Nord-CDUSchleswig-Holsteins CDU-Vorsitzender de Jager gibt auf

Jost de Jager gibt den CDU-Landesvorsitz in Schleswig-Holstein ab. Er zieht die Konsequenz aus der verlorenen Landtagswahl im Mai und mangelndem Rückhalt in der Partei.

Der Landesvorsitzende der Nord-CDU, Jost de Jager, gibt auf. Er werde den Vorsitz am Donnerstag nach der nächsten Sitzung des erweiterten Landesvorstands niederlegen, kündigte de Jager an. Als Grund für seine überraschende Entscheidung verwies der 47-Jährige auf mangelnden Rückhalt aus seiner eigenen Partei in den vergangenen Monaten.

"Ein wirklich starkes Signal des Rückhalts und der Geschlossenheit ist ausgeblieben", sagte de Jager. Er habe deshalb über den Jahreswechsel nach Gesprächen mit seiner Familie die persönliche Entscheidung getroffen, sich ganz aus der Politik zurückzuziehen. "Ich werde eine persönliche Auszeit nehmen und habe danach vor, mich anderen beruflichen Aufgaben zu widmen." Er gehe ohne Groll. Die jetzige Situation nütze aber weder ihm noch der CDU.

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De Jager zieht damit die Konsequenzen aus einem schlechten Jahr für die Nord-CDU: Bei der Landtagswahl im Mai flog die Partei nach sieben Jahren aus der Regierung. Zudem verfehlte de Jager als CDU-Spitzenkandidat auch ein eigenes Abgeordnetenmandat, weil er nicht über die Landesliste seiner Partei einziehen konnte. Vor diesem Hintergrund hatte de Jager schon im Sommer überlegt, vom Landesvorsitz der Nord-CDU zurückzutreten.

De Jager wollte in den Bundestag, um politische Hausmacht zu behalten und die Partei nicht ohne jedes Parlamentsmandat und Regierungsamt zu führen. Auch die Direktkandidatur erreichte er nur äußerst knapp. Zudem schaffte er bei seiner Wiederwahl zum Landesvorsitzenden Ende November nur rund 80 Prozent der Stimmen. Das war nicht der Rückhalt aus den eigenen Reihen, den de Jager benötigte.

Zweite Wahl nach Christian von Boetticher

Als Landesvorsitzender war de Jager ohnehin nur zweite Wahl: 2011, weit weniger als ein Jahr vor der Landtagswahl, löste er als Spitzenkandidat und Landesvorsitzender Christian von Boetticher ab, der seinerzeit als Konsequenz aus einer Beziehung mit einer Minderjährigen seine Ämter aufgeben musste.

In Kiel ist nun Johannes Callsen als Vorsitzender der Landtagsfraktion – in dieser Funktion Nachfolger Boettichers – der wahrscheinliche Nachfolger. Möglicherweise wird die Landespartei bald aber stärker aus Berlin beeinflusst werden. In der Bundestagsfraktion sitzen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Innenministerium, Ole Schröder, dem Chef der CDU-Kommunalpolitiker im Norden, Ingbert Liebing, sowie dem früheren Landes- und Fraktionsvorsitzenden Johann Wadephul einflussreiche Christdemokraten aus Schleswig-Holstein.

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Leserkommentare
  1. durch seine Taktiererei, vor allem beim Herausboxen einer qualifizierten Kandidatin für ein Bundestagsdirektmandat einschließlich derjenigen, die ihm das ermöglichten, seiner Partei CDU in der Öffentlichkeit sehr geschadet. - Was sich dabei im Hinterstübchen noch abgespielt hat, darf man sich dazudenken. - Wenn jedoch ein Christian von Boetticher mit seiner Affaire bei der CDU in SH erste Wahl war, dann ist die zweite Wahl nicht unbedingt schlechter, läßt jedoch kein gutes Licht auf CDU-SH unter Peter-Harry Carstensen fallen. -

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte CDU | Christian von Boetticher | Innenministerium | Bundestag | Bundestagsfraktion | Johann Wadephul
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