Niedersachsen Das große Zittern der kleinen Parteien

Für Piraten und Linke ist die Wahl in Niedersachsen existenziell. Die Linke setzt auf den Promi-Faktor von Sahra Wagenknecht, die Piraten verspielen Chancen.

Sahra Wagenknecht

Sahra Wagenknecht

Die letzte Hoffnung der Linkspartei in Niedersachsen ruht auf einem Promi-Import aus Berlin. Eilig steigt steigt Sahra Wagenknecht an diesem Abend auf die Bühne des kleinen Veranstaltungssaals Faust in Hannover. "Es tut mir leid, ich bin gerade erst aus Salzgitter angekommen, deshalb habe ich die bisherigen Reden gar nicht mitbekommen", sagt sie: "Aber in diesem Land wird ja so viel gelogen, dass es auch nicht schadet, ein paar Wahrheiten mehrmals zu sagen!" Gejohle im Publikum.

Wagenknecht ist viel beschäftigt in diesen Tagen. Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion tourt durch Niedersachsen, um die Linken vor der Landtagswahl an diesem Sonntag noch über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven. Ihr Gesicht prangt neuerdings landesweit auf den Wahlplakaten der Partei. Wenn es zu Verhandlungen über eine Regierungsbeteiligung kommen sollte, wird sie diese führen.

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Dass die sehr gute Rednerin und kommunistische Großdenkerin Wagenknecht, die eigentlich aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen stammt und im Saarland lebt, sich hier engagiert, zeigt, wie wichtig diese Wahl für die Bundespartei ist. Auch für eine andere kleinere Partei wird es am Sonntag sehr eng werden. Die Piraten liegen ebenfalls seit Monaten in Umfragen bei fünf Prozent oder weniger.

Die Linke droht wieder zur Ost-Partei zu werden

Für beide Gruppierungen wäre ein Scheitern fatal. Die Linke droht ihre schon sicher geglaubte Machtbasis in Westdeutschland zu verlieren. In Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein flog sie 2012 aus den Landtagen. Sollte ihr in Niedersachsen am Sonntag das gleiche passieren, säße sie dann nur noch in vier von elf westdeutschen Parlamenten: in Bremen, in Hamburg, im Saarland und in Hessen. Die Stadtstaaten sind Sonderfälle, weil hier mehr sozial Schlechtergestellte wohnen als in den Flächenländern und damit auch mehr Linke-Wähler. Und im Saarland sammelt der Ober-Linke und Exministerpräsident Oskar Lafontaine die Stimmen quasi im Alleingang ein. Sollte Niedersachsen verloren gehen, dürfte die Linke gefährlich in Richtung ihres einstigen Ost-Parteistatus zurückschrumpfen.

Bei den Piraten ist es genau andersherum: Ihr Aufwärtstrend könnte am Sonntag jäh enden. Bei jeder der vergangenen vier Landtagswahlen sind sie furios ins Parlament eingezogen, mit Ergebnissen zwischen 7,4 und 8,9 Prozent. Sie haben sich an das Siegen gewöhnt, nun droht die erste Niederlage. Für die junge Partei, die sich auch in erfolgreichen Zeiten schon leidenschaftlich streiten kann, ist dies eine echte Gefahr.

Denn bisher hat ihnen ein großes Versprechen gereicht, um die Landtage zu erobern: Sie wollten Politik menschlicher gestalten, basisdemokratischer. Doch damit ist es jetzt vorbei. Auch weil ständige Streitereien, Rücktritte und kleinere Skandälchen die einstige Vision fraglich machen. In Niedersachsen könnte es erstmals so sein, dass potenzielle Anhänger sich abwenden.

Der Piraten-Kandidat macht nichts aus seinen Vorteilen

Als Bundesvorstandsmitglied Julia Schramm im September mit ihrer Buchveröffentlichung für viel Wirbel sorgte, war es deshalb nicht zufällig der niedersächsische Landesverband, der sie in einem offenen Brief zum Rücktritt aufforderte. Auch bundesweit sind die Piraten in den Umfragen von zwischenzeitlich zehn auf drei Prozent abgesackt. Wenn sie in Niedersachsen verlieren, droht ihnen ein negativer Trend vor der Bundestagswahl im Herbst.

Deshalb kommt es jetzt zum ersten Mal wirklich auf Personen, auf die Wahlkämpfer an. Vor allem auf Meinhart Ramaswamy. Ein Vormittag im Januar, der Spitzenkandidat der niedersächsischen Piraten – dunkler Vollbart, schwarze Baskenmütze, oranger Pulli, Jeans – sitzt in der Aula einer Waldorfschule am Stadtrand von Hannover. Sieben Jahre hat er hier gearbeitet, heute soll er auf dem Podium über Bildungspolitik reden. Viel mehr Heimspiel geht eigentlich nicht im Wahlkampf. Doch Ramaswamy macht fast nichts aus seinem Startvorteil. Seine Sätze werden zu Bandwürmern, er redet viel zu abstrakt für das Schülerpublikum. Das Bildungssystem sei ungerecht und dürfe nicht ausschließlich auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet sein, sagt er. Nichts, was die anderen Oppositionsparteien nicht auch sagen.

