FDP-Spitzenkandidat: Aufregung um Sexismus-Vorwürfe gegen Brüderle
Eine Journalistin wirft dem Spitzenkandidaten der FDP vor, sich ihr in einer Bar unangemessen genähert zu haben. Liberale sprechen von einer Schmutzkampagne.
Wenn Journalisten Politiker treffen, sind nicht immer Kameras und Mikrofone dabei. Am Rand von Parteitagen, vor Klausurtagungen oder manchmal auch nur am Ende eines langen Arbeitstages im Bundestag: Man sitzt zusammen, in einem Restaurant, an der Hotelbar. Man redet. Man trinkt Wein. Die Atmosphäre ist entspannt. Politiker vertrauen in solchen Momenten darauf, dass das offen gesprochene Wort im Raum bleibt, später nirgendwo geschrieben oder gesendet wird. Journalisten, Männer und Frauen, schätzen solche Abende sehr: Man kann dort Einblicke gewinnen, im besten Fall Neues erfahren.
Nun berichtet eine 29-jährige Journalistin im Stern davon, wie sie sich an einem solchen Abend belästigt fühlte. Von Worten, von Gesten, von Blicken, die sie als unangemessen, ja sexistisch, empfunden hat. Andere Medien steigen ein, das politische Berlin diskutiert. Die Story trägt den Titel "Der Herrenwitz" und es geht darin um den 67-jährigen Fraktionschef der FDP, Rainer Brüderle. Der Mann ist Pfälzer, er trinkt gern einen Wein und seit er, das ist schon gut zehn Jahre her, in seiner Heimat unter anderem Weinbauminister war, erzählt man sich, der Brüderle habe jede Weinkönigin im Land schon geküsst. Wahrscheinlich war das auch so.
Nun ist Brüderle ein älterer Herr mit Charme. Oder vielleicht doch ein aufdringlicher alter Sack, der seine politische Macht genutzt hat, eine junge Frau unanständig zu bedrängen. Der Beschuldigte schweigt zu dem Bericht. Einige seiner Fraktionskollegen, Männer und Frauen, sprechen von "Sauerei" und "Tabubruch" und schmutzigem Journalismus. "Wer es nötig hat, so etwas als 'Story' zu verkaufen, hat sich von seinem Chefredakteur vor den schmutzigen Karren spannen lassen", sagte FDP-Präsidiumsmitglied Jörg-Uwe Hahn Spiegel Online.
Die Geschichte liegt schon ein Jahr zurück. Der Vorfall, schreibt die Autorin Laura Himmelreich, habe sich am Vorabend des "Dreikönigstreffens" im Stuttgarter Hotel "Maritim" an der Bar zugetragen: Brüderles Blick sei auf ihren Busen gewandert. "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen", soll er gesagt haben. Dann habe er nach ihrer Hand gegriffen und diese geküsst. Später, beim Abschied, sei Brüderle mit seinem Gesicht sehr nah an ihres gekommen, woraufhin sie einen Schritt zurückgewichen und ihre Hände vor ihren Körper gehalten habe.
Warum die Autorin die Story erst jetzt aufschreibt und nicht vor einem Jahr? "Weil es relevant ist, wenn das 'neue Gesicht' der FDP veraltete Klischees lebt", twittert sie zur Begründung. Brüderle ist seit Montag Spitzenkandidat seiner Partei.
Update: Die Stern-Autorin sagte am Donnerstag in einem Deutschlandfunk-Interview, der Tenor ihres Artikels sollte nie sein: Sie wurde von Rainer Brüderle belästigt und jetzt will sie ihn an den Pranger stellen. Sie finde es wichtig, dass die Debatte über den Umgang zwischen Politikern und jungen Journalistinnen geführt werde. Allerdings habe sie nie beabsichtigt, diese Debatte anzustoßen. Und mit den heftigen Reaktionen darauf habe sie nicht gerechnet.





Kurz nach der Ernennung Peer Steinbrücks zum SPD-Kanzlerkandidaten fällt auf, dass er (selbstverständlich, wie andere Spitzenpolitiker auch) Honorare für Vorträge genommen hat.
Na? Irgendwelche Parallelen?
Vielleicht, weil Sie ein Mann sind und Männer z.B. eher selten von Frauen auch körperlich belästigt werden, bis hin zur Vergewaltigung? Für Frauen haben Zudringlichkeiten von Männern nun einmal in der Regel ein ganz anderes Gewicht als für Männer.
