Rainer Brüderle Der Plapper-Liberale

Schon zum Start beschädigt: Rainer Brüderle soll die FDP als Spitzenmann in den Wahlkampf führen. Vielen Liberalen graut jetzt schon davor. Von M. Schlieben von 

Nein, das war kein Traumstart für den neuen Spitzenkandidaten der FDP. Als das Parteipräsidium Rainer Brüderle am Montag zum Gesicht für die Bundestagswahl kürte, geschah dies in einer überaus feindseligen, angespannten Atmosphäre. Parteichef Philipp Rösler hatte sich durchgesetzt, die anschließende Pressekonferenz von Rösler und Brüderle war geprägt von vergifteten Komplimenten und frostigen Blicken.

Brüderle war schließlich von seinem 30 Jahre jüngeren, innerparteilichen Gegner überrascht und überrumpelt worden. Dies war dem Fraktionschef auch bei seinem öffentlichen Auftritt am Montag anzumerken: Über ein paar schlichte Sätze ("Die Sturmspitze bin ich" oder "Der Philipp wird sich voll einbringen") kam Brüderle kaum hinaus. Begeisterung? Aufbruch? Esprit? Alles Fehlanzeige.

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Der 67-Jährige selbst trägt an dieser unguten Ausgangslage die Hauptschuld. Mit seinem TV-Interview zwei Tage vor der Niedersachsen-Wahl, indem er den Führungsanspruch Röslers mehr oder weniger unverhohlen infrage gestellt hatte, hat er weite Teile der Partei gegen sich aufgebracht. Es war kein offener Angriff, den Brüderle da gewagt hatte. Eher hatte er leicht verschwurbelt ein bisschen gezündelt und eigene Ambitionen angedeutet. Dass ihm sofort Christian Lindner, ein anderer prominenter Rösler-Gegner, assistierend zur Seite sprang, ließ den Brüderle-Vorstoß wie ein abgekartetes Spiel aussehen.

Pfälzer-Idiom, plumpe Rhetorik

Weniger misstrauische Liberale sagen: Brüderle habe sich im Morgenmagazin bloß verplappert. Und tatsächlich wäre auch das nicht gerade untypisch für ihn. Vielen in der FDP ist noch gut in Erinnerung, wie Brüderle im März 2011 als Wirtschaftsminister schon einmal mit einer unvorsichtigen Äußerung den Schlussspurt im Landtagswahlkampf belastete, damals in Baden-Württemberg. Auf einem Treffen mit Wirtschaftsbossen erzählte er freimütig, die neue Atom-Politik nach Fukushima sei in erster Linie Wahlkampftaktik. Nicht nur die CSU tobte damals, Brüderle gefährde das Ansehen der gesamten Bundesregierung.

Die unbedachten Äußerungen kosteten Brüderle seinen Posten als Landesvorsitzender und, etwas später, das Wirtschaftsministerium. Auch damals fühlte er sich "reingelegt" vom neuen Parteichef Rösler, der ihn aus dem geliebten Posten drängte. Seither gilt das Verhältnis zwischen den beiden als äußerst angespannt.

Aber auch sonst ist Brüderle seit jeher für Peinlichkeiten und unbedachte Äußerungen gut. Sein Pfälzer-Idiom, seine oft plumpe Rhetorik, seine Lust am Wein – all das sorgt regelmäßig für Spott in diversen liberalen Runden. Den jungen, reformorientierten Kräften in der FDP war daher der Brüderle-Hype, der in den vergangenen beiden Jahren der andauernden FDP-Krise mancherorts entstanden ist, immer schon suspekt. Schließlich steht er nicht für Avantgarde und programmatische Erneuerung. Brüderles "Wortwahl, Tonalität und Auftritt" entspräche kein bisschen einem "modernen Liberalismus", sagt ein einflussreicher junger FDPler.

