"Stephan wer?" So war der Kandidat selbst im Einspielfilmchen zum einzigen TV-Duell mit Amtsinhaber McAllister vorgestellt worden, das vergangene Woche live im NDR ausgestrahlt wurde. Weil schlug sich danach tapfer gegen einen über weite Strecken recht arrogant wirkenden McAllister. Aber als der Ministerpräsident Weil unterstellte, dieser könne sich als Notlösung auch eine rot-rot-grüne Koalition vorstellen, da reagierte der SPD-Mann unsouverän. Die in Niedersachsen laut Umfragen recht schwache Linkspartei werde definitiv nicht in den Landtag kommen, murmelte er lediglich. Also brauche man auch nicht "spekulieren".

Seitdem polemisiert die CDU vergnügt gegen eine vermeintlich baldig von der SPD tolerierte Ministerin Sahra Wagenknecht. Weil bleibt auch Tage später sprachlos zu dem Vorwurf, er könne sich eine Koalition oder Tolerierung durch die Linke vorstellen, sollte die es in den Landtag schaffen. Am kommenden Sonntag gehe es um "Rot-Grün gegen Schwarz-Gelb", sagt er stattdessen in Sarstedt in eine Fernsehkamera.

Ob ihn die ewige Diskussion um SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück nervt, ist ebenfalls nicht überliefert. Weils Umfeld jedenfalls fand dessen Kanzlergehaltsäußerungen wenig hilfreich, weil sie den eigenen Kandidaten ja gerne als seriös, arbeitsam und unprätentiös bewerben.

Es geht um das rot-grüne Projekt für 2013

Bildung, Abwanderung, soziale Gerechtigkeit sind seine politischen Themen. Als Ministerpräsident, sagt er, wolle er sich dafür einsetzen, dass die Strukturfördermittel des Bundes nicht immer nur im Osten verteilt würden. Anfang Januar trat er sogar schon mit Grünen-Landeschefin Anja Piel vor der Bundespressekonferenz in Berlin auf und sprach über den "erstaunlich großen Fundus an Gemeinsamkeiten". Gemeinsame Bundesratsinitiativen für einen Mindestlohn und gegen das Betreuungsgeld sind auch schon geplant, sollte die neue Niedersächsische Landesregierung eine rot-grüne sein.

Bei der CDU lästern sie darüber, die Gegenseite habe das Fell des Bären schon verteilt, bevor sie ihn erlegt hätten. Auch Weil sieht den Sieg inzwischen in Gefahr, auch wenn er das nicht offen sagt. Aber er will die kommenden Tage noch viele Rosen verteilen, so viel auf sich aufmerksam machen, wie es denn geht.

Auch die SPD-Prominenz hat sich angesagt. Zahlreiche Auftritte im ganzen Land haben Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück, Andrea Nahles und ihre Mitstreiter geplant. Die Sozialdemokraten, sie wollen jetzt alles geben. Es geht, so die allgemeine Lesart, um das rot-grüne Projekt für 2013. Und nicht nur um den netten, biertrinkenden Kommunalpolitiker, dem das Rathaus in Hannover nach sieben Jahren im Amt zu eng geworden ist.