Nach einer Stunde hatte Ramaswamy drei Mal das Wort. Wie seine Partei das Internet für mehr Demokratie nutzen will, wie sie für moderne, digitale Beteiligungsformen kämpft und wie offen sie ist für alternative Lebensmodelle, all das hat er den Waldorfschülern nicht näher gebracht.

Leser-Kommentare
  1. Ist es schon wieder soweit? Haben sie eigentlich irgendwas von der Geschichte der letzten 100 Jahre mitbekommen? Ihre Kommentare sind, ob absichtlich oder nicht, wohl eines der besten Argumente gegen Demokratie...
    Und jetzt gehe ich mich erstmal übergeben...

    2 Leser-Empfehlungen
  2. >> Sie scheinen dem Irrtum zu unterliegen, dass solche Manipulationsversuche nicht auffallen würden. <<

    ... fallen ja meist nicht auf. Kleines Beispiel?

    Am 13.1. schrieb ZEIT-Online unter Berufung auf einen Bericht der Bild am Sonntag, dass es keine Anklage gegen Wulff geben werde. Einen Tag darauf wurde hinterhergeschoben, dass Merkel und Wulff (eigentlich) ganz dicke miteinander sind.

    Am selben Tag, dem 14.1., veröffentlichte die Staatsanwaltschaft Hannover folgende Pressemeldung:

    "Die jüngsten Presseveröffentlichungen geben Anlass zu folgender Erklärung:

    Der Staatsanwaltschaft Hannover liegt kein Ermittlungsbericht des Landeskriminalamtes Niedersachsen vor, in dem eine Einstellung des Verfahrens gegen Christian Wulff und David Groenewold angeregt wird. [...]"
    http://www.staatsanwaltsc...

    Diese Information vom 14.1. wurde dann nicht mehr veröffentlicht, im Gegenteil:
    Im "Merkel hält Kontakt zu Wulff"-Artikel vom 14.1. wurde immer noch - diesmal unter Berufung auf den eigenen Artikel vom Vortag - behauptet, dass "die Staatsanwaltschaft ... auf eine Anklage wohl verzichten" wird.

    Ein Schelm, der Böses dabei denkt?
    Ach was - ein Trottel, der sich nichts Böses dabei denkt.

    Aber um sich was Böses dabei zu denken, müsste man den Sachverhalt erst einmal kennen.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "tendenziös"
  3. Deshalb bleibt trotzdem, dass Sie wenig gutes an Der Linken lassen und nicht einmal davon berichtet haben, dass diese Partei auf einem gutem Weg mit einem noch besseren Programm ist.
    Vom der Entwicklung dieser Partei ist gar nichts zu lesen, immer nur wenn es Streitigkeiten gibt.

    Klein ist Sie des weiteren auch nicht, sie hat doppelt (teilweise sogar mehr) so viel Zuspruch wie die FDP, über die in der Zeit fast jeden Tag geschrieben wird.

    Wie kommt es zu dieser einseitigen Darstellung?

    Und die Fehldarstellung von Wagenknecht bleibt. Wie ein anderer Kommentator schon sagte, hat sie sich schon oft als nicht Kommunistin dargestellt und geäußert.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Schlecht recherchiert "
  4. ach so "linken" kollegen
    mit in die Wahlkabine?

    Schöner Schmarrn, den Sie dort ablassen.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "werde ich auch wählen"
  5. Und nicht einmal ist die Buchstabenfolge FDP zu finden.

    Dabei füllt jene kleine Partei seit Wochen, gefühlt täglich die Seiten mit Berichten über schafft sie es oder nicht und was wird aus Rösler, Brüderle und dem ganzen Rest der kleinen Partei FDP.

    Schon erstaunlich.

    Übrigens, das "große Zittern" korrespondiert mit hoher Wahlbeteiligung.

    Wer den "kleinen Parteien" aus dem großen Zittern einen noch größeren Frust bereiten will, der gehe unbedingt wählen. Das sorgt durchaus für Veränderung und kann Wellen schlagen.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. die grünen sind doch schon so oft aus landtagen geflogen und wieder reingekommen, im osten haben sie lange zeit kein bein auf den boden bekommen, sprach man da von existenziell ?
    selbst wenn die linke in niedersachsen rausfliegt, bleibt sie doch ne gesamtdeustche partei. es werden auch wieder bessere zeiten kommen, nämlich dann wenn vorurteile endlich der vergangenheit angehören, mit denen man verscuht die linke zu diffamieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wahlschlappe erlitten haben,hat die gesamte Medienlandschaft in D das Totenglöckchen geläutet. Teils hämisch,teils leicht bedauernd

    Aber die Themen,die die Grünen auf die politische Agenda brachten und bringen,gingen eben nicht einfach weg oder wurden von anderen Parteien zielorientiert angepackt/gelöst.