Ich finde es merkwürdig, daß gerade diejenigen, die sexuelle Belästigung von Frauen verharmlosen, und dann gerne erzählen, daß sie als Mann sich doch niiiie sexuell belästigt fühlen würden, gleichzeitig immer gerne betonen, daß Mann und Frau eben doch von Natur aus verschieden seien. Was denn nun? Wenn letzteres gilt, wäre doch auch absolut normal, wenn für jedes Geschlecht eigene Maßstäbe in punkto Belästigung gelten, oder etwa nicht?
...dass gleich das Stichwort Vergewaltigung fallen würde.
Warum ich das ahnte? Weil es mir selbst so geht:
Auch ich bilde bei Begriffen wie "sexistische Anmache" unwillkürlich die Assoziationskette "sexistische Anmache" - "sexuelle Belästigung" - "Vergewaltigung".
Aber: Wir können uns doch hoffentlich darauf einigen, dass z.B. eine sexistische Anmache auch dann eine solche bleibt, wenn keine Vergewaltigung droht, oder?
> Für Frauen haben Zudringlichkeiten von Männern nun einmal in der
> Regel ein ganz anderes Gewicht als für Männer.
Das ist sicherlich richtig.
Aber was soll das jetzt heißen? Dass Frauen ruhig ein bisschen zudringlicher sein dürfen als Männer, weil man ja als Mangst keine so große Angst vor ihnen zu haben braucht? Oder dass umgekehrt jede männliche Zudringlichkeit schon als Ansatz zur sexuellen Nötigung zu betrachten ist? Ich hoffe sehr, dass Sie beides nicht meinten.
> Ich finde es merkwürdig, daß gerade diejenigen, die sexuelle
> Belästigung von Frauen verharmlosen, und dann gerne erzählen, daß > sie als Mann sich doch niiiie sexuell belästigt fühlen würden,
Weder habe ich (bewusst) sexuelle Belästigung (egal welchen Geschlechts) verharmlost, noch würde ich behaupten, dass ich mich nie niemals von einer Frau sexuell belästigt gefühlt habe.
Da Sie nun gerade auf meinen Kommentar geantwortet haben, möchte ich gerne noch einmal klarstellen, dass ich in meinem Beitrag oben eine ganz konkrete Situation geschildert habe, die ich eben nicht als sexistisch oder gar sexuelle Belästigung empfunden hatte.
Ich bitte Sie, darüber hinaus nichts hinein- oder dazuzulesen, was ich nicht geschrieben habe.
> gleichzeitig immer gerne betonen, daß Mann und Frau eben doch von
> Natur aus verschieden seien.
Also so rein anatomisch gesehen stelle ich da schon Unterschiede fest... okay, Spaß beiseite: Man kann sicherlich - wohl eher zivilisatorisch bedingte - Tendenzen feststellen.
Aber mehr auch nicht, meiner Meinung nach.
> Was denn nun? Wenn letzteres gilt,
> wäre doch auch absolut normal, wenn für jedes Geschlecht eigene
> Maßstäbe in punkto Belästigung gelten, oder etwa nicht?
Nein, selbst wenn das gelten würde, wäre Ihre Schlussfolgerung nicht unbedingt richtig, jedenfalls definitiv nicht zwingend. Da ich aber, siehe oben, diese Unterschiede nicht behaupte, brauche ich mich da insoweit ja auch nicht mit Ihnen darüber zu streiten.
...dass gleich das Stichwort Vergewaltigung fallen würde.
Warum ich das ahnte? Weil es mir selbst so geht:
Auch ich bilde bei Begriffen wie "sexistische Anmache" unwillkürlich die Assoziationskette "sexistische Anmache" - "sexuelle Belästigung" - "Vergewaltigung".
Aber: Wir können uns doch hoffentlich darauf einigen, dass z.B. eine sexistische Anmache auch dann eine solche bleibt, wenn keine Vergewaltigung droht, oder?
> Für Frauen haben Zudringlichkeiten von Männern nun einmal in der
> Regel ein ganz anderes Gewicht als für Männer.
Das ist sicherlich richtig.
