ist für Mai anvisiert.

Die Leuten lieben Kubicki

Dennoch hat es Kubicki vier Tage vor der für die Liberalen so wichtigen Landtagswahl nach Südniedersachsen gezogen. Der Landesverband hat ihn eingeladen, die eigenen Anhänger mit einer Rede zu mobilisieren. Die Leute liebten Kubicki gerade wegen seiner Schnoddrigkeit, sagt Kandidat Birkner, dem jeder Impuls für die FDP recht kommt. Zwar prophezeien nahezu alle letzten Umfragen, dass die Liberalen am Sonntag die Fünf-Prozent-Hürde schaffen können. Aber die Anhänger müssen auch zur Wahlurne gehen.

Doch welches Motiv treibt Kubicki an diesem Winterabend aufs verschneite Land in Röslers Heimat Niedersachsen? Eine komische Frage, findet der Angesprochene und beteuert gegenüber ZEIT ONLINE, seine Unterstützung für die Wahlkämpfer stehe doch außer Frage: "Ich bin gebürtiger Niedersachse, in Braunschweig aufgewachsen. Die Parteifreunde haben es nicht verdient, für Dinge, die in Berlin falsch laufen, abgestraft zu werden."

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Leserkommentare
  1. Hauptberuflich ist er einer der erfolgreichsten Strafverteidiger, nebenberuflich auch noch Fraktionsvorsitzender der FDP in Schleswig-Holstein.
    Es bereitet ihm eine diebische Freude, Parteifreunde in die Pfanne zu hauen.
    Vor einiger Zeit schlug er die damalige Fraktionsvorsitzende Homburger für die Müllentsorgung vor.
    Dann kam die Entschuldigung .."war nicht so gemeint, war nur ein Scherz".
    Kubicki braucht wohl neben seiner Arbeit als Anwalt zur Entspannung auch noch die politische Bühne. Die Lacher sind ihm gewiss.
    Poltisch war er in den 70ern ein linker Jungdemokrat, jener Jugendorganisation, die sich 1983 von der FDP trennte und von Genscher durch die Jungliberalen ersetzt wurde (1.Vorsitzender Westerwelle).

    Also nicht ernst nehmen. Ein Mann für die "heute show"

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  2. Das sollte man NIE vergessen. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus (Grundgesetz Artikel 20 (2) - und nicht durch Steuerung durch die Medien.

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    Antwort auf "[...]"
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    Aber die handvoll Leute die sich ernsthaft über Inhalte informiert und Propagandaartikel wie diesen hier kritisch kommentiert können sie an einer Hand abzählen. 99% der Wähler ist wenn überhaupt oberflächlich informiert und trifft die Wahlentscheidung nach Gefühl und Sympathie. Dieses Gefühl und die Sympathie für einen Kandidaten wird durch das Bild in den Medien geprägt. Die Macht geht von Meinungsmache aus.

    Konzerne wie Springer, Bertelsmann, Dumont, Holtzbrinck (und damit ZEIT und ZEIT-online) haben ein unternehmerisches Interesse dass die FDP mit an der Macht bleibt. Vor den Landtagswahlen in NRW und SH im letzten Jahr durften wir hier auch schon täglichen mindestens einen (inhaltlich belanglosen) Jubelartikel über die FDP lesen. Damals hatte die Meinungmache blendend funktioniert. Wieso sollte die ZEIT diesmal etwas anders machen?

  3. wie hat sich die FDP, auf Bundesebene, dargestellt? Ganz abgesehen mal von der politischen Einstellung, hatte man doch das Gefühl, daß da eine Nachwuchstruppe Politik übt, sozusagen als Studienpraktikum. Und dann die anfänglichen Auftritte von Herrn Westerwelle! "Jung, dynamisch erfolgreich"? Eher eine Mischung aus Selbstüberschätzung, Aroganz und Dummheit.

    Die ganze Mannschaft steht auf dem politischen Niveau der Piraten. Nur daß die Piraten sich erstmal zurückhalten, sich schlau machen und nachdenken, bevor sie etwas sagen.

