Aber, und das wissen auch die vielen heimlichen Brüderle-Gegner in der FDP, immerhin beherrscht der neue Spitzenmann etwas, das dem Parteivorsitzenden Rösler fehlte: Brüderle versteht es durchaus, einen Saal von Liberalen zum Kochen bringen. Anders als Rösler sucht er geradezu plakative, eindimensionale Aussagen. Auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart war mal wieder er es, der den Saal aufputschte und die lautesten Klatschgewitter provozierte. Ähnlich brachte Brüderle die Delegierten des letzten Parteitages zum Feiern. Da hielt er eine Rede über liberale Regierungserfolge und skandierte immer wieder: "Wer hat's gemacht? Wir haben es gemacht!"

Auch diejenigen, denen das eigentlich zu schlicht ist, hoffen, dass man so wenigstens die liberalen Stammwähler erreicht. Schließlich geht es im September um den Bundestagseinzug, also um die berufliche Existenz vieler. Da stellt man persönliche Ansichten zu Stil und Inhalten schon mal etwas zurück.

"Rainer Brüderle ist anders als Philipp Rösler", sagte letzterer in der Pressekonferenz nach der Nominierung seines Rivalen: "Wir sprechen unterschiedliche Typen an." In der FDP setzen sie nun auf den Erfolg eines Tandems, das bislang alles andere als harmoniert hat. Und sie fürchten sich vor den weiteren Patzern des neuen Spitzenmanns.