Nach der Niedersachsen-Wahl : Stimmen verleihen ist gefährlich
Seite 2/2:

Unkalkulierbares Risiko im Bund

Vor allem dann, wenn Schwarz-Gelb auf die Idee kommen sollte, zur Bundestagswahl im Herbst eine ähnliche Masche auszuprobieren. Doch es drohen gefährliche Nebenwirkungen.

Zum einen müsste die FDP einmal mehr die Rolle der inhaltsleeren Mehrheitsbeschafferin akzeptieren. Doch sogar unter den Liberalen gibt es noch politische Überzeugungstäter, denen das nicht schmecken dürfte. Gut möglich, dass das Verhalten der FDP dann noch erratischer und unkontrollierbarer würde als bisher schon. Ohne weiteres könnte das auch in eine neue Führungsdebatte münden.

Zum zweiten müsste die CDU mitmachen. Ein solches Abenteuer kostet die größere Partei aber gehörig Stimmen, wie Niedersachsen eindrucksvoll vorgeführt hat. Ganz abgesehen davon, dass es für Schwarz-Gelb am Ende doch nicht zur Regierungsmehrheit gereicht hat, dürfte der eine oder andere Christdemokrat ziemlich sauer sein, dass er womöglich wegen der vielen Leihstimmen für die FDP nicht in den Landtag einziehen darf. Im Bund könnte es dagegen noch größere Vorbehalte geben.

Es gibt aber noch einen dritten Grund, der gegen eine Leihstimmenkampagne im Bund spricht. Niedersachsen zeigt, wie knapp es werden kann, wenn vier Parteien ins Parlament einziehen. Im Bundestag werden aber mit großer Wahrscheinlichkeit mit der Linken mindestens fünf Parteien vertreten sein. Dann wird das Risiko einer solchen Kampagne unkalkulierbar. Selbst wenn sie gelingt, könnte das bürgerliche Lager am Ende insgesamt zu wenige Stimmen gewinnen, um weiterregieren zu können. Warum sollte sich eine Kanzlerin mit derartig guten Beliebtheitswerten darauf einlassen?

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

92 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Zweitstimmenschenkung bei Bundestagswahl überflüssig!

In Niedersachsen gab es keine Alternative, um die FDP mit ihrem geringen Stimmanteil in den Landtag zu verhelfen, weil es keine Grundmandatsklausel gab.
http://www.wahlrecht.de/l...

Bei der Bundestagswahl gibt es zwei Sperrklausen. Die 5% Hürde ist Eine. Früher war es nützlich, Zweitstimmen zu verschenken, weil die größere Partei Überhangmandate erzielen konnte, was der Koalition sehr nutzte. Das ist nach neuem Wahlrecht wegen der Ausgleichsmandate nicht opportun, weil nur die Zweitstimmen zur Sitzverteilung genutzt werden. Ein Geschenk von Zweitstimmen stärkt aber nur den kleinen Partner zu Lasten der dominierenden Partei.

Alternativ kann die CDU „ADENAUERN“, wie sie es bereits 1953 mit der Zentrumspartei machte.
http://de.wikipedia.org/w...

Wenn sie der FDP drei Direktmandate mit der Erststimme der CDU Wähler schenkt, dann zieht die FDP über die Grundmandatsklausel in den Bundestag ein, obwohl sie weniger als 5% der Zweitstimmen haben kann. In diesem Fall gewinnt das Lager die weniger als 5% Zweitstimmen für sich, ohne dass die FDP unkalkulierbar groß wird.

Damit wird das Ziel einer großen Partei durch ADENAUERN erreicht. Man stärkt das eigene Lager und kann den möglichen Partner schwächen.

Zu 53: Adenauern ist unrealistisch?

Es gibt ein historisches Beispiel von 1953.
http://de.wikipedia.org/w...

Die CSU holt alle Direktmandate und einige mit absoluter Mehrheit. Wenn die in drei Wahlkreisen plakatieren „Erststimme FDP, Zweitstimme CSU – wir wollen siegen!“ was glauben, was die Wähler wählen? Man kann in der lokalen Presse erklären und durch Mundpropaganda bestärken.

Zudem haben Sie heute erlebt, wie viele Wähler der FDP ihre Zweitstimme schenkten, nur weil MacAllister davon gesprochen hatte. Er hatte seine Kampagne aber nicht strategisch geplant.