Plagiatsvorwurf : Schavan fürchtet um ihr Lebenswerk
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 Kein potenzieller Nachfolger in Sicht

Der CDU-Führung käme dieses – spekulative – Szenario gar nicht so unrecht. Allerdings sagte Schavans Sprecher jüngst, sie wolle wieder Ministerin werden. Die Opposition jedenfalls hält sich auffällig zurück mit Kritik an der Ministerin. Krista Sager, die Grünen-Sprecherin für Wissenschaftspolitik, sagte etwa, Schavan gelte für sie als unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen sei.

Sollten sich die Vorwürfe gegen Schavan in den kommenden Wochen erhärten, wird es allerdings eng für sie. Es ist Wahlkampf und die CDU kann es sich nicht erlauben, Persönlichkeiten an ihrer Spitze zu dulden, deren Integrität infrage gestellt wird. Da hilft es auch nicht, dass die Bildungsministerin als enge Vertraute Merkels gilt und die Kanzlerin Schavans Rat und Loyalität sehr schätzt. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, bliebe Annette Schavan ohne Doktortitel im Amt, so wäre dies "ein Bärendienst an der Wissenschaft".

Bislang hat Merkel der Bildungsministerin mehrfach öffentlich ihr Vertrauen zugesichert, sie tat dies auch am Mittwoch wieder. Es liegt nicht in Merkels Interesse, neun Monate vor der Bundestagswahl erneut ihr Regierungskabinett zu ändern. Es wäre die fünfte Kabinettsumbildung seit Beginn des schwarz-gelben Bündnisses 2009, noch dazu die zweite wegen einer plagiierten Doktorarbeit.

Hinzu kommt die Frage nach einem möglichen Nachfolger: Aus dem Landesverband Baden-Württemberg käme Thomas Strobl infrage, doch er ist bisher als Vorsitzender blass geblieben. Tanja Gönner, einst Hoffnungsträgerin der Baden-Württemberg-CDU, arbeitet inzwischen für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Und der Niedersachse David McAllister wurde gerade von einer Wahlniederlage kalt erwischt. Noch dazu hat er im Wahlkampf stets betont, nicht nach Berlin gehen zu wollen.

Doch in Berlin wissen alle: Im Zweifel kann Merkel schnell ihre Meinung ändern. Schavan jedenfalls ist in ihrer Partei auch nicht mehr so mächtig, wie sie es früher noch war. Im Dezember gab sie ihr Amt als stellvertretende CDU-Vorsitzende auf. Nach 14 Jahren im Amt trat sie nicht zur Wiederwahl an – was auch als Reaktion auf die Plagiatsaffäre gedeutet wurde. In den Bundestag will sich die Baden-Württembergerin sehr wohl wieder wählen lassen. An diesem Freitag will sie sich vom CDU Kreisverband Alb-Donau/Ulm als Kandidatin für ein Direktmandat aufstellen lassen.

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Kommentare

230 Kommentare Seite 1 von 25 Kommentieren

Quatsch

Es bricht mir das Herz, dass Frau Schavan nicht direkt zu den zwei netten Menschen hingegangen ist und nettes Gespräch über Gott und die Welt veranstaltet hat.

Sie glauben doch wohl nicht ernsthaft eine Ministerin lässt sich auf zwei Quatschköpfe ein, die mit aller Gewalt meinen ihre Ansichten der Welt aufzwingen zu müssen?

Zum Thema:

Egal wie das Verfahren ausgeht - ein Verlierer gibt es auf jeden Fall: Die Uni Düsseldorf.
Es ist mir ein Rätsel wie man den gesamten Prozess der Dissertationsuntersuchung so in den Sand setzen kann!

Jemand der

eine Doktorarbeit mit einer Arbeit eines Schülers gleich setzt der hat keinerlei ahnung von Wissenschaftlichem arbeiten.

Schon allein die Länge der Arbeit und ihr Fachlicher Anspruch.

Ausserdem geht es um die Aberkennung eines Wissenschaftlichen Titels da reicht es nicht wenn einer etwas korrigiert.

Bei keiner Prüfung übrigens selbst in der Schule gibt es bei Abschluss Prüfungen mindestens 2 Prüfer.

Habe bei Schavanplag reingeschaut

kann ich Ihnen übrigens auch anraten.

Ich bin zwar kein Experte und ebensowenig ist mir diese Frau auch nur einen Zentimeter sympathisch, aber auf den ersten Blick ein ganz anderes Kaliber als noch Kopie-Paste K.-T. zu Guttenberg. Hauptsächlich viele "unsaubere" Zitationen, aber nicht paragraphenweises Herauskopieren oder ähnlich eindeutige Indizien.

Meiner Meinung nach liegt der Fall nicht auf der Hand, die große Frage ist, ob es sich bei den Stellen um Schlamperei oder um Vorsatz handelt. Und das kann man womöglich nicht eindeutig juristisch klären, sondern ist zu einem gewissen Grad Interpretationssache.

Vielleicht gehörte ich bereits damals zu denen,

die sorgfältig mit den Quellen umgehen. Und so vielen mir etliche Schludrigkeiten im Zitierwesen bereits damals auf - von Adorno bis zu Gadamer und kleinere Geistesgrößen natürlich miteingerechnet. D. h.: Es handelt(e) sich um kein Wissenschaftsproblem einer spezifischen Uni, vielmehr um ein Zeitphänomen. Und deshalb plädiere ich dafür, diesen Sachverhalt bei der Beurteilung der Diss. von Frau Schavan zu berücksichtigen.

Lesen bildet ...

"Jede andere Person muss sich einem solchen Verfahren fügen, ohne zu intervenieren zu können."

Woher haben Sie das denn?

Und dass eine inzwischen berühmte Plagiatsseite sich n a c h intensiver Befassung mit Schavans Arbeit n i c h t in der Lage sah, von Plagiat zu sprechen, haben Sie auch nicht gelesen?

Die bislang 59 "Folger" auch nicht?

Aber: Das läßt sich ja noch nachholen. Lesen bildet ...