Koalitionsabgeordnete im Haushaltsausschuss des Bundestags haben sich gegen Matthias Platzeck (SPD) an die Spitze des Aufsichtsrats der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft ausgesprochen. "Dass eine Pfeife durch eine stellvertretende Pfeife im Aufsichtsrat ersetzt werden soll, erscheint in Anbetracht der prekären Lage wenig sinnvoll", sagte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Herbert Frankenhauser (CSU) der Welt. Schließlich sei Platzeck von Anfang an in dem Kontrollgremium mit dabei gewesen, sagte Frankenhauser.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte am Montag angekündigt, den Aufsichtsratsvorsitz der Flughafengesellschaft an seinen Stellvertreter Platzeck abgeben zu wollen. Damit zog er Konsequenzen aus der erneuten Verschiebung des Eröffnungstermins für den neuen Flughafen, der schon lange vor allem durch Pannen, Fehlkalkulationen und Eröffnungsverschiebungen Schlagzeilen macht.

Die Fraktionsgeschäftsführerin und Haushälterin der FDP im Bundestag, Claudia Winterstein, lehnte den Wechsel zwischen Platzeck und Wowereit ebenfalls ab. "Beifahrer und Fahrer wollen hier nur den Sitz wechseln und dann im selben Auto weiterfahren. Statt des Brandenburger Ministerpräsidenten muss ein ausgewiesener Fachmann ans Steuer", sagte Winterstein der Welt. Der haushaltspolitische Sprecher der FDP, Otto Fricke, forderte, den Aufsichtsratsvorsitz zu entpolitisieren. "Auch Platzeck muss von dem Platz weg", sagte er. Der Haushaltsausschuss dürfe nicht "nach jeder Verschiebung immer wieder Geld für dieses verkorkste Milliardenprojekt freigeben".

Zuvor war bereits aus dem Bund Kritik an der geplanten Berufung Platzecks laut geworden. Im Bundesfinanzministerium soll es Vorbehalte geben. Statt des Brandenburger Ministerpräsidenten wünscht man sich einen unabhängigen Experten aus der Wirtschaft als Chef des Gremiums.

"Ich hätte denen nicht meinen Hausbau anvertraut"

Auch Michael Adams, Wirtschaftsrechtler an der Universität Hamburg, empfiehlt die Entsendung von Fachleuten in den Aufsichtsrat – schließlich brauche das Gremium Sachverstand, um die Geschäftsführung kontrollieren zu können. Den Aufsichtsrat des Berliner Flughafens hält Adams darum für völlig fehlbesetzt. Ihm fehle technischer Sachverstand, selbst der zuständige Vorstand sei nicht kompetent. "Ich hätte denen nicht meinen Hausbau anvertraut", sagte Adams ZEIT ONLINE.

Wowereit ist nach Einschätzung des Wirtschaftsrechtsexperten operativ nicht in der Lage gewesen, seine Funktion als Kontrolleur im Aufsichtsrat auszufüllen. Schließlich habe er als Berliner Bürgermeister bereits ein Amt, "das kein Mensch ausfüllen kann".

Einen Experten will die SPD nach dem neuen Debakel immerhin in den Aufsichtsrat entsenden. Der Berliner SPD-Landeschef Jan Stöß sagte, zwar müssten die politischen Entscheidungsträger in dem Gremium verbleiben. "Trotzdem haben wir uns darauf verständigt, dass der Aufsichtsrat ja auch verstärkt werden soll jetzt um zusätzliche Experten", sagte Stöß. Die Politik trage aber die Verantwortung. "Am Ende müssen diejenigen, die in der öffentlichen Verantwortung stehen, in den öffentlichen Unternehmen auch kontrollieren."

Das Berliner Abgeordnetenhaus wird an diesem Samstag über einen Misstrauensantrag von Grünen und Piraten gegen Berlins Regierenden Bürgermeister Wowereit abstimmen. Dass der Antrag durchkommt, gilt als unwahrscheinlich, da die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU dem Regierungschef bereits ihre Unterstützung zugesagt haben.