HauptstadtflughafenDokumente belegen Ramsauers fehlerhaftes Krisenmanagement

Auch Verkehrsminister Ramsauer trifft Schuld an dem Debakel um den Hauptstadtflughafen. Die Entlassung der Flughafenplaner sei ein Fehler gewesen.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gerät durch interne Protokolle aus seinem eigenen Ressort in der Affäre um den Berliner Hauptstadtflughafen unter Druck. So kritisiert die von Ramsauer selbst eingesetzte Sonderkommission BER das Krisenmanagement des Bundesverkehrsministeriums beim Flughafenbau. Die Protokolle liegen dem Nachrichtenmagazin Spiegel vor.

Vor allem der Rauswurf der Flughafenplaner nach der Verschiebung des Eröffnungstermins am 8. Mai 2012 sei ein Fehler gewesen, befinden Ramsauers Ermittler. Die Konsequenzen "seien weitreichender als zunächst angenommen", heißt es in einem Protokoll. Der Baubetrieb sei "noch nicht wieder richtig angelaufen". Ramsauers Mann im Aufsichtsrat, Staatssekretär Rainer Bomba, hatte dem Rauswurf der Planer im Aufsichtsrat zuvor zugestimmt.

Aus den Protokollen geht weiter hervor, dass Ramsauers Sonderkommission spätestens ab Sommer 2012 weniger darauf hinarbeitete, den maroden Flughafen zu retten, sondern vor allem belastendes Material für eine Ablösung von Flughafenchef Rainer Schwarz sammelte. "Die Soko kommt zu dem Schluss, dass der Aufsichtsrat über die tatsächlichen Vorgänge falsch bzw. nicht umfassend informiert worden ist", heißt es über die Rolle von Schwarz in dem Protokoll der Soko-Sitzung vom 12. Oktober.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages, Anton Hofreiter, kritisiert Ramsauers Krisenmanagement. "Aus einer Baustelle mit Terminproblemen wurde eine Bauruine", sagt der Grünen-Politiker.

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Platzeck räumt Fehler bei Terminplanung ein

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bedauert unterdessen die Festlegung auf eine Flughafen-Eröffnung im Oktober 2013. "Rückblickend war das ganz klar ein Fehler", sagte Platzeck dem Spiegel. "Der Aufsichtsrat hat vorher Firmen angehört, dazu die Techniker und die Bauleitung. Alle haben diesen Termin bestätigt." Allerdings sei der Termin nicht von der Politik vorgegeben worden.

Platzeck, der seit voriger Woche Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft ist, kritisierte auch die Umstände der jüngsten Terminverschiebung durch den Flughafen-Technikchef Horst Amann. Dessen Vorgehen habe "für große Unruhe gesorgt, auch bei mir. Die Tage Anfang Januar waren für alle ein emotionaler Sonderzustand, auch für Amann", sagte Platzeck. "Aber ich traue ihm zu, den Bau dieses Flughafens auf den Weg zu bringen."

Einen neuen Termin werde Platzeck nicht nennen. "Ich pflege Fehler nicht ein zweites Mal zu machen." Von ihm sei kein Datum zu hören, auch kein ungefähres. "Das wäre nicht seriös", sagte Platzeck.

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Leserkommentare
  1. ... MoPo schreibt dazu:

    "Ramsauer selbst hatte am Vortag einen stärkeren Einsatz des Bundes bei der Aufklärung angekündigt. "Ich will geprüft wissen, wer für welche Schlamperei haften muss", so Ramsauer im "Focus"."
    http://www.morgenpost.de/flughafen-berlin-brandenburg/article112911066/S...

    Gut. Damit wäre seine Frage ja beantwortet :-)

    9 Leserempfehlungen
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    Was bleibt einem in Berlin anderes übrig, als die Springer Presse zu lesen? Nichts hat sich offensichtlch verändert -seit meiner B-Zeit, lang ist her.
    (Und für alle "Dagebliebenen": Die schönste Zeit war die FHW-Zeit. Politische Ökonomie lässt grüßen.)

    Ich weiß, hat alles nichts mit dem Thema zu tun.

