LandtagswahlNiedersachsen ist anders

Die Landtagswahl in Niedersachsen wird gern als kleine Bundestagswahl bezeichnet. Der Vergleich passt nur zum Teil, meint der Politologe Jürgen Falter im Interview. von 

Wahlkampf in Niedersachsen

Wahlkampf in Niedersachsen  |  © Ingo Wagner/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Falter, lange schien ein Sieg von Rot-Grün in Niedersachsen absehbar. Jetzt wird es plötzlich spannend, die FDP legt zu, selbst die Neuauflage der schwarz-gelben Regierung scheint wieder möglich. Woran liegt’s?

Jürgen W. Falter: Dass die FDP in den Umfragen hinzugewinnt, überrascht mich nicht. Ich gehe davon aus, dass sie es wieder in den Landtag schafft. Im Moment sind die Liberalen heftiger Kritik ausgesetzt. Nicht jeder Wähler bekennt sich in einer solchen Situation freimütig zu dieser Partei, wenn ein Umfrageinstitut anruft. Doch jetzt geht es in den Endspurt, jetzt zählt jede Stimme. Für die Liberalen geht es um viel bei dieser Wahl. Sie werden alle Kräfte und Sympathisanten mobilisieren. Außerdem können sie auf eine niedrige Wahlbeteiligung hoffen, wie sie bei Landtagswahlen oft vorkommt. Wenn viele der noch Unentschlossenen am Wahltag zu Hause bleiben, dann sollte es die FDP locker ins Parlament schaffen.

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ZEIT ONLINE: Die CDU von Ministerpräsident David McAllister ist im Moment stärkste Partei, aber ohne die Liberalen würde den Konservativen ein Koalitionspartner fehlen. Warum ziert sich McAllister so, eine offensive Zweitstimmenkampagne zugunsten der FDP zu fahren?

Jürgen W. Falter
Jürgen W. Falter

ist seit vielen Jahren als Wahl- und Parteienforscher an der Universität Mainz tätig.

Falter: Weil er seine eigenen Anhänger dann öffentlich dazu auffordern würde, die CDU zu schwächen. Aber es reicht ja schon, wenn er Andeutungen macht, die Liberalen wohlwollend erwähnt, gemeinsam mit dem FDP-Spitzenkandidaten auftritt. Seine Wähler wissen sowieso, was sie zu tun haben. Einige CDU-Anhänger werden der FDP sicher aus taktischen Gründen ihre Zweistimme geben, weil sie Rot-Grün verhindern wollen.

ZEIT ONLINE: Wäre ein Ergebnis von knapp über fünf Prozent nicht das Schlimmste, was der zerstrittenen Bundes-FDP passieren kann?

Falter: In der Tat. Zögen die Liberalen nur ganz knapp in den Landtag ein, dann ginge das Hauen und Stechen um Parteichef Philipp Rösler weiter. Er selbst würde sich gestärkt fühlen, aber seinen Kritikern würde ein solches Ergebnis nicht reichen. Anders wäre es, wenn die FDP aus dem Landtag fliegt. Dann denke ich, wird Rösler nicht mehr lange Parteivorsitzender sein. Doch selbst ein Ergebnis von sieben oder acht Prozent der Stimmen würde die Diskussionen nicht beenden. Röslers Defizite bleiben ja weiter bestehen. Es mag unfair sein, aber seine zurückhaltende Art und sein junges Aussehen lassen ihn vielen als politisches Leichtgewicht erscheinen.

Leserkommentare
    • ribera
    • 13. Januar 2013 1:43 Uhr

    Und mit wieviel Milliarden werden die Energiekonzerne gefüttert?

    Antwort auf "[...]"
  1. Wieso sollte das größte Bundesland ihrer Meinung nach "im Sinne des norddeutschen Bundeslandes (Niedersachsen)" wählen? Das größte deutsche Bundesland ist Bayern... Dort wählt man sogar mehrheitlich eine Partei, die es in Niedersachsen überhaupt nicht gibt.

