US-KolumneMerkel und Bush – Genies oder Schurken?
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Dieselbe Art von Imperialismus

Es geht nicht darum, hier und da Löcher im Haushalt zu stopfen. Die Probleme Griechenlands sind nur lösbar, wenn der griechische Staat sich von Grund auf reformiert: Die Korruption muss eingedämmt werden, auch Millionäre (und nicht nur sie) müssen lernen, mal Steuern zu zahlen, und die Regierung muss fiskal verantwortlicher werden, das heißt möglicherweise auch: weniger sozial.

Der Nobelpreisträger Paul Krugman nannte Merkels Politik in der New York Times "das größte Hindernis" für die Rettung Europas, "eine Straße ins Nichts". Er verglich sie mit mittelalterlicher Medizin, bei der man den Patienten zur Ader lässt: Sollte es ihm dadurch schlechter gehen, nimmt man ihm einfach noch mehr Blut ab – irgendwann hat sich das Problem von selbst erledigt. Genau wie Bush spielt Merkel Gott (beziehungsweise Göttin) mit dem Leben von Millionen von Menschen.

Hoppla! Habe ich gerade die Griechenland-Krise mit dem Irak-Krieg vergleichen? Oh, ja. Merkels Politik ist nicht so spektakulär wie Bushs Einmarsch im Irak, aber auf lange Sicht betreibt sie dieselbe Art von Imperialismus: Bush wollte nicht bloß Saddam loswerden, er wollte den Irak dabei gleich zu einem grundsätzlich anderen Staat machen, der in die westliche demokratische Tradition eingebunden ist. Er nahm Tote in Kauf, um dieses Ziel zu erreichen, und man nannte das, was er tat, nation building.

Deutsches nation building

Genauso will Merkel Griechenland zu einem grundsätzlich anderen Staat machen. Ihre Sparpolitik zielt nicht nur auf kurzfristige Heilung, sondern auf eine langfristige Umstrukturierung, um die griechische Fiskalpolitik verantwortlicher zu machen. Wie... naja, wie in Deutschland. Dabei nimmt sie auch das Risiko in Kauf, aus Griechenland ein Entwicklungsland zu machen. Im Deutschen gibt es kein Wort für dieses Verhalten, weil es in der Geschichte der BRD einmalig ist. Mein Vorschlag: nation building.

Ob das gelingt oder nicht, werden wir viel später mit Sicherheit sagen können, vielleicht erst in hundert Jahren. Mit anderen Worten: Auch Merkel wird entweder als Schurke oder als Genie in die Geschichtsbücher eingehen. In Zukunft werden wohl auch Bundeskanzler spät nachts rumsitzen und sich fragen: Was kann ich noch tun, um der Welt meinen Stempel aufzudrücken? Vielleicht nicht mit einem Bourbon.

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Leserkommentare
  1. ...wir Deutschen sind so geübt in Selbsthaß und Selbstzerfleischung, wir brauchen wirklich keinen Amis, die uns in deutschen Medien darin Nachhilfe geben, uns schrecklich zu finden.

    Ichweißichweiß, ich kann ja weglesen...

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    • rjmaris
    • 08. Januar 2013 19:36 Uhr

    Humorvoll geschrieben, und locker obendrein. Die "Nachhilfe"-Art der Amis könnte durchaus auch positiv bewertet werden. Denn "Selbstzerfleischung" ist tatächlich schlecht, aber humorvoller Selbstkritik nicht. Wenn der Artikel also aus der Feder eines Deutschen käme, das wäre super.

    Der Inhalt ist selbstverständlich hochspekulativ. Aber das ist doch prima? Jeder kann für sich das Seine/Ihre denken.

    • Karst
    • 08. Januar 2013 21:52 Uhr

    Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich jemals bei irgendwem für irgendetwas aufgrund der deutschen Geschichte rechtfertigen musste. Und niemand den ich sonst kenne musste das jemals tun. Schrecklich finde ich weder "die Deutschen" noch mich selbst.

    Den Tag verbringe ich nicht mit Schuldbekundungen und ich sehe auch in der Öffentlichkeit keine permanente Selbstgeißelung.

