ZEIT ONLINE: Die Wahl in Niedersachsen wird immer wieder als kleine Bundestagswahl bezeichnet. Stimmt das?

Falter: Niedersachsen wird sicher nicht das Ergebnis der Bundestagswahl vorwegnehmen. Die Wählerstruktur dort ist eine ganz andere als bundesweit. Niedersachsen ist viel stärker ländlich geprägt, in Teilen sehr katholisch. Die CDU hat also historisch bedingt starke Hochburgen. Außerdem werden es Linke und Piraten in Niedersachsen wahrscheinlich nicht in den Landtag schaffen, während die Linkspartei im Bund mit großer Sicherheit wieder in den Bundestag einziehen wird. Das heißt, die Sitzverteilung wird eine andere sein. Hinzu kommt, dass es bei der Niedersachsen-Wahl gerade nicht nur um Bundesthemen gehen wird. Und schließlich gibt es immer auch unvorhersehbare Ereignisse, die in den kommenden Monaten alles noch drehen können. Denken Sie nur an die Elbeflut 2002, die Gerhard Schröder die Wiederwahl zum Bundeskanzler sicherte. 2013 könnten es unerwartete negative Entwicklungen der Eurokrise sein.

ZEIT ONLINE: Dennoch sind von der Niedersachsen-Wahl Auswirkungen auf die Bundespolitik zu erwarten?

Falter: Natürlich wird die Niedersachsen-Wahl Signale für den Bundeswahlkampf setzen. Wenn Rot-Grün in Hannover gewinnt, werden SPD und Grüne dies im Wahlkampf als Beginn des großen Wechsels 2013 propagieren. Umgekehrt: Bleibt Schwarz-Gelb an der Macht, wird dies als ein Signal gedeutet werden, dass auch diese Koalitionsoption im Bund noch nicht verloren ist. In der SPD könnte es in einem solchen Fall große Unruhe geben. Vielleicht würden einige einen Wahlverlust in Niedersachsen sogar dem bisher so glücklosen Spitzenkandidaten Peer Steinbrück anlasten.

ZEIT ONLINE: Stephan Weil, der SPD-Spitzenkandidat, ist im Land deutlich weniger bekannt als der joviale David McAllister, der einen fröhlichen Wahlkampf macht. Wie wichtig ist Persönlichkeit und Bekanntheit von Spitzenkandidaten bei Landtagswahlen?

Falter: Bekanntheit und Persönlichkeit können eine große Rolle in Wahlkämpfen spielen. Ministerpräsident Kurt Beck hier in Rheinland-Pfalz, war ja lange Jahre und ist immer noch ein ungeheuer beliebter Regierungschef. Es gab Wahlen, da hat er seiner Partei erwiesenermaßen einen Mehrwert von bis zu fünf Prozentpunkten gebracht. Einfach nur durch den Beck-muss-bleiben-Effekt.