    Deshalb und weil die Grünen als Partei aus den Wahlniederlagen gelernt haben und intern Dinge veränderten, konnten sie immer wieder neu bei Wahlen überzeugen und sich jetzt relativ stabil etablieren.

    Aus diesem Grunde ist der Vergleich mit zB. den Piraten auch irreführend.Das Kernthema der PP(Inet und alle Rechte und Pflichten, die damit zusammen hängen) ist ein wichtiges, unbestritten, aber zum einen wird es auch von anderen Parteien durchaus ernsthaft wahrgenommen und bearbeitet und zum anderen ist es in seiner gesellschaftlichen Relevanz und Brisanz nicht annährend so wichtig wie die Kernthemen der Grünen - Klima, Ökologie, Nachhaltigkeit, Emanzipation in veränderten Gesellschaften...
    Dazu kommt, dass man bei der PP nichts sehen kann von internen Verbesserungen zB der Organisationsstruktur und der Medienkompetenz.Man weiß leztendlich nicht einmal im Ansatz, was man bekommen würde, wenn man die PP wählen würde. Das reine Protsetwählen oder die PP als Projektionsfläache zu wählen reicht eben nicht über längere Zeit aus. Dazu das konfuse Bild, welches die PP der Öffentlichkeit bietet und das permantente Mitsichselberbeschäftigen.
    Das ist vielen Menschen zum Wählen zu wenig

    Wahlschlappe erlitten haben,hat die gesamte Medienlandschaft in D das Totenglöckchen geläutet. Teils hämisch,teils leicht bedauernd

    Aber die Themen,die die Grünen auf die politische Agenda brachten und bringen,gingen eben nicht einfach weg oder wurden von anderen Parteien zielorientiert angepackt/gelöst.

    Deshalb und weil die Grünen als Partei aus den Wahlniederlagen gelernt haben und intern Dinge veränderten, konnten sie immer wieder neu bei Wahlen überzeugen und sich jetzt relativ stabil etablieren.

    Aus diesem Grunde ist der Vergleich mit zB. den Piraten auch irreführend.Das Kernthema der PP(Inet und alle Rechte und Pflichten, die damit zusammen hängen) ist ein wichtiges, unbestritten, aber zum einen wird es auch von anderen Parteien durchaus ernsthaft wahrgenommen und bearbeitet und zum anderen ist es in seiner gesellschaftlichen Relevanz und Brisanz nicht annährend so wichtig wie die Kernthemen der Grünen - Klima, Ökologie, Nachhaltigkeit, Emanzipation in veränderten Gesellschaften...
    Dazu kommt, dass man bei der PP nichts sehen kann von internen Verbesserungen zB der Organisationsstruktur und der Medienkompetenz.Man weiß leztendlich nicht einmal im Ansatz, was man bekommen würde, wenn man die PP wählen würde. Das reine Protsetwählen oder die PP als Projektionsfläache zu wählen reicht eben nicht über längere Zeit aus. Dazu das konfuse Bild, welches die PP der Öffentlichkeit bietet und das permantente Mitsichselberbeschäftigen.
    Das ist vielen Menschen zum Wählen zu wenig

  7. im endeffekt zittert die spd am meisten, wenn das schief geht in niedersachsen, dann ist stimmung in der partei

  8. Wahlschlappe erlitten haben,hat die gesamte Medienlandschaft in D das Totenglöckchen geläutet. Teils hämisch,teils leicht bedauernd

    Aber die Themen,die die Grünen auf die politische Agenda brachten und bringen,gingen eben nicht einfach weg oder wurden von anderen Parteien zielorientiert angepackt/gelöst.

    Deshalb und weil die Grünen als Partei aus den Wahlniederlagen gelernt haben und intern Dinge veränderten, konnten sie immer wieder neu bei Wahlen überzeugen und sich jetzt relativ stabil etablieren.

    Aus diesem Grunde ist der Vergleich mit zB. den Piraten auch irreführend.Das Kernthema der PP(Inet und alle Rechte und Pflichten, die damit zusammen hängen) ist ein wichtiges, unbestritten, aber zum einen wird es auch von anderen Parteien durchaus ernsthaft wahrgenommen und bearbeitet und zum anderen ist es in seiner gesellschaftlichen Relevanz und Brisanz nicht annährend so wichtig wie die Kernthemen der Grünen - Klima, Ökologie, Nachhaltigkeit, Emanzipation in veränderten Gesellschaften...
    Dazu kommt, dass man bei der PP nichts sehen kann von internen Verbesserungen zB der Organisationsstruktur und der Medienkompetenz.Man weiß leztendlich nicht einmal im Ansatz, was man bekommen würde, wenn man die PP wählen würde. Das reine Protsetwählen oder die PP als Projektionsfläache zu wählen reicht eben nicht über längere Zeit aus. Dazu das konfuse Bild, welches die PP der Öffentlichkeit bietet und das permantente Mitsichselberbeschäftigen.
    Das ist vielen Menschen zum Wählen zu wenig

    Antwort auf "die grünen..."

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