Leserkommentare
    • Otto2
    • 22. Januar 2013 19:01 Uhr

    ist nicht ein Plapperliberaler oder ein schwacher Vorsitzender Rösler.
    Es geht um die Substanz, die diese Partei heute hat.
    Liberale Ideen wie den Ausbau von Bürgerrechten, die Abwehr von immer neuen Späh-Angriffen auf unbescholtene Bürgern sei es durch Staat oder von großen Firmen u. Ä., stünden einer liberalen Partei gut an.
    Selbst zu Umweltproblemen lässt sich sehr wohl vom liberalen Selbstverständnis her manches Positive machen.
    Nichts davon ist heute in dieser Partei. Nicht einmal notwendige systemerhaltende Regulierungen der Banken hilft sie durchzusetzen. Im Gegenteil, sie begreift nicht, dass die Finanzbranche (und Teile der Wirtschaft insgesamt) vor den ihnen innewohnenden irrationalen Exzessen geschützt werden müssen.
    Was bleibt ist ein demagogisches Geplapper über "mehr Eigenverantwortung", was nichts weiter heißt als Kürzung von Sozialleistungen, und der Ruf nach Steuersenkungen, die in der Konsequenz insbesondere Gemeinde- aber auch die Länderfinanzen aushöhlen.
    Das ist kein Liberalismus mehr. Das ist auch keine kluge Politik.
    Jede Regierung in D., in der diese jetzige FDP mitmischt, ist für D. von Übel!

    3 Leserempfehlungen
  1. Bestimmt nicht nur den Liberalen...

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  2. Schön, daß auch Sie das so sehen wie ich.
    Herr Schröder von der ehemaligen Arbeiterpartei liess sich kurz nach Lafont. Wahlsieg gerne zusammen mit Wirtschaftsgrößen im Designeranzug ablichten und mit kubanischer Zigarre in der Hand. Das machte er dann nur noch wenn die presse nicht dabei war. Er hat die Probleme geschaffen, sowohl in Deutschland als auch in Europa unter denen jetzt ganz Europa leidet.
    Er sah seine Aufgabe darin, das deutsche Lohnniveau an das internationale anzupassen. Dass Herr hartz ihm ein Geetz schrieb, daß die LÖhne ins bodenlose fallen liess und die Menschenrechte mit Füssen tritt, hat er vielleicht gar nicht gemerkt. Aber seit dem werden jährlich über 100 Milliarden €, die früher Arbeitslöhne waren, nun als Gewinn bei den Unternehmern ausgewiesen und dort ins Privatvermögen überführt. Mittlerweile zahlen deutsche Arbeitgeber, trotz unserer Produktivität, teilweise geringere Stundenlöhne als Griechen oder Spanier und nur, weil der Staat die Löhne aufstockt. (Sonst müßten die AN im Nidrigohnsektor verhungern oder im Feien schlafen)
    Die Liberlisierung des Finanzmarktes darf sich die SPD zusammen mit der CDU als "Fehler" verbuchen.
    Die Vermögenssteuer, die Gewerbekapitlsteuer, die Kapitalertragssteuer, die Erbschaftssteuer .. alles nicht durch die FDP "marktkonform neu reguliert" nur die bei der Umsatzsteuer mischte sie stolz mit.
    Fast möchte man Mitleid empfinden, weil sie so verarscht wurde von den Volksparteien und jetzt den Buhman spielen muß.

    Antwort auf "FDP-Bashing"
  3. das tut mir ja nun wirklich leid, dass sie "nur" eine Audi fahren könen und keinen - was war es gleich?

    Gute Fahrt weiter.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die größte Lüge...."
  4. ... die sogenannte Mövenpick-Steuer war eine Forderung der CSU, und zwar als Interessenvertretung der bayerischen Hoteliers. Diese haben nämlich wegen der österreichischen Konkurrenz gejammert (geringere Umsatzsteuer in Österreich)

    Die FDP hat sich diese "Errungenschaft" aber gerne auf die Fahne geschrieben, denn Kleintelpolitik... das ist das, was sie wirklich gut können.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Was das heißt?"
  5. ... wenn es kleine kinder tun; dann öffnen sich die herzen und alle sagen: Oh, wie niedlich!

    bei alten männer ist plappern eher ein zeichen von ...

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  6. .... die FDP lebendig? Der war gut. Lebendig ist die FDP im sich gegenseitig ein Bein zu stellen. Was diese Selbstverwirklichung einiger Weniger mit lebendiger Demokratie zu tun haben soll, müßten Sie erklären.

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  7. 80. Stimmt

    wie wäre die politische Landschaft doch öde, ohne die - unfreiwillig - komische FDP...

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