BundestagswahlCDU-Kreisverband Ulm nominiert Schavan als Spitzenkandidatin

Annette Schavan kann auf die Unterstützung ihres Wahlkreises zählen: Mit großer Mehrheit hat die Ulmer CDU sie als Direktkandidatin für die Bundestagswahl gewählt.

Der CDU-Kreisverband Alb-Donau/Ulm hat Annette Schavan mit einem Rekordergebnis zur Direktkandidatin für die Bundestagswahl nominiert. 96 Prozent der Delegierten stimmten für die Bundesbildungsministerin, die derzeit wegen der Plagiatsaffäre in der Kritik steht.

Schavan zeigte sich bewegt und sichtlich erleichtert über das Ergebnis. "Ich danke sehr für das große Vertrauen und bin darüber ganz einfach glücklich", sagte sie nach ihrer Nominierung. Sie hatte zuvor in ihrer 30-minütigen Rede um das Vertrauen ihres Wahlkreises gebeten.

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Schavan bedankte sich für die "überwältigende Unterstützung" nach den Vorwürfen in den vergangenen Wochen und Monaten. "Bis hin zum heutigen Tag bewegt mich das menschlich ungemein", sagte Schavan. Kritikern entgegnete sie: "Ich lasse mich nicht jeden Tag von jedem provozieren, der meint, mich provozieren zu können. Ich habe nicht abgeschrieben und schon gar nicht getäuscht."

Schavans Parteifreunde zeigen Solidarität

In der Plagiatsaffäre setze sie auf ein faires Verfahren der Universität Düsseldorf. Dorthin habe sie zu ihrer Verteidigung bereits eine schriftliche Erklärung geschickt, sagte die 57-Jährige. Die Universität Düsseldorf hatte am Dienstag ein Verfahren zur Aberkennung von Schavans Doktortitel eingeleitet.

Viele Parteimitglieder sagten der Minister ihre Unterstützung zu. "Sie hat eine hervorragende Arbeit geleistet. Wir sind froh, dass wir sie als Abgeordnete haben", sagte die Landtagsabgeordnete und frühere Sozialministerin in Baden-Württemberg, Monika Stolz. Der große Zuspruch hänge aber auch mit der Plagiatsaffäre zusammen. "Ich glaube, die Mitglieder spüren, dass hier etwas abläuft, was nicht in Ordnung ist."

Ulms Finanzbürgermeister Gunter Czisch sagte, dass sich Schavan bisher integer für ihren Wahlkreis eingesetzt habe und er sich sicher sei, dass sie auch integer in ihrer Doktorarbeit gewesen sei. "Wir wünschen Dir weiterhin Standhaftigkeit und Kraft", sagte Czisch.

Nicht immer stand die Basis so geschlossen hinter ihr. Als sie 2005 zum ersten Mal als Bundestagskandidatin aufgestellt wurde, stimmten nur 50,8 Prozent der Delegierten in Ulm für sie. Später waren viele CDU-Mitglieder unzufrieden mit der Ministerin, weil sie sich angeblich zu wenig Zeit für ihren Wahlkreis nahm. Viele Parteimitglieder nahmen ihr zudem übel, dass sich gegen das dreigliedrige Schulsystem aussprach.

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Leserkommentare
  1. relativiert sich doch recht schnell im zweiten Artikel über diese "grandiose Nominierung"

    "Es hätte sicher einige gegeben, die gerne kandidiert hätten", sagt er. Parteiintern sei aber im Vorfeld massiv Einfluss genommen worden, genau das zu verhindern. "Es hat geheißen, wir müssen diesmal geschlossen hinter ihr stehen."

    http://www.zeit.de/politi...

    • Karst
    • 26. Januar 2013 11:30 Uhr

    Sie ist vom Diplom direkt zur Promotion übergegangen und hat daher nie einen Abschluss vorher gemacht. Das ist heute immernoch möglich.

    Zum Beispiel an der Uni Göttingen. Dies ist für Biologen möglich, wenn sie vorher im Masterstudium bestimmte akademische Leistungen erbracht haben. Die Masterarbeit wird dann übersprungen.

    Das geht sicherlich auch in vielen anderen Fachbereichen.
    An sich finde ich das nicht verwerflich. Peinlich wird es nur, wenn dann der Doktorhut flöten geht und man ohne irgendetwas dasteht.

    Heutzutage hätte man dann wenigstens noch einen Bachelorabschluss. Aber ein Vordiplom ist eben kein Abschluss.

    Antwort auf "Zwischenfrage"
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    • mumpes
    • 26. Januar 2013 11:45 Uhr

    Da setzt meine Idee von einem Kompromiss an: Bei Aberkennung des Doktortitels sollte man ihr einen formellen Studienabschluss anbieten. Schliesslich hat sie alle erforderlichen Scheine und die schriftliche Abschlussarbeit ist ja nicht die einzige Leistung des Doktoranden. Fände ich jedenfalls fair.

  2. 27. [...]

    Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit Anmerkungen zu Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jz

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "[...]"
    • mumpes
    • 26. Januar 2013 11:45 Uhr

    Da setzt meine Idee von einem Kompromiss an: Bei Aberkennung des Doktortitels sollte man ihr einen formellen Studienabschluss anbieten. Schliesslich hat sie alle erforderlichen Scheine und die schriftliche Abschlussarbeit ist ja nicht die einzige Leistung des Doktoranden. Fände ich jedenfalls fair.

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    Antwort auf "Antwort an DerDoktor"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die Sie vorschlagen, damit könnten die meisten Teilnehmer des Verfahrens ihr Gesicht wahren. Vielleicht liest die HHU ja hier mit ...

  3. die Sie vorschlagen, damit könnten die meisten Teilnehmer des Verfahrens ihr Gesicht wahren. Vielleicht liest die HHU ja hier mit ...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "fairer Kompromiss"
  4. Sie führt das Ministerium, das am wenigsten von sich reden macht. Weder großartig positive noch schlimm negative Dinge dringen nach außen. Ist es nicht ein gewisses Mittelmaß, dass da vorherrscht?

    Aber jetzt wird sie wieder Wahlkampf führen und alle sollten sich darüber klar sein, dass es hier weder um einen Schuldspruch noch um einen Freispruch gehen wird. Inhaltlich sollte klar werden, wofür die Direktkandidatin als potentielle Abgeordnete steht. Zur Ministerin kann sie im übrigen auch berufen werden, wenn sie kein Mandat errungen hat. Ob die CDU einen Misserfolg mit einem Ministeramt belohnt, bliebe allerdings abzuwarten. genau gesagt wäre das unwahrscheinlcih. Die setzen dann lieber auf neue Pferde.

    Rechnerisch wird es eher eine große Koalition geben. Dann werden ohnehin einige CDU-Leute ihre Ministerämter aufgeben müssen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Annette Schavan | CDU | Bundestagswahl | Doktorarbeit | Doktortitel | Minister
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