FDPRösler weist Spekulationen über Rücktritt zurück

Niedrige Umfragewerte und Kritik aus den eigenen Reihen – und das vor dem Dreikönigstreffen. Doch FDP-Chef Rösler beteuert, er habe nie über einen Rücktritt nachgedacht.

FDP-Parteichef Philipp Rösler hat vor dem Dreikönigstreffen seiner Partei Spekulationen um einen möglichen Rücktritt zurückgewiesen. In schwierigen Zeiten sei es wichtig, die Nerven zu behalten, sagte Rösler der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. In einer Partei gelte dies zuerst für den Vorsitzenden. Die FDP mache derzeit eine schwierige Phase durch. Genau dies sei für ihn der Grund gewesen, Verantwortung zu übernehmen, "und die Partei wieder zum Erfolg zu führen", sagte Rösler.

Über einen Rücktritt habe er trotz Kritik nie nachgedacht, sagte Rösler. Ob er im Mai erneut für den Bundesvorsitz kandidiert, ließ er offen. Der schleswig-holsteinische FDP-Politiker Wolfgang Kubicki sagte der Leipziger Volkszeitung, er halte die Existenz seiner Partei für gefährdet. Die FDP kämpfe sowohl bei der Landtagswahl in Niedersachsen als auch bei der Bundestagswahl ums parlamentarische Überleben. Die FDP liegt derzeit in den meisten Umfragen unter der Fünf-Prozent-Hürde.

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Die Liberalen kommen am Sonntag in Stuttgart zu ihrem traditionellen Dreikönigstreffen zusammen. Neben Rösler werden erstmals vier weitere Redner auftreten, darunter Rainer Brüderle und der baden-württembergische FDP-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel.

Wähler wollen Brüderle an der Spitze

Mehrere FDP-Politiker hatten zuletzt Zweifel erkennen lassen, ob Rösler als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl geeignet sei. Unter anderem hatte Niebel gesagt, der Parteichef müsse nicht zugleich Spitzenkandidat sein. Niebel forderte ein Führungsteam der Liberalen für die Bundestagswahl im September und bewertete eine Kampfkandidatur um den Parteivorsitz als Zeichen der innerparteilichen Demokratie.

Eine Forsa-Umfrage hatte ergeben, dass sich mehr als drei Viertel der Wähler Fraktionschef Brüderle als FDP-Parteichef wünschen. Mit Brüderle statt Rösler an der Spitze habe die FDP die Chance "auf zwei bis drei Prozentpunkte mehr" bei der Bundestagswahl, hatte Infratest-Geschäftsführer Reinhard Schlinkert der Leipziger Volkszeitung gesagt. Brüderle schließt Ambitionen auf den Parteivorsitz bisher aus.

Seit Rösler im Mai 2011 auf dem Parteitag in Rostock die Führung der Liberalen von Guido Westerwelle übernahm, misslingen seine Versuche, die FDP aus dem Umfragetief zu führen. Im Amt des Wirtschaftsministers machte er sich in der Bevölkerung unbeliebt, als er Staatshilfen für entlassene Mitarbeiterinnen von Schlecker und zur Bewältigung der Existenzkrise des Autobauers Opel ablehnte. Auch Äußerungen zu einem möglichen Euro-Austritt Griechenlands werden Rösler angelastet.

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Leserkommentare
  1. und nur ganz wenige werden ihr auch nur eine Träne nachweinen. Es wäre sicherlich ein Verlust, wenn es sich um eine Partei handeln würde, welche liberale Werte für die Mehrheit der Menschen verteidigen würde. Aber dieser Verein ist zu einem Lobbyclub der Schönen und Reichen verkommen und hat nur eines im Sinn - deren Pfründe zu sichern und zu mehren. Zu allem Übel kommt dann auch noch die wiederholt unglückliche Personalwahl. Wäre die FDP ein Produkt, wäre der Hersteller schon lange pleite oder hätte seine Fehlinvestition ganz schnell vom Markt genommen.

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    "Verein der Schönen und Reichen."

