Bundestagswahlkampf: Steinbrück wäre mit Kanzlergehalt zufrieden
Vom Gehalt eines Regierungschefs könne man "natürlich gut leben", sagt der SPD-Spitzenkandidat. Grünen-Politiker und die Linke-Chefin Kipping distanzieren sich von ihm.
©Kai Pfaffenbach/dpa

Peer Steinbrück präsentiert sich als Kanzlerkandidat beim SPD-Parteitag in Hannover am 9. Dezember 2012.
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seine Kritik an den – seiner Meinung nach zu niedrigen – Bezügen eines deutschen Regierungschefs verteidigt. "Ich habe mitnichten gefordert, das Kanzlergehalt zu erhöhen", sagte er dem Tagesspiegel. Er habe lediglich die Meinung vertreten, dass Kanzler im Vergleich zu Führungskräften in der Wirtschaft eher gering bezahlt seien. Das hätten er und auch andere schon viele Male zuvor gesagt: "Diese Wahrheit werde ich nicht verschweigen, auch nicht als Kanzlerkandidat."
Steinbrück räumte ein, dass seine Äußerung bei Geringverdienern missverstanden werden könnte: "Natürlich kann man davon gut leben." Dies gelte vor allem aus der Perspektive einer alleinerziehenden Frau mit 1.000 Euro monatlich. Er widersprach aber dem Eindruck, er selbst sei unzufrieden mit dem Einkommen für die Position des Kanzlers: "Das ist wirklich Unfug." Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Emden hatte Steinbrück einen kritischen Zwischenruf zu diesem Thema nicht aufgegriffen.
Steinbrück, der wegen hoher Vortragshonorare in der Kritik steht, sagte jüngst in einem Interview, deutsche Regierungschefs bekämen – gemessen an ihrer Leistung – zu wenig Geld. "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin." Angela Merkel erhält derzeit etwa 220.000 Euro pro Jahr; da sie außerdem noch als Abgeordnete des Bundestags bezahlt wird, kommt sie auf ein Einkommen von knapp 300.000 Euro.
Erste Maßnahme soll ein Mindestlohn sein
Eine Gehaltserhöhung für ganz andere Lohngruppen strebt Peer Steinbrück im Falle eines Sieges bei der Bundestagswahl an: "Wenn wir die Wahl gewinnen, dann wird die Einführung des flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohnes zu den ersten Maßnahmen unseres 100-Tage-Programms gehören", sagte er dem Tagesspiegel. Der Mindestlohn werde vor allem Menschen im Osten helfen, die derzeit weit unter 8,50 Euro verdienten. "Diese grotesken Verhältnisse müssen ein Ende haben." Es gebe in vielen Nachbarländern Mindestlöhne, doch zum Weltuntergang sei es dort nicht gekommen.
Linken-Chefin Katja Kipping legte Steinbrück den Rückzug nahe und sprach sich für einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten von SPD, Grünen und Linken aus. Er oder sie solle aber nicht von den Parteien, sondern von den Bürgern bestimmt werden. "Ich kann dem Gedanken viel abgewinnen, dass die Kanzlerkandidatur des Mitte-Links-Spektrums künftig nach dem Vorbild anderer Länder in Vorwahlen bestimmt wird, die offen für alle Bürgerinnen und Bürger sind", sagte Kipping den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Dafür sei es noch nicht zu spät: "Steinbrück wäre gut beraten, den Weg für einen Neuanfang freizumachen."
Auch Grünen-Politiker lassen deutliche Distanz zu Steinbrück erkennen. Bei der Bundestagswahl werde es "definitiv nicht um die bessere Bezahlung von Politikern gehen", sagte Sylvia Löhrmann, die Bildungsministerin von Nordrhein-Westfalen, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Die Grünen agierten unabhängig von der SPD, sagte Löhrmann: "Ich war nie eine Freundin von rot-grünen Projekten."
