BundeswehrDe Maizière verteidigt Kampfdrohnen-Plan

Der Verteidigungsminister setzt sich für die Entwicklung und Beschaffung von bewaffneten Drohnen ein. Laut einem Medienbericht wurden bereits Vorbereitungen getroffen.

Predator-Drohne der US-Luftwaffe im Irak (Archivbild)

Predator-Drohne der US-Luftwaffe im Irak (Archivbild)  |  ©U.S. Air Force/Handout/Getty Images

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat die geplante Anschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr verteidigt. "Unbemannte, bewaffnete Luftfahrzeuge unterscheiden sich in der Wirkung nicht von bemannten. Immer entscheidet ein Mensch, eine Rakete abzuschießen", sagte er der Bild-Zeitung.

Nach Informationen von Bild.de soll das deutsche Drohnenprogramm bereits deutlich weiter fortgeschritten sein als bisher bekannt. Schon in einer vertraulichen Studie des Luftfahrtkonzerns EADS vom Juli 2010 werde detailliert ein Programm mit dem Codenamen Talarion beschrieben, heißt es. Dafür seien damals "erhebliche Forschungsmittel des Verteidigungsministeriums" eingesetzt worden. EADS habe für die Entwicklung "bereits mehr als 200 Millionen Euro ausgegeben", zitiert Bild.de aus einer internen Präsentation des Unternehmens.

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Aus dem EADS-Papier geht demnach hervor, dass es sich bei Talarion um eine mit Raketen bewaffnete Drohne handeln soll. Die unbemannten Flugkörper könnten ab 2016 ausgeliefert werden. Eine Skizze in der Studie beschreibt demnach, dass Talarion mit zwei lasergesteuerten Raketen vom Typ GBU38 oder vier Raketen vom Typ GBU39 ausgestattet werden solle. Dazu kämen Radar und hochauflösende Kameras. Testflüge für die Talarion-Technologie hat es dem Bericht zufolge bereits im kanadischen Goose Bay gegeben.

Opposition fordert ethische Debatte

Die Opposition reagierte skeptisch auf die Pläne für ein deutsches Drohnenprogramm. Der Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour warnte vor einer "leichtfertigen" Anschaffung bewaffneter Drohnen. Es sei "denkbar, dass die Hemmschwelle zu töten und zur Kriegsführung gesenkt wird. Das wäre eine fatale Entwicklung", sagte er im Deutschlandradio Kultur.

Nouripour forderte eine intensive ethische Debatte über den Einsatz und die möglichen Auswirkungen. Problematisch seien verkürzte Geschwindigkeiten bei Einsatz und Entscheidungsfindung. Zugleich sei ein Drohnenpilot keinerlei Gefahr für sein eigenes Leben ausgesetzt. Es sei möglich, dass dieser dadurch schneller auf den Knopf drücke.

Ähnlich äußerte sich der Grünen-Verteidigungsexperte und ehemalige UN-Sondergesandte für Afghanistan Tom Koenigs gegenüber der Freien Presse. Auch er warnte davor, dass bei unbemannten Flugzeugen die "Hemmschwelle für den Einsatz tödlicher Waffen" sinke. Zudem nannte er bewaffnete Drohnen völkerrechtlich bedenklich.

Leserkommentare
  1. Natürlich sind die geplanten Drohnen in erster Linie für Auslandseinsätze, also asymetrische Kreigführung gedacht.
    Das schließt aber nicht aus, dass man sie auch zur LV einsetzen kann.

    Drohnen wären z.B. auch bei dem Kamf gegen Piraten sehr hilfreich.
    Die Kosten sind einfach geringer als bei einem Bordhubschrauber !