    Die "Selbstzerfleischung" und der "Selbsthass" sind wohl eher ein Problem von Ihnen individuell.

    Es sei denn, sie finden die historisch bedingte Ablehnung von Nationalismus oder der beschnönigten Version "Patriotismus" als "Selbstzerfleischung".

  2. alle notwendigen Mittel in die Hand nehmen um Griechenland zu retten, wenn die Wirtschaft wirklich noch mehr einbrechen sollte.
    Eine Gratwanderung, hoffentlich mit gutem Ende.

    Eine Leserempfehlung
  3. und IWV, die diesen Imperialismus verantworten müssen. Man nimmt Verarmung breiter Massen in Kauf, Erwerblosigkeit von bis zu 50 %, nur um eine Ideologie, die des Euros zu retten, die Reichen lässt man in Steueroasen ziehen und lässt den unschuldigen Bürger für Defizite und Verluste von Banken und Spekulanten aufkommen. [...]

    Gekürzt. Bitte nutzen Sie die Kommentarbereiche nicht als Werbefläche für eine andere Website. Danke. Die Redaktion/cv

    12 Leserempfehlungen
  4. Letztlich bekamen und bekommen die Griechen doch jede Unterstützung. Geändert hat sich nur, dass sie sich ändern müssen, wenn sie diese erhalten wollen. Sie können bleiben wie sie sind und sich am Staatsbankrott erfreuen. Warum nicht? Aber zu verlangen, dass ein anderer laufend für die Fehler einer fehlerhaften Politik blecht, das ist doch ein wenig zuviel des Guten.
    Mittlerweile wird die Diskussion allerdings so geführt, als wären nicht die Griechen, sondern die bösen Ausländer, allen voran Deutschland an der Misere schuld, ganz so als läge dort die Ursache für Korruption, Misswirtschaft und eine überbordende Bürokratie. Sollte dem so sein, dann sind wir gerne bereit die Griechen bei der Bekämpfung der Korruption zu bekämpfen und hilfreich Ratschläge zu urteilen, wie man die mangelnde Effizienz des Staates auf Vordermann bringt. Aber das, will man ja auch nicht.

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    • ohopp
    • 08. Januar 2013 19:41 Uhr

    doch keine Unterstützung. Das Geld geht doch an die alten Kreditgeber, die zwar hohe Zinsgewinne einstreichen konnten aber vom damit verbundenen Risiko befreit wurden.

    "dann sind wir gerne bereit die Griechen bei der Bekämpfung der Korruption zu bekämpfen" - und treffen damit (ungewollt?) den Nagel auf den Kopf, denn in Deutschland gibt es noch keine Umsetzung einer EU-Richtlinie zur Bekämpfung der Korruption. -

    "Was soll falsch an Merkel's Politik sein?

    Letztlich bekamen und bekommen die Griechen doch jede Unterstützung."

    Sie fragen ernsthaft, was an Merkels Politik falsch sein soll!?
    Hm, z.B. dass Merkels Politik, wie mittlerweile praktisch jeder außerhalb Deutschlands erkannt hat, nicht nur völlig unsozial ist, weil sie nur die schwächsten belastet, die sich nicht wehren können, nein, auch ist sie völlig kontraproduktiv. Durch die geforderten "Sparmaßnahmen" sinkt die Verschuldung nicht, sondern sie erhöht sich. Die Volkswirtschaften werden in die Depression gedrängt, Massenarmut macht sich breit.
    Merkel ereicht damit exakt das Gegenteil von dem, was sie - angeblich (ich glaub fast nicht mehr daran) - erreichen wollte. "Falscher" geht also gar nicht mehr. Wirklich eine herzerwärmende Unterstützung für die Griechen. Wer solche Freunde hat, brauch keine Feinde mehr.

    Merkel ist, so befürchte ich, wahrscheinlich schon jetzt die meistghasste Frau auf dem Kontinent - jedenfalls würde mir spontan keine Konkurrentin einfallen, die ihr europaweit diesen Titel streitig machen könnte. Ja, die Nachwelt wird über sie richten. Historiker werden sich auch an einen anderen deutschen Kanzler namens Brüning erinnern, der schon einmal eine ähnliche Politik verfolgt hatte und damit die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte miteinleitete. Hoffen wir das Europa eine ähnlich dunkle Zeit wie damals erspart bleibt.

