FDP nach der WahlRösler bleibt FDP-Chef, Brüderle wird Spitzenkandidat

Überraschung bei der FDP: Rösler soll Parteichef bleiben, überlässt aber Brüderle die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl. Der Parteitag wird vorgezogen.

Die FDP hat sich auf ein neues Führungsduo geeinigt: Philipp Rösler soll Vorsitzender der Liberalen bleiben. Spitzenkandidat für die Bundestagswahl soll dagegen Fraktionschef Rainer Brüderle werden. Rösler sagte bei einem gemeinsamen Auftritt, er wolle mit Brüderle als Team in den Wahlkampf ziehen. Brüderle werde als Spitzenkandidat "Gesicht und Kopf" der FDP im Wahlkampf sein und Rösler selbst werde das Team als Parteivorsitzender führen.

Die Aufgabenteilung beschloss der Parteivorstand laut Rösler einstimmig. Führungsmitglieder sprachen von einer guten Lösung, die die unsägliche Personaldebatte beenden soll.

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Am Morgen hatte Rösler seinen Rücktritt als FDP-Vorsitzender angeboten und Brüderle sowohl als seinen Nachfolger an der Parteispitze als auch als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl vorgeschlagen. "Ich bin bereit, zur Seite zu treten, wenn Rainer Brüderle auch Bundesvorsitzender werden will", soll er in der Präsidiumssitzung gesagt haben. Brüderle war von diesem Vorschlag überrascht, wie aus Parteikreisen verlautete. Im Präsidium soll sich lediglich Dirk Niebel explizit dafür ausgesprochen haben, dass Brüderle den Parteivorsitz übernimmt.

Schlussendlich abgestimmt wird über das neue Duo an der FDP-Spitze auf einem Bundesparteitag, der nun vorverlegt werden soll. Rösler hatte dies dem Präsidium ebenfalls vorgeschlagen. Laut einem Parteisprecher stimmte das Gremium einstimmig dafür. Statt im Mai wird nun ein Termin im März gesucht.

Die neuen Personalentscheidungen erfolgen einen Tag, nachdem die FDP bei der Landtagswahl in Niedersachsen ein überraschend gutes Ergebnis eingefahren hatte: Sie erreichte knapp zehn Prozent der Stimmen. Die Mehrheit für die schwarz-gelbe Regierungskoalition von CDU-Ministerpräsident David McAllister ist mit einer knappen Entscheidung allerdings dahin.

Noch am Wahlabend hatte Rösler Pesonalentscheidungen angekündigt. Die Debatte um die Führungsrolle des 39-jährigen Wirtschaftsministers und Vize-Kanzlers hielt aber unvermindert an. Erneut war es Röslers Kabinetts- und Parteikollege Niebel, der allen voran einen Führungswechsel in seiner Partei einforderte.

Nach Einschätzung aus FDP-Kreisen hat Rösler mit seiner offenen Machtfrage einen raffinierten Schachzug gemacht. "Brüderle sitzt in der Falle", folgerte ein führender Liberaler. Entweder dieser übernehme nun die Partei und die gesamte Verantwortung bis zur Bundestagswahl – oder er und seine Unterstützer müssen dem Niedersachsen-Wahlsieger Rösler Treue schwören.

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Leserkommentare
  1. habe ich zu Weihnachten bekommen.

    Sollten Sie sich auch mal anschaffen, dann können Sie Begriffe, die Ihnen unbekannt sind nachschlagen.

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    Antwort auf "Was ist das . . . "
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    Die FDP und Rösler und politische Kampfworte.
    Entschuldigung mein Wörterbuch sagt mir die richtige Schreibweise ist Neoliberalismus, zur Begriffsbestimmung muss ich mir noch ein Update kaufen.
    Wikipedia, Zitat:"Neben der wirtschaftsgeschichtlichen Bedeutung gibt es neuere Begriffsverwendungen von Neoliberalismus als Politisches Konzept, Entwicklungsmodell, Ideologie und Akademisches Paradigma.[6] sowie Kampfbegriff“[7] oder als „politisches Schimpfwort“[8]. Manche Kritiker verwenden diesen Begriff pauschal, um unsoziale und ungerechte Effekte der Entwicklung des liberalen Marktsystems zu brandmarken. Neoliberalismus erscheint heute als wesensmäßig umstrittener Begriff (Essentially Contested Concept).[9]"