    Antwort auf "Osterhasenglaube"
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    Nochmals, ich bestreite ja nicht, dass Drohnen in gewissen Situationen Sinn machen. Nur muss man das gegen die Nachteile abwägen(die nicht nur militärischer Natur sind) und dann kann es halt sein,dass man sagt, dass die Risiken und ethischen Nachteile überwiegen. Ich finde diesen Automatismus, mit dem sich Drohnen immer mehr in unserer Kriegsführung ausbreiten bedenklich. Ist natürlich nicht neu, dass ethische Bedenken bei neuen Waffen keine Rolle spielen, nur ist das kein Grund es nicht zu kritisieren.

  2. Nochmals, ich bestreite ja nicht, dass Drohnen in gewissen Situationen Sinn machen. Nur muss man das gegen die Nachteile abwägen(die nicht nur militärischer Natur sind) und dann kann es halt sein,dass man sagt, dass die Risiken und ethischen Nachteile überwiegen. Ich finde diesen Automatismus, mit dem sich Drohnen immer mehr in unserer Kriegsführung ausbreiten bedenklich. Ist natürlich nicht neu, dass ethische Bedenken bei neuen Waffen keine Rolle spielen, nur ist das kein Grund es nicht zu kritisieren.

  3. Verteidigungsminister und nicht Kriegsminister? Irgendwie Wortkosmentik -

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    Kommt drauf an was er "verteidigt".

  4. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf themenfremde Verdächtigungen. Danke. Die Redaktion/sh

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    Es geht hier darum, dass die Hemmschwelle zum Töten noch niedriger wird, wie viele Kommentatoren hier schon anmerkten.

  5. Kommt drauf an was er "verteidigt".

    • 1frame
    • 26. Januar 2013 17:07 Uhr

    Ersten gibt es mehrere Studien nach denen Drohnenpiloten tatsächlich in psychologischer Behandlung sind, siehe PTSD...
    und Zweitens warn HumanRightsWatch nicht erst seit heute vor Vollautonomen Kampfrobotern, z.B. dem SGR-1 von Samsung, der künftig tatsächlich auch VOLLAUTONOM entscheiden soll. Auch die Militärdrohnen werden genau mit diesem Ziel weiterentwickelt, um nach langem Einsatz, zur richtigen Zeit selbst entscheiden zu können, ohne ständig gesteuert zu werden... also vielleicht etwas vorsichtiger mit der Wortwahl...

    2 Leserempfehlungen
  6. Es geht hier darum, dass die Hemmschwelle zum Töten noch niedriger wird, wie viele Kommentatoren hier schon anmerkten.

    Antwort auf "Nouripur und die Moral"
  7. Drohnen senken auf jeden Fall die Hemmschwelle zu einem (para)militärischen Einsatz.
    Das ist natürlich ein Problem und gilt für jede Automatisierung des Krieges.
    Es wird ja auch an anderen Projekten gearbeitet.
    Bald wird es auch ferngesteuerte Kampfpanzer geben.

    Nur jeder Politiker, WENN er so einen Einsatz befürwortet wird in Teufels Küche kommen wenn dort eigene Soldaten sterben weil man solche Waffensysteme nicht hat obwohl sie auch noch billiger sind !

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    "Nur jeder Politiker, WENN er so einen Einsatz befürwortet wird in Teufels Küche kommen wenn dort eigene Soldaten sterben weil man solche Waffensysteme nicht hat obwohl sie auch noch billiger sind !"

    Sie bringen es schön auf den Punkt. Durch die Verbreitung von automatischen Kampfsystemen (Drohnen, Panzer, etc.) wird es in Zukunft den Politikern noch leichter fallen Kampfeinsätze zu befehlen. Klar, wer auch in Zukunft Kampfeinsätze will, der wird automatisch für Drohnen etc. sein, weil er damit noch mehr Krieg spielen kann. Interessanterweise sind es in der Hauptsache jene Politiker die die Spielwerdung des Krieges vorantreiben, die bei "gewaltverherrlichenden" Computerspielen Verbote erlassen wollen... also die "christlich-konservativen" Politiker... Naja... "christliche" Moral halt...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, rav, nf
  • Schlagworte Bundesregierung | Bundeswehr | CDU | FDP | Omid Nouripour | SPD
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