Wahl in Niedersachsen : Die grüne Anti-FDP
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Eine sympathische Kraft mit vielen Optionen

3. Die Grünen sind eine echte Milieupartei. Sie versammeln hinter sich eine breite, wachsende Schicht von durchaus wohlhabenden, auch bürgerlichen Wählern, denen es wichtig ist, umweltbewusst in einer lebenswerten, sozial gerechten Gesellschaft zu leben, die ihre Rechte und die Unterschiedlichkeit der Lebensentwürfe und -stile akzeptiert. Das macht die Partei für bisherige Anhänger der SPD, der Union, der FDP und selbst der Linken attraktiv und garantiert längerfristig ihren Erfolg.

Die FDP dagegen hat inzwischen selbst den Großteil ihrer Kernklientel an Besserverdienenden, Selbstständigen und Mittelständlern verprellt.

Rot-Grün, Schwarz-Grün, Opposition

4. Nicht zuletzt: Die Grünen haben mehrere Koalitionsoptionen. Sie können – ihre erste Priorität – mit der SPD regieren, Rot-Grün oder wie in Stuttgart sogar Grün-Rot. Sie können aber auch, wie in Hamburg exerziert, notfalls mit der CDU ein schwarz-grünes Bündnis schmieden, ohne ihre Ziele zu verraten. Trittin als ehemaliger Anführer der Parteilinken würde nicht davor zurückschrecken, im Herbst mit Angela Merkel über eine solche Möglichkeit zu verhandeln, falls es für Rot-Grün nicht reicht und als einzige Alternative eine erneute Große Koalition bliebe.

Die einzig verbliebene Option der FDP dagegen ist die Hoffnung, an der Seite der CDU an der Macht zu bleiben. Eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen ist völlig unrealistisch, schon wegen der wechselseitigen Abneigung der Führungspersonen und mangels inhaltlicher Überschneidungen. An ein Jamaika-Bündnis mit Union und Grünen denkt seit dem gescheiterten Saarland-Experiment niemand mehr.

Jenseits aller kurzfristigen Wahltaktik sehen die Perspektiven der Grünen also zusammen genommen ziemlich rosig, die der FDP dagegen recht düster aus. Eine Gewissheit, dass es für Rot-Grün im Herbst auch im Bund reicht, erwächst daraus nicht; dafür sind die Probleme der SPD und ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zu groß. Das Ergebnis von Niedersachsen zeigt jedoch: Rot-Grün kann gewinnen, selbst mit einem wenig überzeugenden Spitzenkandidaten und selbst wenn die FDP dank Wahlhilfe der Union mehr als fünf Prozent bekommt. 

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Kommentare

189 Kommentare Seite 1 von 19 Kommentieren

Das möchte ich auch gar nicht bestreiten,

es ging mir nur darum, das Vorurteil zu widerlegen, dass "die alle" das gleiche Wahlprogramm haben und Politik machen. Das ist so einfach nicht richtig.
Eine Partei wird nie alles umsetzen können, was sie sich auf die Fahne schreibt und doch ist es wichtig, sie an den Versprechen/Umsetzungen zu messen. Ich bin sehr gespannt, was wir in Niedersachen in ein paar Jahren sagen.

Beamtenrepublik Deutschland?

Von einer gesicherten beruflichen Existenz ausgehend, kann man sich natürlich entspannt für den Erhalt von Butterblümchen und Co. engagieren. Und so steht man halt als Beamter - wir haben in diesem Land rund 1,7 Mio. davon - den Grüner nahe. Einer Partei, die, wie schon der Namen vermuten lässt, einst als Schützer und Erhalter von Wald und Wiese gestartet ist. Natürlich nicht nur.
Wobei ich allerdings doch vermute, dass es die Mehrzahl der Beamten in diesem Land gesinnungs-/überzeugunsmäßig eher zu den Konservativen hinzieht. Es waren und sind immerhin die CDU-Kanzler, die stets für satte Besoldungszuwächse der Beamten gesorgt haben und nach wie vor sorgen. Da kann der normal sterbliche Arbeitnehmer nur von träumen.

Was solls. Im Stillen träumt doch jeder in diesem Land von einer existentiellen Sicherheit a la Beamter.

Gesellschaftliche Solidarität?

Die, die einst den 'Marsch durch die Institutionen' für sich forderten, haben ihn angetreten und für sich dabei gutdotierte Positionen mit guten Pensionen. Was dies mit 'Veränderung der Gesellschaft' zu tun hat, ist mir schleierhaft. Und solidarisch sollten sie mit wem noch einmal sein? Gute Bildung und gutes Einkommen schafft noch keinen solidarischen Menschen.

richtig sie verschleiern

[QUOTE]Bei den Grünen wird das aber durch ihr historisch begründetes Image verschleiert.

[/QUOTE]
verschleiern ist das richtige wort. ihr glück ist, das ihre regierungsbeteiligung um einiges weiter zurückliegt als das der spd. alles was damals unter rot-grün verbrochen wurde, wird nur noch der spd angelastet, die grünen sind irgendwie fein raus aus der sache, derweil waren die damals die triebfeder bei der agenda.
sollte die linke auch so beliebig werden, dann wird es sie zerschmettern, sie sollten sich deshalb besser kein beispiel an den grünen nehmen, nicht jede partei hat das glück mal fix die klientel auszutauschen um am ende noch besser dazustehen. lieber bei 6% herumkraxeln, als ideale wegen machtgeilheit aufzugeben.
sollten die grünen zusammen mit steinbrück in regierungsverantwortung kommen, dann wird sich das desaster von 2005 wiederholen,einmal in ner koalition, kommt man schlecht wieder raus und muß üble sachen mittragen, die mit sicherheit nach der wahl kommen werden, egal ob schwarz-gelb oder rot-grün, sie werden kommen.
das sie plötzlich jetzt alle das thema soziale gerechtigkeit wiederentdecken, ist dem wahlkampf geschult, es soll dem wähler verschleiern, das diese parteien massgeblich daran beteiligt sind bzw. waren, das es kaum noch soziale gerechtigkeit im lande gibt im gegensatz zu schwarz-gelb werden rot-grün nur wieder mehr enttäuschen, weil von ihnen, gerade von den kleinen leuten leuten, mehr erwartet wird.