FDP-Anhänger bejubeln das Wahlergebnis in der Berliner Parteizentrale © Thomas Peter/Reuters

Das überraschend starke Abschneiden der FDP bei der Landtagswahl in Niedersachsen interpretieren die Liberalen als Stabilisierung des angeschlagenen Parteivorsitzenden Philipp Rösler. Generalsekretär Patrick Döring sprach von einem großen Vertrauensbeweis für den Parteichef. Auf die Frage, ob Rösler Parteichef bleiben werde, sagte Döring: "Aber ja." Rösler sei Niedersachse. "Und ein Erfolg in Niedersachsen ist auch ein Erfolg für Philipp Rösler." 

Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte: "Eins ist sicher: Einen vorgezogenen Parteitag wird es nicht mehr geben." Zuletzt hatte Fraktionschef Rainer Brüderle verlangt, der anstehende Parteitag sollte vorverlegt werden, um die Führungskrise um Parteichef Philipp Rösler zu klären. "Ich wünsche mir, dass die Debatte um meinen Parteivorsitzenden etwas mehr an Ruhe gewinnt", sagte nun Kubicki.

Auch Niedersachsens FDP-Chef Stefan Birkner sprach sich klar für den Verbleib des Parteichefs aus. Rösler habe gute Arbeit gemacht und die Partei während des Wahlkampfes in Niedersachsen tatkräftig unterstützt.

Am Wahlabend zeichnete sich ein mögliches Patt zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb ab. In der SPD gibt es erste Stimmen, dass in diesem Fall eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und der FDP angestrebt werden solle. Das brachte der Chef des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, ins Gespräch. "Das entscheiden zwar die Kollegen vor Ort, aber eine Ampel ist besser als eine Große Koaltion", sagte der Hamburger SPD-Politiker im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Gabriel spricht von Fremdblutzufuhr für die FDP

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte eine andere Interpretation für das gute Abschneiden der FDP: "Eigentlich gibt's die nur, wenn sie Fremdblutzufuhr bekommen. Die Partei existiert eigentlich nicht mehr."

Das Abschneiden seiner Partei wertete Gabriel als Rückenwind für den Wahlkampf im Bund. "Gemeinsam mit den Grünen haben wir zugelegt in Niedersachsen. Und das ist jetzt sozusagen das, was wir im Spurt zur Bundestagswahl auch schaffen wollen."

Gabriel ergänze: "Alle Unkenrufe, die Bundes-SPD sei sozusagen für einen dramatischen Wahlverlust der Niedersachsen verantwortlich, sind Unsinn gewesen. Aber wir wollen zugeben, Rückenwind haben wir den Niedersachsen nun auch nicht gegeben. Das sollen wir ändern."

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück übernahm eine Mitverantwortung für das Wahlergebnis seiner Partei in Niedersachsen. "Wenn das Ergebnis heute Abend noch nicht so klar zu unseren Gunsten ist", habe das sicher nicht am niedersächsischen Spitzenkandidaten Stephan Weil gelegen, räumte Steinbrück ein. "Will sagen, dass mir sehr bewusst ist, dass es aus der Berliner Richtung keinen Rückenwind gegeben hat. Es ist mir auch bewusst, dass ich maßgeblich dafür eine gewisse Mitverantwortung trage."