    • Gagan
    • 08. Januar 2013 19:35 Uhr

    ... hier wird ein Bürgerkrieg, ausgelöst durch eine amerikanische Invasion, der hunderttaussend Menschen das Leben kostete, relativiert. Ich dachte sowas steht in Deutschland unter Strafe?

    20 Leserempfehlungen
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    • xy1
    • 08. Januar 2013 20:14 Uhr

    Sie vergessen zur Gänze, dass Saddam einer der blutrünstigsten Diktatoren in Nah-Ost war. Die Anzahl der willkürlichen Ermordungen vor dem Irakkrieg gind auch in die hunderttausende. Dass nach seinem Fall verschiedene Gruppierungen sich gnadenlos bekämpft und gemordet haben ist keinesfalls allein die Schuld der USA.
    Man sieht aber jetzt, dass sich das Land einigermassen beruhigt hat, nah-östliche Normalität tritt ein.
    Man sollte sich aber auch fragen was Saddam möglicherweise angerichtet hätte, wenn man ihn hätte gewähren lassen. Dass er lammfromm gewesen wäre, ist nicht sehr wahrscheinlich.
    Und zum Öl - die Förderung ging zum grössten Teil an China, (kann man googeln, waren auch in der Zeit Artikel darüber) ob die USA irakisches Öl zum Weltmarktpreis kaufen, weiss ich nicht.
    Es ist auch zu vermuten, dass es ohne die amerikanische Intervention auch irgendwann einen Aufstand im Irak gegeben hätte, spätestens nach Saddams Tod, wie es dann mit den Opferzahlen aussieht - siehe Syrien.

    • rjmaris
    • 08. Januar 2013 19:36 Uhr

    Humorvoll geschrieben, und locker obendrein. Die "Nachhilfe"-Art der Amis könnte durchaus auch positiv bewertet werden. Denn "Selbstzerfleischung" ist tatächlich schlecht, aber humorvoller Selbstkritik nicht. Wenn der Artikel also aus der Feder eines Deutschen käme, das wäre super.

    Der Inhalt ist selbstverständlich hochspekulativ. Aber das ist doch prima? Jeder kann für sich das Seine/Ihre denken.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Liebe Zeit,..."
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    SIE HABEN RECHT.
    Der Artikel ist lustig, ich habe auch gegrinst & das ist alles okay & Geschmackssache.
    Und nocht mehr Selbstironie würde uns allen wirklich gut tun.
    Und ich wünsche mir auch keine Artikel mit dem Tenor "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein."
    Aber allmählich ist die Masche von den Artikeln des Herrn Hansen & des Herrn Tenenborn doch etwas flach: einfach reindreschen. Und es kommt der Verdacht auf ('tschuldigung !, darf man das ungelöscht schreiben ?), daß sich ein deutsches Medium für super-selbstkritisch hält, daß laufend derartige "doofe-Deutsche-Artikel" veröffentlicht.
    Finde ich. Mit vollstem Respekt vor Ihrer anderslautenden Meinung.
    Ich könnte ja auch weglesen ;-)

  5. Einerseits ist sie ist leider als Frage mit nur zwei Optionen formuliert und ich finde es unhöflich eine Frage nicht zu beantworten!

    Andererseits genügt mir eine der beiden Optionen aber befürchte ich das meine ehrliche Meinung als Antwort der Zensur zum Opfer fallen würde!

    Was tun

    LG

    Klaus

    Eine Leserempfehlung
    • birba
    • 08. Januar 2013 19:37 Uhr

    irgendwie hat der Artikel keinen relevanten Inhalt. Ihrer Unterschrift stimme ich zu. Aber auf welchen Politiker passt diese Aussage denn nicht?
    Immerhin schoen wie Sie ihr Wissen in den Artikel einbetten konnten..und stilistisch natuerlich clever mit dem Bild des Burbon gerahmt. Ihrem Vergleich stimme ich nicht zu, aber mir ist schon klar, dass Sie das nur schreiben damit sich Leute aufregen. Also, Glueckwunsch.

    Eine Leserempfehlung

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