    Westerwelle, Niebel, Rösler, Lindner - als Aushängeschilder einer Partei die vorgibt, Deutschland regiern zu können und in die Zukunft führen zu können.

    Sie sind handwerklich nicht in der Lage, menschlich fraglich, sozial uninteressiert und nur am eigenen Fortkommen interessiert.

    Sie sollten sich ein Beispiel an den CDU und SPD Größen nehmen. Die machen kapitalfreundliche Politik ohne dabei das Maul bis zum Ohr aufzureissen. Die Profilierungssucht der FDP-Köpfe hat die FDP kaputt gemacht. Für mich trift auf diese Menschen der Spruch zu:"Reden ist Silber - Schweigen wäre Gold gewesen."

    3 Leserempfehlungen
  4. Es ist immer wieder interessant, welche Auswirkungen selektive Wahrnehmung haben kann. Die von Ihnen genannten Themen beschäftigen viele Niedersachsen, aber längst nicht alle und längst nicht in der Intensivität, wie Sie vielleicht meinen. Viele Niedersachsen sind mit der sachlichen, ruhigen und verlässlichen Arbeit der Landesregierung sehr zufrieden und die Erfolge Niedersachsens in den letzten Jahren bestätigen diese Meinung vieler Niedersachsen.
    Ich stimme Ihnen jedoch zu, dass auch ich die personalisierte und offenbar an Schlagzeilen orientierte Berichterstattung kritisch zu bewerten ist.
    @alle FDP-Kritiker
    Der Liberalismus legt als einzige Moralphilosophie ein stimmiges Gesellschaftsbild vor. Ich kann allen Lesern nur empfehlen, sich diese Rede anzusehen bzw. -zuhören:
    http://www.youtube.com/wa...

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    >Der Liberalismus legt als einzige Moralphilosophie ein
    > stimmiges Gesellschaftsbild vor.

    Das ist zweimal zweifelhaft und einmal falsch verstanden: Der Liberalismus legt kein stimmiges Gesellschaftsbild vor (aber ein gutes, interessantes, gerne zugegeben); es gibt andere Moralphilosophien, die das ähnlich schlecht/gut können (Utilitarismus in moderner Form bspw.), und - hier kommt der Fehler: Was hat Liberalismus (entstanden aus der Sorge um Frauenrechte, gerechte Löhne, faire Behandlung in Gefängnissen ...) mit der FDP zu tun? Bloß weil's im Namen steht?
    Th.R.

    Ich war einige Minuten auf dem verlinkten Filmchen.

    Ich weiß nicht, ob dieser Link nicht gelöscht weden müßte. Werbung ist, soweit ich weiß, verboten.

    Ich war in Irland vor einigen Jahren und nahm an einer Whisky-Verkostung teil. Danach glaubte ich tatsächlich, daß Irischer Whisky der Beste der Welt sei.
    Letztes Jahr waren ich in Schottland. Dort das gleiche Spiel. Schottischen Whisky muß man kaufen. Nur er bringt den wahren Genuß.

    Was beiden Verkostungen und ihrem Link gemeinsam ist, ist daß die, die ihr Produkt anpreisen, an diesem Produkt verdienen.

    Von einer informativen Rede erwarte ich mehr als von einem Sprecher bei einer Kaffeefahrt.

    Seit dem Jahr 2000 wurde über eine Billion € umverteilt. Jedes Jahr erhalten die, die Vermögen haben oder andere für sich arbeiten lassen, mehr als 100 Milliarden mehr vom "Großen Kuchen" als zu der Zeit, als die soziale Marktwirtschaft noch galt. 1000 Familienclans regieren Deutchland. Der Anteil an den flüssigen Mitteln der reichsten 10 Prozent der Deutschen stieg von 50 auf 60 Prozent. Das ist eine logische Folge der Einkommensumverteilung. Die Gewinne - die man angeblich für Investitonen bräuchte wurden privatisiert und dann dem Staat geliehen. Arbeit sollte sich lohnen - nicht erben und schmarotzen.