Aber was soll das jetzt heißen? Dass Frauen ruhig ein bisschen zudringlicher sein dürfen als Männer, weil man ja als Mangst keine so große Angst vor ihnen zu haben braucht? Oder dass umgekehrt jede männliche Zudringlichkeit schon als Ansatz zur sexuellen Nötigung zu betrachten ist? Ich hoffe sehr, dass Sie beides nicht meinten.
> Ich finde es merkwürdig, daß gerade diejenigen, die sexuelle
> Belästigung von Frauen verharmlosen, und dann gerne erzählen, daß > sie als Mann sich doch niiiie sexuell belästigt fühlen würden,
Weder habe ich (bewusst) sexuelle Belästigung (egal welchen Geschlechts) verharmlost, noch würde ich behaupten, dass ich mich nie niemals von einer Frau sexuell belästigt gefühlt habe.
Da Sie nun gerade auf meinen Kommentar geantwortet haben, möchte ich gerne noch einmal klarstellen, dass ich in meinem Beitrag oben eine ganz konkrete Situation geschildert habe, die ich eben nicht als sexistisch oder gar sexuelle Belästigung empfunden hatte.
Ich bitte Sie, darüber hinaus nichts hinein- oder dazuzulesen, was ich nicht geschrieben habe.
> gleichzeitig immer gerne betonen, daß Mann und Frau eben doch von
> Natur aus verschieden seien.
Also so rein anatomisch gesehen stelle ich da schon Unterschiede fest... okay, Spaß beiseite: Man kann sicherlich - wohl eher zivilisatorisch bedingte - Tendenzen feststellen.
Aber mehr auch nicht, meiner Meinung nach.
> Was denn nun? Wenn letzteres gilt,
> wäre doch auch absolut normal, wenn für jedes Geschlecht eigene
> Maßstäbe in punkto Belästigung gelten, oder etwa nicht?
Nein, selbst wenn das gelten würde, wäre Ihre Schlussfolgerung nicht unbedingt richtig, jedenfalls definitiv nicht zwingend. Da ich aber, siehe oben, diese Unterschiede nicht behaupte, brauche ich mich da insoweit ja auch nicht mit Ihnen darüber zu streiten.
Mein Kommentar Nr. 117 war als Antwort auf "104. Achtung, satirische Verfremdung" gedacht.
"Oh, Sie möchten Herrn Brüderle zum Bruch des Sakraments der Ehe ermutigen? Meines Wissens ist der seit über 30 Jahren mit ein- und derselben Frau verheiratet."
Was geht uns das an? Ob er verheiratet ist, eine offene Beziehung führt, ein Ehebrecher ist, besondere Vorlieben hat - das ist alles seine Privatsache. Das interessiert vielleicht die Regenbogenpresse, aber zur Beurteilung seiner Arbeit als Politiker ist das schnurzpiepegal.
Was verstehen Sie eigentlich unter Qualitätsmedien? Kann es nicht sein, dass ein s.g. Parteifreund vom Weinkönig dafür gesorgt hat!
Gut den Spiegel vors Gesicht gehalten, touche :-)
Dass ausgerechnet der "stern", der alle zwei Wochen mit einer nackten Frau titelt, ausgerechnet kurz nach der Vorstellung Brüderles als Spitzenkandidat diese Vorwürfe erhebt, ist die übliche mediale Heuchelei.
Das rechtfertigt Brüderles Verhalten allerdings nicht. Aus welchen Motiven der "stern" diese Story jetzt veröffentlicht, ist vollkommen irrelevant für die Bewertung von Brüderles sexistischen Aussagen. Wenn einige darin gar keinen Sexismus erkennen wollen, eine Frau, die ein betont professionell gehaltenes Gespräch führen will, mit Blicken auf ihren Busen und diesen schleimigen "Komplimenten" zu belästigen, ist das deren persönliches Problem. Unter Frauen und den meisten Männern nennt man das Belästigung.
Aber bei FDP-Anhängern wird Brüderle dafür wahrscheinlich eher Anerkennung als Kritik ernten. In der Führungsspitze sowieso, die besteht ja nur aus Männern, und dass ein Wolfgang Kubicki für "die junge Journalistin" kein Verständnis aufbringt, kann niemanden überraschen.
In welcher Welt ist den das Aussprechen von Komplimenten und eine entsprechender Blick gleich Belästigung? Mit diesem Maßstab gemessen, müsste man fast alle Nachtschwärmer anzeigen. Ganz ehrlich, damit muss man einfach fertig werden!
