CSU-Chef Horst Seehofer hat die FDP in der Führungskrise aufgefordert, ihre Selbstbeschäftigung zu beenden. "Wenn man pausenlos über Strategien und Personal redet, kann sich der Erfolg nicht einstellen", sagte Seehofer der Süddeutschen Zeitung. Die CSU sei eindeutig für die Fortsetzung der Koalition mit der FDP, aus seiner Partei schieße keiner gegen FDP-Chef Philipp Rösler.

Die FDP-Spitze müsse endlich zur Geschlossenheit finden, dann stünde die Partei auch besser da, sagte Seehofer. Das Potenzial der Liberalen liege deutlich über fünf Prozent. Er sagte aber auch, Parteien bräuchten "authentische Persönlichkeiten", die Inhalte verkörperten.

Die FDP hatte die Führungsdiskussion trotz aller parteiinternen Aufrufe auch bei ihrem Dreikönigstreffen nicht beenden können. Entwicklungsminister Dirk Niebel, der in den vergangenen Wochen mehrfach Kritik an Rösler geäußert hatte, beklagte in Stuttgart öffentlich das Erscheinungsbild der Partei. Zugleich forderte er offen ein neues Führungsteam für die Bundestagswahl. Rösler rief seine Kritiker unterdessen zur Ordnung.

CDU und SPD mischen sich in FDP-Debatte ein

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) riet seiner Partei, sich im Wahlkampf auf inhaltliche Fragen zu konzentrieren. "Ich unterstütze meine Partei, zum Beispiel im Wahlkampf an diesem Wochenende in Niedersachsen, aber an Personaldebatten beteilige ich mich nicht."

Auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Holger Zastrow forderte ein Ende der Personaldebatte. "Ich gehe davon aus, dass jetzt alle Führungsmitglieder mal zwei Wochen die Klappe halten", sagte er. Die niedersächsische FDP müsse jetzt die Möglichkeit haben "ihre Erfolge in der Koalition und ihre Ziele für liberale Politik" in den Vordergrund des Wahlkampfs zu stellen.

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach kritisierte den Umgang der FDP mit ihrem Vorsitzenden Rösler. "Es gilt auch für die FDP das alte Prinzip: Entweder muss man einen Parteivorsitzenden stützen. Oder man muss ihn stürzen", sagte Bosbach. "Der Umgang mit Philipp Rösler ist nicht fair." Die FDP könne die "Quälerei nicht bis zur Bundestagswahl fortsetzen".

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel betrachtet die FDP nach ihrem Dreikönigstreffen als überflüssig. "Die FDP von heute will die Menschen den Märkten ausliefern. Sie ist in Wahrheit illiberal und wird deshalb nicht mehr gebraucht, egal welche Person dort an der Spitze steht", sagte Gabriel.