Vor allem dann, wenn Schwarz-Gelb auf die Idee kommen sollte, zur Bundestagswahl im Herbst eine ähnliche Masche auszuprobieren. Doch es drohen gefährliche Nebenwirkungen.

Zum einen müsste die FDP einmal mehr die Rolle der inhaltsleeren Mehrheitsbeschafferin akzeptieren. Doch sogar unter den Liberalen gibt es noch politische Überzeugungstäter, denen das nicht schmecken dürfte. Gut möglich, dass das Verhalten der FDP dann noch erratischer und unkontrollierbarer würde als bisher schon. Ohne weiteres könnte das auch in eine neue Führungsdebatte münden.

Zum zweiten müsste die CDU mitmachen. Ein solches Abenteuer kostet die größere Partei aber gehörig Stimmen, wie Niedersachsen eindrucksvoll vorgeführt hat. Ganz abgesehen davon, dass es für Schwarz-Gelb am Ende doch nicht zur Regierungsmehrheit gereicht hat, dürfte der eine oder andere Christdemokrat ziemlich sauer sein, dass er womöglich wegen der vielen Leihstimmen für die FDP nicht in den Landtag einziehen darf. Im Bund könnte es dagegen noch größere Vorbehalte geben.

Es gibt aber noch einen dritten Grund, der gegen eine Leihstimmenkampagne im Bund spricht. Niedersachsen zeigt, wie knapp es werden kann, wenn vier Parteien ins Parlament einziehen. Im Bundestag werden aber mit großer Wahrscheinlichkeit mit der Linken mindestens fünf Parteien vertreten sein. Dann wird das Risiko einer solchen Kampagne unkalkulierbar. Selbst wenn sie gelingt, könnte das bürgerliche Lager am Ende insgesamt zu wenige Stimmen gewinnen, um weiterregieren zu können. Warum sollte sich eine Kanzlerin mit derartig guten Beliebtheitswerten darauf einlassen?