  2. Ich bin vom mutigen und kämpferischen Auftritt Rößlers angenehm überrascht. Er ist bei weitem cleverer als die ganze FDP-Partei zusammen.Ein junger,gut ausgebildeter Politiker, obendrauf noch Familienvater (was man von der Führungsetage nicht unbedingt sagen kann),der "dem Stier bei den Hörnern nimmt" gibt es hier zu Lande kaum. Hier tritt ein Mann der Überzeugungen die Bühne, der der Partei Inhalt und auch eine Richtung geben kann. Brüderle ist die Seele der Partei und verfügt über die Erfahrung die Rößler braucht. Rößler wiederrum ist Prinzipientreu und verfügt über jene Visionen, Courage und Jugendkraft, die Brüderle nicht mehr vertreten kann. Ich wünsche dem Dúo viel Glück und Inspiration, um mit Hilfe einer günstigen Steuerreform einen Arbeitsmarkt der erfolgreichen Eigenständigen (Private Kitas, Sprachschulen und Gymnasien)zu ermöglichen.

    • bkkopp
    • 21. Januar 2013 19:16 Uhr

    Rösler bleibt Parteivorsitzender bis zum nächsten, ordentlichen Parteitag. Heute, einen Tag nach der Niedersachsenwahl, hat Rösler nichts anzubieten und Brüderle nichts anzunehmen. Der Parteivorsitzende wird nicht mit dem Vorgänger, anlässlich einer Parteivorstandssitzung ausgekungelt.
    Beide wissen das, und verhalten sich entsprechend.

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    Zu bkkopp
    Woher nehmen Sie an, dass Brüderle nichts anzunehmen und Rößler nichts anzubieten hat?

    • bkkopp
    • 22. Januar 2013 10:08 Uhr

    Rösler hätte, sehr unschön und kontraproduktiv, zurücktreten können. Brüderle hätte erklären können, dass er auf dem nächsten Parteitag kanditieren möchte.

    Aber, Rösler kann den Posten niemandem anbieten, Brüderle kann ihn von niemandem annehmen, der gar keine Autorität dafür hat. Die Parteitagsdelegierten kommen nicht zusammen, um ein vorher ausgekungeltes Ergebnis abzunicken.

  3. War in der Zeile verrutscht und hatte daher die CDU-Zweitstimmen irrtümlich als Grundgesamtheit genommen.

    Die absolute Zweitstimmenzahl ist ganz genau übrigens 3620994.
    Den Leihstimmenanteil kann man ansonsten nicht so genau abschätzen. Das Splitting war aber immens:

    Erststimmen: 118556 (= 3,3 %)
    Zweitstimmen: 354971 (= 9,9 %)
    Splittinganteil daher: 66,6 %
    Das ist natürlich auch schon'ne Hausnummer.

    Antwort auf "7.92 % = 101988 ?"
  4. Die FDP und Rösler und politische Kampfworte.
    Entschuldigung mein Wörterbuch sagt mir die richtige Schreibweise ist Neoliberalismus, zur Begriffsbestimmung muss ich mir noch ein Update kaufen.
    Wikipedia, Zitat:"Neben der wirtschaftsgeschichtlichen Bedeutung gibt es neuere Begriffsverwendungen von Neoliberalismus als Politisches Konzept, Entwicklungsmodell, Ideologie und Akademisches Paradigma.[6] sowie Kampfbegriff“[7] oder als „politisches Schimpfwort“[8]. Manche Kritiker verwenden diesen Begriff pauschal, um unsoziale und ungerechte Effekte der Entwicklung des liberalen Marktsystems zu brandmarken. Neoliberalismus erscheint heute als wesensmäßig umstrittener Begriff (Essentially Contested Concept).[9]"

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    Antwort auf "Ein Fremdwörterbuch"
  5. Zu bkkopp
    Woher nehmen Sie an, dass Brüderle nichts anzunehmen und Rößler nichts anzubieten hat?

    Antwort auf "Mediale Ungeduld"
    • bkkopp
    • 22. Januar 2013 10:08 Uhr

    Rösler hätte, sehr unschön und kontraproduktiv, zurücktreten können. Brüderle hätte erklären können, dass er auf dem nächsten Parteitag kanditieren möchte.

    Aber, Rösler kann den Posten niemandem anbieten, Brüderle kann ihn von niemandem annehmen, der gar keine Autorität dafür hat. Die Parteitagsdelegierten kommen nicht zusammen, um ein vorher ausgekungeltes Ergebnis abzunicken.

    Antwort auf "Mediale Ungeduld"
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    Vielen Dank für die Antwort. Sehr präzise und stilvoll formuliert.

  6. Vielen Dank für die Antwort. Sehr präzise und stilvoll formuliert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Philipp Rösler | Rainer Brüderle | FDP | Dirk Niebel | Bundestagswahl | David McAllister
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