    Antwort auf "Niedersachsen"
  2. Wie kommt es eigentlich, dass Rot/Grün einen 13 Prozent Vorsprung verspielt hat? Was hat die Niedersachsen CDU getan um so einen Vorsprung aufzuholen?

  3. Wer Hohlköpfe als Wähler hat (Dschungelcamp, Bauer sucht Frau und anderen Trash) sollte nicht mit Argumenten kommen, die stören nur. Und die Teenies , die schon wählen dürfen, wählen ohne darüber nachzudenken, die Piraten oder evtl. die Grünen. Opa und Omi wollen den fröhlichen Schwiegersohntypen!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ein Wahlkampf, ..."
    • monic69
    • 13. Januar 2013 12:44 Uhr

    Der Wahlausgang scheint wirklich sehr knapp zu werden. Eines kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass die FDP in den Landtag kommt. Warum?
    Nun ich halte die Wählerinnen und Wähler in Niedersachsen für so intelligent, dass sie erkennen, diese FDP ist ja so was von überflüssig, mehr geht einfach nicht.
    Freiheit?? Mehr kommt von dieser Partei nicht? Keinerlei Inhalte, nur von allen ihren "Spitzenleuten" blah blah blah.
    Die Hoffnung bleibt, für mich,diese Partei nicht mehr in den Landtag!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie sich so abfällig über eine Partei äußern, weil sie sich die Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat, erschließt sich mit nicht. Die Frage muss aber lauten: Steht die FDP wirklich noch für Liberalität? Wenn nicht, brauchen wir wirklich keine liberale (und ich meine nicht ausschließlich wirtschaftsliberale) Partei mehr in diesem Land? Wer kann die Rolle der FDP im Parteienspektrum ganz oder teilweise ersetzen?

  4. ..es ist doch mal wieder sehr bezeichnend für die Berichterstattung auf ZEIT-online. wie selbstverständlich man die Linke außen vor läßt, die bekanntermaßen in der neuesten Umfrage des FOCUS bei sechs Prozent steht.
    Statt dessen peinliche Krümelsucherei zu Gunsten der Rösler-Truppe, die ja in letzter Konsequenz nichts weiter macht, als die Schröder-Politik der vergangenen Jahre unverändert zu propagieren, bzw. zu exekutieren.
    Bin schon jetzt sehr gespannt, was der Demokratisten-Klüngel nächsten Sonntag Abend von sich geben wird, wenn die Linke tatsächlich und nicht völlig überraschend fünf plus X Prozent einfahren sollte.

    3 Leserempfehlungen
    • OlbersD
    • 13. Januar 2013 17:25 Uhr

    Das Bild passt doch gar nicht zu den Ausführung von Herrn Falter. In der Schlussphase des Wahlkampfs stehen die großen Parteien und ihre Spitzenkandidaten im Mittelpunkt nicht die FDP.

    Was uns die Demoskopen des Fernsehens erzählen, glaube ich nicht. Weshalb sollte die FDP aufholen? Aufgrund ihres geschlossenen Auftretens bei Dreikönig bestimmt nicht und es gibt auch andere Umfragen.

    • OlbersD
    • 13. Januar 2013 17:53 Uhr

    Nach den neuesten Umfragen schafft es die FDP ohnehin nicht. Die CDU wird mit Sicherheit stärkste Partei und erreicht rechnerisch sowohl mit den GRÜNEN als auch mit der SPD eine Mehrheit. McAllister wird also Ministerpräsident bleiben, wenn es für Rotgrün nicht reicht. Auf die FDP kommt es dabei gar nicht an.

    http://www.wahlrecht.de/u...

    Wenn schon taktisch wählen, warum nicht LINKE wählen, damit steigt die Chance auf eine große Koalition erheblich.

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  • Schlagworte FDP | CDU | Landtagswahl | Niedersachsen | Philipp Rösler | SPD
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