    Sind Westerwelle oder Brüderle vielleicht Schön?

  2. Wenn diese Aussage stimmt, dann zeigt sie das Problem sehr deutlich!

    Um so einen Posten verantwortungsvoll innezuhaben gehört dazu, dass man seine Grenzen kennt und setzt. Das schließt den Gedanken daran ein, wo eine Grenze ist, bei deren überschreiten ich Konsequenzen ziehen würde. Wer an eine solche Grenze noch nicht mal denkt, der zeigt, was im Fokus des eigenen Jobverständnisses steht: Machterhalt, komme was wolle.

    3 Leserempfehlungen
  3. ... Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen.
    Mit ihm als Vorsitzendem sind die Aussichten der FDP deutlich besser, bei den nächsten Wahlen die in meinem Sinne optimalen Ergebnisse einzufahren.

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    Genau, Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen - dies bedeutet bei einer Partei wie der FDP Durchhalteparolen und Realitätsverlust. Was sind Ihre optimalen Ziele? Sagen Sie mir bitte was Herr Rößler in seiner Amtszeit für Erfolge vorzuweisen hat. Herr Rößler und Herr Röttgen verantworten durch unüberlegte Aussagen im Februar 2012, welche mit der Partei nicht abgesprochen waren, den Verlust von über 50.ooo Arbeitsplätzen in der Photovoltaikbranche. Herr Röttgen wurde aussortiert, Herr Rößler klebt an seinem Amt wie der Rotz an der Backe und die eigene Partei duldet ihn mangels Alternative. Die FDP radiert sich selbst aus und dies ist auch gut so.

    dass das für Sie optimale Ergebnis unter 5% liegt und Sie genau dies Phillip Rösler zutrauen?

    Alles andere wäre ein Realitätsverlust, der dem der FDP-Riege angepasst ist.

  4. Das nennt man dann wohl Marktbereinigung! ;-)

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  5. Sehr geehrter Herr Dr. Rössler, Sie haben bezogen auf Ihr Amt so viel Schaden angerichtet, dass ich mir wünschen würde, dass die Meldung über Ihren Rücktritt keine Spekulation ist. Mangels Politikern mit Format innerhalb Ihrer eigenen Partei sind Sie noch geduldet. Bewahren Sie sich dieses kleine Stück Anstand und treten von alleine ab, gehen einer Tätigkeit nach, von der Sie mehr verstehen als von der derzeit Ausgeübten.

  6. Die spannende Frage ist doch viel weniger, ob Rössler schon an einen Rücktritt gedacht hat, sondern viel eher: Wer will sich jetzt noch an das Steuer dieses Kahns setzen, wenn der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei der Bundestagswahl absäuft?

    Kubicki und Lindner warten locker ab, dass sich jemand anders dort oben die Karriere absägt. Brüderle und die ganzen anderen Protagonisten locken nicht wirklich einen Hund hinter dem Ofen hervor, zumal ein neuer Kapitän alleine kaum das Ruder herumreissen wird.

    Meine Prognose: Die warten alle lieber ab. Wenn es die FDP doch schaffen sollte, dann kann man den Rosler immer noch in die Wüste schicken.

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  7. Sehr geehrte Redaktionsmitarbeiter,

    auch ein Herr Rösler kann keine Spekulationen zurückweisen. Bestenfalls kann er Stellung dazu nehmen, und den Klebstoff auf seinem Ministersessel erneuern. Ob ihm das hilft glaub ich auch nicht, denn es gibt ein ausgezeichnetes Lösungsmittel mit dem Namen - Rösler.

    P.S. Wer verantwortet bei Ihnen Überschriften, die nicht treffend, oder genauer formuliert schlechthin falsch sind?

    BB

  8. "...Doch FDP-Chef Rösler beteuert, er habe nie über einen Rücktritt nachgedacht...."

    Rösler vielleicht nicht...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Philipp Rösler | Rainer Brüderle | FDP | Dirk Niebel | Guido Westerwelle | Opel
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