Soziale Gerechtigkeit Ein bisschen nach links
SPD und CDU setzen beide im Bundestagswahlkampf auf das Thema soziale Gerechtigkeit. Bringen wird ihnen das nicht viel, analysiert Ludwig Greven.
© Andreas Rentz/Getty Images

Gegner der Rente mit 67 auf der Zuschauertribüne des Bundestages (Archivbild)
Werbeleuten und Zeitungsmachern ist es peinlich, wenn sie mit gleichen Slogans und Schlagzeilen wie die Konkurrenz auf Kundenfang gehen. Die Parteien sind da schamloser: Die CDU kündigte dieser Tage an, das Thema soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt ihres Bundestagswahlkampfs zu rücken, ebenso wie die Sozialdemokraten, die wenig überraschend gleichfalls auf ihr altes Kernthema setzen.
Beide Parteien sehen gute Gründe, das Thema nach vorne zu stellen. Die Euro-Krise ist in den Augen der Öffentlichkeit nach hinten gerückt, nachdem ein akuter Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung abgewendet zu sein scheint. Ohnehin hätten Union, SPD, FDP und Grüne mit einer Debatte über die besten Wege zur Rettung des Euro kaum gewinnen können: Erstens haben sie fast alle Maßnahmen gemeinsam beschlossen. Zweitens hat ihnen das bei vielen Bürgern den Ruf eingebracht, die Banken und Reichen gleichermaßen zu schonen, auf Kosten der Kleinen.
Allerdings rangiert aus Sicht der Wähler die Talkshow-Frage, ob es in Deutschland gerecht zugeht, keineswegs vorne. Vielmehr hat die Arbeitslosigkeit, seit Langem Topthema der Bürger in allen Umfragen, die Angst um den Euro wieder auf Platz zwei verdrängt. Dahinter kommen die Sorgen um die Wirtschaftsentwicklung. Erst auf Platz vier folgt mit deutlichem Abstand die Frage, welche Partei am meisten gegen das soziale Gefälle tut.
Zudem ist die Kompetenzzuweisung eindeutig: Lag die Union im Wahlkampf 2009 in der Einschätzung der Bürger bei Sozialthemen zeitweise sogar vor der SPD, als Folge der rot-grünen Sozialreformen und der ebenfalls unpopulären Rentenbeschlüsse der Großen Koalition, die eher ihr zugerechnet wurden, haben die Sozialdemokraten auf diesem Feld nun wieder einen großen Vorsprung.
Nicht wahlentscheidend
Die Strategie von Parteichef Sigmar Gabriel scheint also aufzugehen: Indem er die SPD wieder nach links gerückt hat, unter anderem mit einem parteiintern umstrittenen Abwenden von der Rente mit 67, hat er ihr ihren Markenkern zurückerobert. Allerdings haben viele ihrer früheren Anhänger die sozialen Einschnitte unter Rot-Grün und Schwarz-Rot nicht verziehen: Die SPD krebst in Umfragen immer noch unter 30 Prozent herum. Ehemalige Stammwähler bleiben auf Distanz, auch wenn die Linkspartei nicht mehr in so starkem Maße von der Ablehnung der von Gerhard Schröder betriebenen Reformen profitiert.
Hinzu kommt: Mit dem Thema soziale Gerechtigkeit hat die SPD noch nie eine Wahl gewonnen, sagt der Wahlforscher Manfred Güllner, Chef des Forsa-Instituts. "Für die Menschen steht heute im Vordergrund, ihren eigenen Anteil am Kuchen zu behaupten. Ob es anderen besser oder schlechter geht, interessiert sie immer weniger."
- Datum 31.01.2013 - 11:57 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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würde ich auf unsere Freunde jenseits des Atlantiks, die USA verweisen. Deren soziales Netz ist bekanntermaßen sehr viel schwächer ausgeprägt als das Unsrige. Dennoch ist deren Staatsverschuldung - gemessen an der Wirtschaftsleistung - momentan deutlich höher und steigt auch schneller.
Gegen den "Sozialstaat" zu polemisieren mag ja für manche Leute ein legitimes Ziel darstellen, nur war es doch genau jener Sozialstaat der einst half, die Bundesrepublik als Demokratie zu etablieren - in einer Zeit, wo das Bewusstsein in vielen Köpfen noch von der Diktatur geprägt war. Wobei, dort wo es den Menschen an Perspektiven mangelt, ist die braune Ideologie heute wieder auf dem Vormarsch.
Heute stellt sich ganz direkt die Frage, warum denn eines der wohlhabendsten Länder auf diesem Globus nicht in der Lage ist, genügend Beschäftigung zu generieren, die allen Bürgern dieser Republik auch ein Auskommen sichert.
Stehen wir heute nicht an einem Punkt, wo die bedingungslose Expansion des Niedriglohnsektors sich für die Gesellschaft als Ganzes als kostspielige Fehleinschätzung erweist?
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