Wahl in Niedersachsen Zehn linke Spitzenpolitiker und keine Strategie
Die Linke hat in Niedersachsen eine krachende Wahlniederlage kassiert. Und die Antwort der Partei? Achselzucken und eine skurrile Personalentscheidung.
© Die Linke

Spitzenteam der Linken: Katja Kipping, Nicole Gohlke, Jan van Aken, Karin Lay, Klaus Ernst, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Gregor Gysi, Dietmar Bartsch, Sahra Wagenknecht, Diana Golze und Bernd Riexinger
Dieses Spitzenteam ist zu groß für seine Partei. Als sich die acht Linken-Politiker, die jetzt den Bundestagswahlkampf führen sollen, zusammen mit den beiden Parteivorsitzenden vor der Presse aufstellen, passen sie nicht mehr alle vor die schicke rote Wand mit dem Partei-Schriftzug. Da können sie sich noch so eng drängen, es ist einfach kein Platz für alle.
Andere Parteien nominieren Kanzlerkandidaten, lassen ihre Mitglieder über die Spitzen abstimmen, oder entscheiden sich zumindest auf Delegiertenkonferenzen für ein oder zwei Führungskräfte. Was aber macht die Linke? Sie streitet sich erst monatelang und präsentiert dann, nach der krachenden Wahlniederlage in Niedersachsen, eine Lösung, die keine ist. Acht Politiker bilden nun ein Spitzenteam für die Bundestagswahl. Darunter zwei, die nur professionelle Beobachter kennen, und zwei, die bisher völlig unbekannt waren. Neben Fraktionschef Gregor Gysi, seinen Stellvertretern Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch sowie dem ehemaligen Parteivorsitzenden Klaus Ernst gehören dazu: die einigermaßen profilierten Bundestagsabgeordneten Jan van Aken und Caren Lay, außerdem die Neulinge Diana Golze und Nicole Gohlke.
"Wir setzen damit ein Zeichen für ein anderes Politikverständnis", lobte sich Katja Kipping selbst, die zusammen mit ihrem Co-Vorsitzenden Bernd Riexinger das Team zusammengestellt hat. "Wir sind Fans von Teamlösungen", assistierte Riexinger.
Was genau eine so große Truppe für den Wahlkampf bringen soll, ist aber unklar. Vielmehr macht schon die Vorstellung deutlich, wie merkwürdig diese Entscheidung eigentlich ist. Denn am Ende war es doch fast nur Gregor Gysi der redete. Er beantwortete die Fragen der Journalisten, und manchmal setzte Parteichef Riexinger noch schnell ein, zwei Sätze nach, damit es weniger nach einer One-Man-Show aussah. Die vier unbekannteren Linken sagten kein Wort, standen nur lächelnd daneben.
Kapitulation vor internen Machtkämpfen
Schon jetzt, wo sie doch selbst das Thema waren, verschwanden sie im Hintergrund. Wie soll das erst im Bundestagswahlkampf werden, in dem sie mit den anderen Parteien um Aufmerksamkeit ringen, durch persönliche Präsenz für ihre Partei werben sollen? Die nach Niedersachsen noch weiter geschrumpfte Partei dürfte in der Öffentlichkeit kaum so viel Beachtung finden, dass sich acht Personen gleichzeitig darin profilieren könnten.
So ist die Team-Entscheidung letzten Endes überhaupt keine Entscheidung. Die Spitzen-Linken sind weiterhin diejenigen, die am lautesten reden und sowieso schon am bekanntesten waren: Gysi, Wagenknecht, dazu höchstens noch die Parteichefs Kipping und Riexinger. Alles beim Alten also. Es ist ein indirektes Eingeständnis der Parteiführung: Die erbitterten Machtkämpfe in der Partei, zwischen Ost und West, zwischen Gewerkschaftlern und Alt-Sozialisten, zwischen Pragmatikern und Umstürzlern, sie sind weiter ungelöst. Deshalb stößt die personelle Nicht-Entscheidung selbst innerhalb der Partei bei einigen auf eine Mischung aus Frust und Spott.
- Datum 21.01.2013 - 19:16 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Den herben Nettolohnverlust gerade für Paare in den Kombination ein mäßiges Einkommen/ein 400-Euro-Job halte ich für wichtig.
Dies zeigt nämlich ganz gut, dass nicht nur Bündnis 90/Die Zahnärztinnen, sondern auch die Vortragskünstler der SPD keinen Blick mehr auf die Untere Mittelschicht haben (und ebensowenig die Unterschicht), anders ausgedrückt, dass CDU, CSU, FDP, SPD und Grüne gleichermaßen keine Ahnung vom Leben der unteren 50% der Gesellschaft haben... Als Alternative bieten sich aber nicht nur die Linken, sondern auch die Piraten an. Leider sind Beide derzeit vor Allem mit sich selbst beschäftigt, dabei würden sie gebraucht.
...konservativ, was einmal diskutierte wurde oder vom BVerG moniert wurde. Da scheinen Sie etwas zu verwechseln. Nach ihrer These wäre ja sogar der Liberalismus, der in Deutschland in der Weimarer Republik maßgebend war, konservativ. Irgendwas passt bei ihrer These nicht zusammen.
Dann würde es doch keine Alibi-Gestalten mehr geben, mit denen man sich eingedenk sozialdemokratischer Traditionen von CDU/CSU zu unterscheiden behauptet (Amen!). Nicht, dass die Art Folklore noch für etwas gut wäre, aber zumindest wärmt sie das Herz.
Ausserdem gibt es keinen Grund, warum erfahrungsgemäß immer die, die politisch etwas weiter rechts stehen, allen anderen (folgerichtig dem linkem Querulantenpack) sagen dürfen, dass sie sich verpieseln sollen, wenn die auch mal ihre Meinung sagen. Ausser natürlich ein Appell zu tätigem Mitleid, weil voller Bauch und breitgesessener Hintern sich nicht gerne bewegen.
Und zu guter Letzt ist die Wahlkampf-SPD gut beraten, sich ein paar Vorzeige-Sozis zu erhalten, denn ohne die werden sich kaum Leihstimmen (in dem Fall Erststimmen) von Die Linke-Anhängern einwerben lassen. Stattdessen eine ensprechende Anzahl ALG II/Hartz IV-Opfer als Wähler zu gewinnen, wäre eine m.M.n. lächerliche Hoffnung.
Kai Hamann
solange wir es nicht schaffen die NSDAP nachfolgeparteien zu verbieten,gibt es auch keinen Grund die PDS zu verbieten
warum die letzte echte Sozialdemokratische Partei Bundesweit
so weit zurückliegt bleibt mir ein Rätsel.
ich frage mich,was geht unseren Wählern so durch den Kopf wenn sie ihr Wahlzettel ankreuzen?
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