Piratenpartei : Die fatale Trägheit der Piraten-Masse
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Wo der Schwarm versagt

Der Piraten-Schwarm ist gut darin, viele einzelne kreative Ideen zu produzieren. Das zeigen zum Beispiel die Wahlplakate der Piraten, die oft viel besser sind als die der anderen Parteien. Er versagt aber offensichtlich dann, wenn es darum geht, sich eine neue, nach vorne gerichtete und mutige Strategie zu geben, die mehr ist als der kleinste gemeinsame Nenner – und diese dann auch mit Leben und Aktion zu füllen. Es ist die Trägheit der Piraten-Masse, die der Partei jetzt zum Verhängnis werden könnte.

Selten neu oder bereichernd

In anderen Parteien würden in so einer Situation und nach solchen Appellen die verschiedenen formellen und informellen Gruppen aktiv werden. Sie würden gewagte Konzepte vorantreiben, die sie vielleicht schon länger in der Schublade liegen haben und für die die Partei in ihrer Schwächephase empfänglicher ist. Menschen mit Charisma und Selbstgewissheit würden nun ihre Chance wittern und bestenfalls ihre Partei mitziehen. Bei den Piraten aber waren genau solche Prozesse verpönt und wurden schnell öffentlich diskreditiert. 

Und wo sie es versuchen, bei Debatten mitzumischen, sind ihre Themen, Beitragsangebote und Positionen selten neu oder bereichernd. Dafür oft ein wenig zu spät, um über die Medien eine breite Öffentlichkeit zu finden.

Wenn auch der politische Geschäftsführer Johannes Ponnader nun "politische Megaphone" fordert, also Piraten, die mit einzelnen Themen auf die große Bühne treten, dann ist damit ja noch nichts gewonnen. Es müssten sich diese Themen und Personen zuerst noch finden, und dann müssten sie auch noch wirklich etwas zu sagen haben, was die Leute interessiert und überzeugt.

Allein die von ihnen halb belächelte, halb verachtete SPD hat zuletzt mit den Konzepten zu Bankenregulierung und Wohnungsmarkt Relevanteres und vor allem Konkreteres auf die Beine gestellt, als alles, was in dieser Zeit programmatisch von den Piraten gekommen ist.

Eingerichtet im Piraten-Mikrokosmos

Es gibt eigentlich keine bessere Zeit für Piraten, um Themen zu setzen und Politik zu machen. Die Öffentlichkeit hat sich an sie gewöhnt und wartet auf neue Angebote und Vorschläge. Sie haben ein Grundsatzprogramm. Sie müssen sich nur trauen. Stattdessen aber haben sie sich allzu viele von ihnen eingerichtet im Piraten-Mikrokosmos, in dem die Medien schuld sind am Niedergang und der Kleinkrieg mit dem Parteifreund so viel übersichtlicher ist als der unberechenbare Schritt auf die größere, politische Bühne.

Bernd Schlömer hat Recht. Die Piraten brauchen einen Ruck. Anfang Februar treffen sich die Piraten in Leipzig zu einem Strategietreffen. Die Piraten müssen sich dann an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Bisher aber scheinen sich noch zu viele genau in diesem Sumpf allzu wohl zu fühlen.

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Kommentare

66 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Woher wollen Sie eigentlich

wissen, welche Partei ich bei der Bundestagswahl wähle? Hä? Es gibt nochmehr Parteien abseits des von Ihnen genannten Spektrums. Womöglich haben Sie das ja aber auch noch gar nicht bemerkt...

Und die Tatsache, dass die "etablierten Parteien" uns "Müll verkaufen", macht die Bilanz der Piraten um keinen Deut besser. Nur weil die anderen Mist bauen, steht doch nicht derjenige besser dar, der gar nichts tut. Komische Vorstellungen haben Sie...