    Die Aufstocker arbeiten für Unternehmer und erhalten einen Teil ihres Lohnes vom Staat, aus dem Sozialhaushalt. Und dann kommen FDPler und sagen, der Sozialhaushalt frisst den -Sozialstaat auf!? Toller Verein, die FDP.

    andere Themen zu benennen, die Ihnen relevant erscheinen. Mir geht es vor allem darum, dass überhaupt zu inhaltlichen Fragen informiert und nicht nur Stimmung gemacht wird.

    Ich habe ihren verlinkten Vortrag auch gesehen. Im Gegensatz zu Ironproman fand ich ihn interessant. Man sollte sich gegenteilige und selten gehörte Meinungen öfter mal anhören. Entweder man lernt was oder man versteht seine Gegner besser (auch wenn das heutzutage so gar nicht in Mode ist). Für mich war's jedenfalls erhellend und ich finde nicht, dass man den Link unbedingt löschen muss.

    ... für diesen Link. Ich habe noch nie ein so schönes Plädoyer für den Liberalismus gehört. Schlüssig, überzeugend und genau auf den Punkt.

  5. fragen hier viele.

    Ich bin der Meinung, daß die CDU und die SPD die FDP brauchen.

    Wieviele Jahre (in den Letzen 13 Jahren) hat die FDP Einfluß auf die Bundespolitik in Deutschland genommen? Genau 3 Jahre!
    Nnatürlich haben die FDP-Größen (außer Brüderle vielleicht) so getan, als hätte die FDP die heilbringende neoliberale Philosophie erfunden. Und nun ernten sie den Zorn der von der SPD und CDU-Politik geschädigten Arbeiterklasse.

    Die Politik der nächsten Jahre ist vorbestimmt - ob mit oder ohne FDP ist ziemlich egal.

    2 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 17. Januar 2013 10:06 Uhr

    "Die ganze Mannschaft steht auf dem politischen Niveau der Piraten. Nur daß die Piraten sich erstmal zurückhalten, sich schlau machen und nachdenken, bevor sie etwas sagen"

    Die haben eben Zeit, da sie bis jetzt alle Entscheidungen anderen überlassen können. Aber die Lösung, die bis jetzt angeboten wird: Arbeitslosigkeit gehört eben dazu, ist auch nicht so eine dolle Antwort. Und dafür werden sie auch vermutlich weniger Stimmen einfahren.

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    Was genau hat die FDP, auf Bundesebene, in den letzen 13 Jahren gegen die Arbeitslosigkeit getan?
    Schrödres SPD stellte die Weichen und die FDP sprang auf den Zug.
    In wie weit wurde der Arbeitsmarkt liberalisiert?
    Die Arbeitsagenturen (ausführende Gewalt) können (nein, müssen) jeden Abeitssuchenden in einen Job vermitteln, der dem Unternehmer Gewinn bringt und dem Arbeitnehmer den Status eines Aufstockers. Ist das die Art Freiheit, die die FDP verkörpert. Die Freiheit des Unternehmers folgendes zu bestimmen?: "Die Arbeit an dieser Maschine ist nicht mehr wert als 6,00 €/Std.? Heute morgen las ich bei den Stellenanzeigen folgendes Arbeitsangebot: Aufsicht führen bei Klausuren, 6,50€ die Stunde brutto. Irgend jemand muß das machen, der Staat zwingt ihn dazu, weil man ihm sonst noch das Existenzminimum kürzt.
    Der Unternehmer (nicht tarifgebunden) hat die Freiheit den Lohn zu bestimmen. Da fällt mir ein: 2005 Wahlkampfthemen FDP: Es sollte in das Ermessen der Arbeitgeber gestellt werden, welchen Lohn er zahlen kann (will).
    Das ist die Freiheit für die die FDP steht und kämpft.

    41 Millionen Arbeitnehmer erhalten für sich und ihre Familien und für alle Rentner und Beamten ca. 65 Prozent des BSP. 8 Millionen erhalten die restlichen 35 Prozent.
    Das ist die Freiheit, die uns die liberale SPD/CDU/FDP Politik gebracht hat. (Zahlen aus dem statistischen Bundesamt.)