    Ramsauer hat mehr Fehler zu verantworten wie diesen unsäglichen Flughafen.
    Was soll man auch von einem Provinzpolitiker erwarten

  2. Was bleibt einem in Berlin anderes übrig, als die Springer Presse zu lesen? Nichts hat sich offensichtlch verändert -seit meiner B-Zeit, lang ist her.
    (Und für alle "Dagebliebenen": Die schönste Zeit war die FHW-Zeit. Politische Ökonomie lässt grüßen.)

    Ich weiß, hat alles nichts mit dem Thema zu tun.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Die Berliner ..."
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    >> Was bleibt einem in Berlin anderes übrig, als die Springer Presse zu lesen? <<

    ... einem doch bundesweit wenig anderes übrig, als die Presselandschaft ab und zu quer zu checken - wer schreibt was, wer schreibt was bei wem ab, und wer schreibt was *nicht*?

  3. wenn ausgerechnet der dem Aufsichtsrat beisitzende Verkehrsminister mit all dem nichts zu tun haben will.

    6 Leserempfehlungen
  4. [...] Platzi wollte eigentlich [...] Wowi verantwortlich machen, was aber nicht ging, weil sie in der gleichen Partei sind oder auch weil sie beide im Aufsichtsrat waren und er den Chef Posten wollte, so hätten sie beide den wirren CSU-Ramsi belasten wollen, was aber nicht ging, weil sie mit dem zusammen den BER-Karren gegen die Flughafenmauer geplant und gefahren haben, also wollte man sehen, ob man es nicht irgendwie [...] Wulffi hätte anhängen können, der konnte sich aber nicht erinnern, was ein Flugzeug ist und ob er damit schon mal in den Urlaub geflogen sei, also blieb nur [...] Steini, der hatte aber nen Maulkorb aus sozialdemokratischen Press-Stahl verpasst bekommen und gar nix dazu gesagt.

    Gegenwärtig sucht man eine blonde Stewardess von Air-Berlin, der man das Debakel anhängen könnte oder aber auch einen griechischen Installateur aus Kreuzberg.
    Am wahrscheinlichsten aber wird man die Schuld einem Koffer.in Berlin geben, der da noch so rumstand.

    Eines ist auf jeden Fall klar: Die Verantwortlichen haben gar keine Verantwortung - die heißen nur so! Und Planung ist nur das Auswechseln des Zufalls durch den Irrtum! Und eben nicht Planung.
    Also dann: Weitermachen wie bisher

    Gekürzt. Äußern Sie sich sachlich. Die Redaktion/mak

    17 Leserempfehlungen
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    • Voce
    • 20. Januar 2013 15:02 Uhr

    Entfernt. Fragen zur Moderation richten Sie bitte direkt an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jp

  5. >> Was bleibt einem in Berlin anderes übrig, als die Springer Presse zu lesen? <<

    ... einem doch bundesweit wenig anderes übrig, als die Presselandschaft ab und zu quer zu checken - wer schreibt was, wer schreibt was bei wem ab, und wer schreibt was *nicht*?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Frei Assoziiert"
  6. anhänger so ansich: sie können nicht unterscheiden zwischen bediensteten und essentiellen mitarbeitern. und deshalb das gleiche verfahren: bei mehrmals misslungenem essen der köching oder problemen in einem grossprojekt - einfach fueren oder kündigen; macht doch kleinen unterschied.
    konsequenz: herrschaften ticken es zumeist nicht, was wirklich abgeht und verlassen sich auf uralrezepte der macht!

    Eine Leserempfehlung
  7. käme kunst von wollen dann hiesse sie wunst...

    • kael
    • 20. Januar 2013 13:38 Uhr

    Wenn auf zwei (Wowereit, Platzek) eingeprügelt wird, freut sich der Dritte. Es war höchst Zeit, auch den Dritten an seine Mit-Verantwortung zu erinnern und ihn in die Prügelei einzubeziehen. Mit Ramsauer wird die Sache erst rund.

    8 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Matthias Platzeck | Peter Ramsauer | CSU | SPD | Anton Hofreiter | Aufsichtsrat
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