Wenn sich mein Gegenüber in meiner Gegenwart unwohl fühlt, steht es ihm/ihr frei zu gehen.
Wie sonst findet man geeignete Partner.... ?
In welcher Welt ist den das Aussprechen von Komplimenten und eine entsprechender Blick gleich Belästigung? Mit diesem Maßstab gemessen, müsste man fast alle Nachtschwärmer anzeigen. Ganz ehrlich, damit muss man einfach fertig werden!
Wenn sich mein Gegenüber in meiner Gegenwart unwohl fühlt, steht es ihm/ihr frei zu gehen.
Wie sonst findet man geeignete Partner.... ?
wann Frauen "übertreiben", wann eine sexistische Anmache "banal" ist? Ich bin dafür, dass Frauen das selber tun und sich dabei auch nicht vor männlicher Kritik fürchten (nach dem Motto: die muss ja frustriert sein, ein grundsätzliches Problem mit Männern haben usw. usw.).
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung kann man tatsächlich geteilter Meinung sein. Es gibt aber neben der Erklärung "Kampagnenjournalismus" noch eine andere: vor einem Jahr krähte kein Hahn nach Brüderle, inzwischen ist das anders...
So funktionierten ja auch die Veröffentlichungen zu Steinbrücks Honoraren.
ist gut. Allerdings empfand ich das auch als Kampagne.
In der Sache Brüderle bleibt als fahler Beigeschmack, dass man möglicher Weise nie davon gehört hätte, wenn weiterhin kein Hahn nach Brüderle krähen würde. Es ist eben einfach nicht so, dass Sexismus nur relevant ist, wenn er von Spitzenkandidaten kommt.
Von Übertreibung kann ja hier keine Rede sein: ein untauglicher Anmachversuch wurde zurückgewiesen, und trotzdem macht er weiter- offensichtlich unfähig, in einer vollbusigen (???), jungen Frau eine Journalistin zu sehen. Deutlicher kann man nicht sexistisch sein.
Als Mann muss ich meinen aufheulenden Geschlechtsgenossen noch ins Stammbuch schreiben: solches Verhalten verdirbt doch das Spiel. Abblitzen gehört dazu, man sollte es mit Fassung tragen. Typen die das nicht kapieren, nehmen dem ganzen das Spielerische und Unverbindliche (!), das doch den Spaß ausmacht- nicht die Frauen tun das, bzw. müssen sie eben damit rechnen, dass der Kerl das mit dem Unverbindlichen nicht kapiert, wenn sie drauf eingehen.
Brüderle sollte sich entschuldigen. Er wird gerne als Provinzdepp dargestellt, aber in Sachen wirtschaftlicher Kompetenz können ihm nur wenige das Wasser reichen. Jammerschade, dass er sich hier tatsächlich als Provinzdepp aufgeführt hat.
ist gut. Allerdings empfand ich das auch als Kampagne.
In der Sache Brüderle bleibt als fahler Beigeschmack, dass man möglicher Weise nie davon gehört hätte, wenn weiterhin kein Hahn nach Brüderle krähen würde. Es ist eben einfach nicht so, dass Sexismus nur relevant ist, wenn er von Spitzenkandidaten kommt.
Von Übertreibung kann ja hier keine Rede sein: ein untauglicher Anmachversuch wurde zurückgewiesen, und trotzdem macht er weiter- offensichtlich unfähig, in einer vollbusigen (???), jungen Frau eine Journalistin zu sehen. Deutlicher kann man nicht sexistisch sein.
Als Mann muss ich meinen aufheulenden Geschlechtsgenossen noch ins Stammbuch schreiben: solches Verhalten verdirbt doch das Spiel. Abblitzen gehört dazu, man sollte es mit Fassung tragen. Typen die das nicht kapieren, nehmen dem ganzen das Spielerische und Unverbindliche (!), das doch den Spaß ausmacht- nicht die Frauen tun das, bzw. müssen sie eben damit rechnen, dass der Kerl das mit dem Unverbindlichen nicht kapiert, wenn sie drauf eingehen.
Brüderle sollte sich entschuldigen. Er wird gerne als Provinzdepp dargestellt, aber in Sachen wirtschaftlicher Kompetenz können ihm nur wenige das Wasser reichen. Jammerschade, dass er sich hier tatsächlich als Provinzdepp aufgeführt hat.