  6. >Der Liberalismus legt als einzige Moralphilosophie ein
    > stimmiges Gesellschaftsbild vor.

    Das ist zweimal zweifelhaft und einmal falsch verstanden: Der Liberalismus legt kein stimmiges Gesellschaftsbild vor (aber ein gutes, interessantes, gerne zugegeben); es gibt andere Moralphilosophien, die das ähnlich schlecht/gut können (Utilitarismus in moderner Form bspw.), und - hier kommt der Fehler: Was hat Liberalismus (entstanden aus der Sorge um Frauenrechte, gerechte Löhne, faire Behandlung in Gefängnissen ...) mit der FDP zu tun? Bloß weil's im Namen steht?
    Th.R.

    11 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@mirinord"
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    [Was hat Liberalismus (entstanden aus der Sorge um Frauenrechte, gerechte Löhne, faire Behandlung in Gefängnissen ...) mit der FDP zu tun? Bloß weil's im Namen steht?]

    Die FDP ist von allen etablierten Parteien die am ehesten liberale Partei. Das hat Liberalismus mit der FDP zu tun. Ihre eigentümliche Entstehungsgründe zeigen aber, dass Sie was Geschichte und Prinzipien des Liberalismus angeht, nicht der beste Ansprechpartner sind.

  7. Ich war einige Minuten auf dem verlinkten Filmchen.

    Ich weiß nicht, ob dieser Link nicht gelöscht weden müßte. Werbung ist, soweit ich weiß, verboten.

    Ich war in Irland vor einigen Jahren und nahm an einer Whisky-Verkostung teil. Danach glaubte ich tatsächlich, daß Irischer Whisky der Beste der Welt sei.
    Letztes Jahr waren ich in Schottland. Dort das gleiche Spiel. Schottischen Whisky muß man kaufen. Nur er bringt den wahren Genuß.

    Was beiden Verkostungen und ihrem Link gemeinsam ist, ist daß die, die ihr Produkt anpreisen, an diesem Produkt verdienen.

    Von einer informativen Rede erwarte ich mehr als von einem Sprecher bei einer Kaffeefahrt.

    Seit dem Jahr 2000 wurde über eine Billion € umverteilt. Jedes Jahr erhalten die, die Vermögen haben oder andere für sich arbeiten lassen, mehr als 100 Milliarden mehr vom "Großen Kuchen" als zu der Zeit, als die soziale Marktwirtschaft noch galt. 1000 Familienclans regieren Deutchland. Der Anteil an den flüssigen Mitteln der reichsten 10 Prozent der Deutschen stieg von 50 auf 60 Prozent. Das ist eine logische Folge der Einkommensumverteilung. Die Gewinne - die man angeblich für Investitonen bräuchte wurden privatisiert und dann dem Staat geliehen. Arbeit sollte sich lohnen - nicht erben und schmarotzen.

    Die Aufstocker arbeiten für Unternehmer und erhalten einen Teil ihres Lohnes vom Staat, aus dem Sozialhaushalt. Und dann kommen FDPler und sagen, der Sozialhaushalt frisst den -Sozialstaat auf!? Toller Verein, die FDP.

    13 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@mirinord"
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    >> Die Aufstocker arbeiten für Unternehmer und erhalten einen Teil ihres Lohnes vom Staat, aus dem Sozialhaushalt. Und dann kommen FDPler und sagen, der Sozialhaushalt frisst den -Sozialstaat auf!? Toller Verein, die FDP. <<

    ... ein Spitzentrick:

    Unternehmen, die am Markt nicht bestehen könnten, aus den Sozialkassen subventionieren und das dann noch den Aufstockern in die Schuhe schieben.

    Und das Beste: der Trick funktioniert auch noch :-|

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  • Schlagworte Philipp Rösler | FDP | Stefan Birkner | Wolfgang Kubicki | Herz | Landtagswahl
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