SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück © John MacDougall/AFP/Getty Images

Erst die Debatte über Vortragshonorare, dann die Äußerungen zum Kanzler-Gehalt: Die anhaltende Kritik an Peer Steinbrück hat seiner Beliebtheit bei den Wählern deutlich geschadet. Laut ARD-Deutschlandtrend sind nur noch 36 Prozent der Deutschen mit der Arbeit des SPD-Kanzlerkandidaten zufrieden. Das sind 12 Punkte weniger im Vergleich zu Dezember.

Die Werte der Amtsinhaberin sind für Steinbrück damit momentan unerreichbar. Die Statistiker der ARD ermittelten einen Abstand von 29 Punkten zu Bundeskanzlerin Angela Merkel, die eine Zustimmung von 65 Prozent erfährt – mit keinem Politiker sind die Wähler derzeit zufriedener. Im Oktober, nach Bekanntgabe seiner Nominierung, war Steinbrück noch auf 59 Prozent Zustimmung gekommen.

Auch im Fall einer Direktwahl wäre der Abstand zwischen der CDU-Vorsitzenden und dem früheren SPD-Finanzminister so groß wie nie zuvor. 55 Prozent würden sich für Merkel entscheiden und nur 30 Prozent für Steinbrück.

Weder Rot-Grün noch Schwarz-Gelb

Für den Kandidaten sind diese Zahlen ein Desaster, seiner Partei aber schadet er dabei nur begrenzt. Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die SPD auf 28 Prozent, nur einen Punkt weniger als zuvor. Laut Deutschlandtrend liegt dies "im üblichen Schwankungsrahmen der Partei". Die Union kommt unverändert auf 41 Prozent, die Grünen auf 14 (plus 2), die FDP auf vier (unverändert) und die Linke auf sechs Prozent (unverändert).

Damit gibt es bislang keine klaren Mehrheiten im Bund. Sowohl Rot-Grün mit 42 Prozent als auch Schwarz-Gelb könnten – wenn die FDP den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schafft – nicht eine der beiden klassischen Regierungskoalitionen bilden.

Steinbrück ruft zu neuer Diskussionskultur auf

Die Sozialdemokraten wollen nun mit einer inhaltlichen Offensive zu Familien- und Mietpolitik von sich überzeugen. Ihr Kanzlerkandidat aber müht sich zunächst um Schadensbegrenzung in eigener Sache. In einem Interview rief er zu einer neuen politischen Diskussionskultur auf. Dazu gehöre auch, dass nicht gezielt Missverständnisse verbreitet würden, sagte Steinbrück der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Bei seinen Äußerungen zum Kanzlergehalt sei es beispielsweise nur um einen Vergleich der Bezahlung in Bezug auf die Verantwortung gegangen. "Böswillig fand ich, dass mir im Nachhinein unterstellt wurde, ich hätte mich für eine Erhöhung des Kanzlergehalts ausgesprochen. Das ist absurd."

Steinbrück macht erneut deutlich, dass er sich in seinem Auftreten und seiner Rhetorik nicht verbiegen lassen will. Angesichts der Debatten über tatsächliche oder vermeintliche Fehler von Politikern frage er sich, welchen Politikertypus man in Zukunft bekomme. "Ich fürchte, am Ende haben wir es mit sehr rundgefeilten Politikern zu tun, die jedes Wort darauf prüfen, bloß nicht anzuecken", sagte er der HAZ. "Ich werde nie zu den glatten rundgeschliffenen Kieselsteinen gehören."