"Selten hat das politische Berlin mit so viel Spannung auf eine Landtagswahl gewartet". Mit großen Worten eröffnet NDR-Chefredakteur Andreas Chichowicz am Donnerstagabend das erste und einzige TV-Duell zwischen Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister und seinem Herausforderer von der SPD, Stephan Weil. Beide Kandidaten lächeln steif.

Zehn Tage sind es noch zur Wahl, und weil es Tradition ist, präsentiert der NDR an diesem Abend neue Umfragewerte. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen des rot-grünen Lagers gegen die schwarz-gelben Statthalter zeichnet sich ab: 40 Prozent für die CDU, 33 für die SPD, 13 für die Grünen und die FDP liegt immerhin bei 5 Prozent. Fast jeder zweite Wähler, sagt Chichowicz in seiner Anmoderation, halte die Bundespolitik bei seiner Wahlentscheidung für fast genauso wichtig, wie die Landespolitik. Mehr als 40 Prozent seien noch unentschlossen. Dann kann es losgehen mit dem verbalen Schlagabtausch.

McAllister und Weil eint, dass beide zum ersten Mal als Spitzenkandidat für ihre Partei Wahlkampf machen. Zurückhaltend und spröde stammeln sie sich durch die Fernsehsendung, viele ihrer Antworten klingen auswendig gelernt. Fast können einem die Kandidaten ein bisschen Leid tun. Sie stehen unter ziemlichem Druck. Es geht nicht nur um einen Sieg in Niedersachsen, zumindest nach Gefühl sind alle Bundesbürger um ihre Meinung gefragt.

Niedersachsen ist die einzige Landtagswahl vor der großen Abstimmung in diesem Jahr, der Bundestagswahl im September. Parallelen gibt es: Auch im Norden versucht ein rot-grünes Bündnis gegen eine schwarz-gelbe Regierung anzukommen. Hier ist die CDU ebenfalls starke Kraft, muss sich aber um den schwächelnden Koalitionspartner FDP sorgen.

McAllister redet lieber über Merkel als über Wulff

Moderator Chichowicz eröffnet die Debatte dann auch mit zwei Fragen zu Themen von bundesweitem Interesse. McAllister soll sich zur Trennung des Ex-Bundespräsidentenpaars Wulffs äußern. Er wiegelt ab, mit finsterem Blick. "Privatsache", "hat mit Politik nichts zu tun." Vorsichtshalber fügt der Kandidat noch hinzu, dass er den gefallenen Präsidenten (immerhin seinen politischen Ziehvater, von dem er das Regierungsamt übernahm) "seit April" nicht mehr gesehen habe und dass die Menschen mit der Affäre "durch seien".

Seinem Konkurrenten Stephan Weil ergeht es nicht besser. Er wird gefragt, ob der glücklose Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gerade seinen Wahlkampf versaue. Nein, nein, Steinbrück komme gut an im Norden, betont der Noch-Oberbürgermeister von Hannover – um dann aber doch zu konstatieren: "Es ist eine Niedersachsen-Wahl, es geht um Niedersachsen."

Tatsächlich spielt die Bundespolitik im Fernseh-Duell danach nur am Rande eine Rolle. Weil greift David McAllister dafür an, dass er das umstrittene Betreuungsgeld befürwortet. Und der Ministerpräsident gibt mit seinem "ganz engen Draht" zur Kanzlerin an. Herausforderer Weil lästert, für den guten Draht habe McAllister aber wenig Geld für Straßenbau und Forschung nach Niedersachsen geholt, sondern zugelassen, dass Milliarden in Bayern und Baden-Württemberg versickerten.