Der grüne Spitzenkandidat in Niedersachsen, Stefan Wenzel, griff den SPD-Kanzlerkandidaten frontal an: "Offenbar hat Peer Steinbrück die Bedeutung des Wortes Minister missverstanden. Es kommt von dienen, nicht von verdienen." Abgeordnete sollten Vorträge kostenlos halten oder ihr Honorar spenden, "anstatt damit ein Geschäftsmodell aufzubauen wie Herr Steinbrück", sagte Wenzel laut einem Bericht von Spiegel Online.
Bewerbung beim Sparkassenverband
Steinbrücks viel zitierter Vergleich der Gehälter von Kanzlern und Sparkassendirektoren hat offenbar einen persönlichen Hintergrund: Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung(FAS) zufolge wollte er vor 14 Jahren die Branche wechseln – in Richtung Sparkasse. Steinbrück habe sich im August 1998 informell darum beworben, die Nachfolge des Präsidenten des schleswig-holsteinischen Sparkassen- und Giroverbandes anzutreten, berichtet das Blatt. Der Posten sei damals mit 400.000 Mark dotiert gewesen.
Steinbrücks Kandidatur sei jedoch von seiner eigenen Partei hintertrieben worden, behauptet die FAS. Ministerpräsidentin Heide Simonis habe den Flensburger Oberbürgermeister Olaf Cord Dielewicz (SPD) unterstützt, der von der Verbandsversammlung mit Zweidrittelmehrheit gewählt wurde. Steinbrück war damals Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, hatte sich aber mit der Ministerpräsidentin entzweit.








Zitat
Was aber wirklich traurig ist: Offenbar hat keiner, weder die Linke, noch die Grünen, noch die Wähler ein Interesse daran, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Also hat der Wähler es nicht besser verdient!
Hätten sie das nicht geschrieben wäre es tatsächlich ein guter Kommentar gewesen der sich von den meisten anderen angenehm abhebt.
So kann man ihren Kommentar leider auch nur als polemische Aussage werten, den genau das was sie den anderen vorwerfen machen sie hier. Oder glauben sie echt, diese Aussage hätte etwas mit Inhalten zu tun?? Schade.
nämlich dies auf die so ungeliebte Agenda zu setzen, das Thema
Soziale Gerechtigkeit, denn es ist doch so, dass diese Form der ungerechten Bezahlung z.B. auch auf z.B. Kita-Erzieher/in im Vergleich zu verbeamteten Pädagogen zutrifft.
Oder etwa nicht.
Es passt auch zum Thema Zeit- und Leiharbeit im Vergleich zu Festangestellten in vielen Firmen, die zudem noch häufig zusätzlich bessere Vergütungen wie z.B. Betriebsrente bekommen.
Es passt aber auch zu menschen deren Einkommen zu gering ist und deshalb in ein Friseurladen gehen, wo der Haarschnitt für 4,95€ zu haben ist ect. pp
Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au
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Siehe 107
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das war ein Zusatz zu meinem Kommentar und nicht zum Artikel;
denn ein Haarschnitt zum Preis von 4,95€ ist doch mal gerade 5 € ct billiger als ein Schwarzschnitt, der dem Staat zwar keine direkten Steuern und Beschäftigte bringt,
doch ist es doch eine makabere Ersparnis, ungefähr so, wie die Wahlgeschenke die von der CDU im jetzigen Wahlkampf gemacht werden nur auf Geringverdienerlevel,
also einfach nur Nepper,Schnepper,Stimmenfänger!!!!!!!!!
Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls
das war ein Zusatz zu meinem Kommentar und nicht zum Artikel;
denn ein Haarschnitt zum Preis von 4,95€ ist doch mal gerade 5 € ct billiger als ein Schwarzschnitt, der dem Staat zwar keine direkten Steuern und Beschäftigte bringt,
doch ist es doch eine makabere Ersparnis, ungefähr so, wie die Wahlgeschenke die von der CDU im jetzigen Wahlkampf gemacht werden nur auf Geringverdienerlevel,
also einfach nur Nepper,Schnepper,Stimmenfänger!!!!!!!!!
Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls
Ich fürchte, Sie haben die Intention des Kommentars nicht verstanden. Herr Steinbrück macht es ja gerade nicht des Geldes wegen.
Hallo, das nenne ich mal eine gute Quellenangabe. Selten so einen klar formulierten und vor allem auch richtigen Artikel gelesen.
Trifft eigentlich ziemlich genau meine Analyse zum deutschen Wähler und wie einfach die Union diesen manipulieren kann.
Das sollten mal mehr Leute lesen. Vielleicht hätten sie dann eine andere Meinung über die ganzen komisch kritischen Steinbrückartikel.
Sorry, wenn ich sie als Witzbold bezeichne, aber Steinbrück war noch nicht einmal in Schröders Regierungsmannschaft und zumindest so viel sollte man wissen, wenn man sich an einer politischen Diskussion beteiligt.
Übrigens, wenn sie mal wissen wollen wem Hartz IV zu lasch war dann lesen sie das:
http://www.spiegel.de/pol...
Ach ja, der damalige Finanzminister hieß übrigens Hans Eichel. Steinbrück war zu dieser Zeit Ministerpräsident von NRW.
.
Ich vertat mich um eine halbe Ewigkeit/Legislaturperiode.
Ich vermute ihr Link zu Spiegel-online bezieht sich auf Struck und ich verweise gleichzeitig auf die Einstellung der gesamten Führungsgilde und damit des Seeheimerkreises der SPD.
Das Hartz I-IV-Gesetz und die Änderung des SGB II fielen ursprünglich weniger restriktiv, menschenverachtend und verelendender aus.
Das war der Führungsgilde der SPD ein Dorn im Auge und wurde entsprechend korrigiert.
Das war und ist die Einstellung dieser Herrschaften, inkl. Struck und Steinbrück!
Auch Kurt Becks verächtliche Bemerkung zu diesem Thema sollte noch geläufig sein.
Nochmals; vielen Dank für die kaum als herablassend zu empfindende Korrektur meiner Unzulänglichkeit.
.
Ich vertat mich um eine halbe Ewigkeit/Legislaturperiode.
Ich vermute ihr Link zu Spiegel-online bezieht sich auf Struck und ich verweise gleichzeitig auf die Einstellung der gesamten Führungsgilde und damit des Seeheimerkreises der SPD.
Das Hartz I-IV-Gesetz und die Änderung des SGB II fielen ursprünglich weniger restriktiv, menschenverachtend und verelendender aus.
Das war der Führungsgilde der SPD ein Dorn im Auge und wurde entsprechend korrigiert.
Das war und ist die Einstellung dieser Herrschaften, inkl. Struck und Steinbrück!
Auch Kurt Becks verächtliche Bemerkung zu diesem Thema sollte noch geläufig sein.
Nochmals; vielen Dank für die kaum als herablassend zu empfindende Korrektur meiner Unzulänglichkeit.
<<< ... Genau diese zwischenmenschliche Kalkuliertheit und Kälte gegenüber jedem SPDler nach Schröder, die da zutage tritt, ist das was sie an Steinbrück kritisieren. Ein klares Beispiel von Doppelmoral. <<<
Auch Schröder hat "soziale Gerechtigkeit" versprochen. Selbst noch beim Agenda2010-Wahlkampf 2002.
Bis vor rund einem Jahr hat Steinbrück auch noch genauso gesprochen wie Schröder (nach den jeweiligen Wahlen), hat sich gegen höhere Belastungen für Spitzenverdiener ausgesprochen, gegen einen Mindestlohn, gegen höhere Sozialausgaben, überhaupt gegen alles was die schrödersche Politik des kapitaldienenden Neoliberalismus infrage gestellt hätte.
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