Frankfurter Allgemeine Zeitung: Verantwortliche zeigen Galgenhumor

"Schon haben die beruflich mit dem vertrackten Flughafen in Schönefeld bei Berlin Betrauten Mut zum Galgenhumor gefasst. Das ist anders als im Mai, als die kurzfristige Absage der feierlichen Eröffnung für alle überraschend kam und als zutiefst peinlich für Berlin und Brandenburg empfunden wurde. Dass die Schwierigkeiten, einen Großflughafen in den märkischen Sand zu bauen, für Berlin typisch seien, glauben inzwischen nur noch politisch Interessierte (...).

Am Montag hat Wowereit angekündigt, er werde den Vorsitz des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft in der nächsten Woche an Platzeck abgeben, der im Landtag die Vertrauensfrage stellen will. Die Berliner Opposition fühlt sich dadurch zu noch mehr Wucht für ihre Rücktrittsaufforderungen an den Bürgermeister animiert."

Der Tagesspiegel: "Wowereit ist nicht mehr haltbar"

"Klaus Wowereit ist nicht mehr haltbar, und zwar nicht nur als Aufsichtsratsvorsitzender des Pleiten-, Pech- und Pannenflughafens in Schönefeld, wie er glaubt, sondern auch als Regierender Bürgermeister. Sein Rücktritt wäre jetzt eine Frage der politischen Hygiene. Wann, wenn nicht jetzt, nachdem nicht einmal klar ist, ob der Flughafen nun vielleicht 2014 oder erst 2015 eröffnen kann, müsste das politische Verantwortungsgefühl dem ohne Zweifel verdienten Stadtobersten sagen: Tritt ab. Wowereits persönliche Sympathiewerte sind im Keller. Seine Partei ist bei Umfragen klar hinter die CDU zurückgefallen."

Berliner Zeitung: Den Bürger interessiert nur die Wahrhaftigkeit

"Wenn zwei Wochen vor einer Landtagswahl zwei sozialdemokratische Ministerpräsidenten zurückträten, so wäre das für die betroffene Partei schwerwiegend. Aber muss uns Bürger das interessieren? Geht es um das Wohl einer Partei? Nein. Es geht um Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit und politische Hygiene in diesem Land. Wowereit und Platzeck sind verantwortlich für den geordneten Bau des Hauptstadtflughafens. Sie haben versagt. Jetzt müssen andere in Berlin und Brandenburg bessere Politik machen."

Münchner Merkur: Erstaunliches Rollenspiel des Regierenden

"Mindestens ebenso erstaunlich (wie die offensichtlichen Fehlplanungen) mutet das Rollenspiel der Kontrolleure an, allen voran das des Ex-Aufsichtsratschefs Klaus Wowereit (SPD), seines Zeichens Regierender Bürgermeister einer Stadt, in der jeder Einwohner statistisch mit 18.000 Euro verschuldet ist und die nur dank jährlicher Überweisungen aus dem Länderfinanzausgleich von über 3 Milliarden Euro noch nicht pleite ist. Vor diesem Hintergrund wirkt es doppelt ärgerlich, wenn die Öffentlichkeit von der x-ten kostspieligen Verschiebung des Flughafen-Eröffnungstermins aus der Presse erfährt, während die nonchalanten Beschwichtigungsparolen des Regierungschefs noch nicht einmal verhallt sind."

Lausitzer Rundschau: Über den Sinn des Verantwortungsbegriffs

"Trotzdem, wenn der Begriff Verantwortung in Wirtschaft und Politik überhaupt noch einen Sinn machen und nicht nur hohe Gehälter begründen soll, dann muss sie nach nunmehr vier Verschiebungen und den dadurch verursachten Mehrkosten in Milliardenhöhe jemand persönlich übernehmen. Nach Lage der Dinge sind das der Flughafenchef Rainer Schwarz, der nun wohl tatsächlich gehen muss, und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Bei Schwarz ist die Entlassung sachlich geboten. (...) Bei Wowereit wäre der Grund für einen Rücktritt ein politischer. Er hat es mit seiner (Nach-)Lässigkeit zugelassen, dass nun die ganze Region lächerlich gemacht worden ist. Arm, sexy und auch noch zu doof, um eine Halle zu bauen. Es reicht."

Berliner Morgenpost: Wowereits Vermächtnis

"Der Regierende Bürgermeister muss die BER-Geisterfahrt jetzt beenden und dafür sorgen, dass alles auf Anfang gestellt wird. Er muss dafür sorgen, dass die Region einen funktionstüchtigen Airport bekommt, sei es im Jahr 2014 oder später. Es ist seine einzige Chance, will er nicht als Verlierer, als derjenige, der am BER-Desaster gescheitert ist, in die Geschichte eingehen. Eins aber ist auch klar: Eine Erfolgsgeschichte kann der BER, egal wann er in Betrieb geht, für Wowereit nicht mehr werden."