Wie dieser Grundsatz aussieht, wenn er auf Realpolitik übertragen wird, lässt sich am Fall Libyen besichtigen. An dem Kampfeinsatz mehrerer Nato-Partner gegen die Truppen des Diktators Gaddafi hatte sich die schwarz-gelbe Regierung 2011 nicht beteiligt – sie hat ihn im Vorfeld sogar eher behindert. Die Bundesrepublik enthielt sich nicht nur bei der Abstimmung im Weltsicherheitsrat, sie brüskierte die Alliierten zusätzlich noch mit dem Herauslösen deutscher Marineschiffe aus Nato-Verbänden im Mittelmeer. Was machen die Deutschen nur?, fragten sich Experten und Politiker im Ausland. Ein deutscher Sonderweg? Kann sich ein Land von der Größe und Bedeutung Deutschlands einen solchen Isolationismus erlauben?

Für welche Außenpolitik steht Schwarz-Gelb? 

Tatsächlich stellte die Enthaltung im Sicherheitsrat tatsächlich eine Wende in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik dar. Die neue Devise lautet: Besorgnis äußern, raushalten. Auslandseinsätze von deutschen Kampftruppen darf es nur noch im absoluten Notfall geben. Stattdessen sollen, so wollen es Kanzlerin und ihr Außenminister, Regionalmächte wie Saudi-Arabien im Nahen Osten oder Angola in Westafrika mit Rüstungslieferungen und Ausbildung der Sicherheitskräfte ertüchtigt werden, Probleme in ihrer Nachbarschaft selber zu lösen.

Um Mali herum fand sich jedoch keine Regionalmacht, die bereit war, in den Konflikt mit den Islamisten einzugreifen. Deutschland kündigte unverdrossen an, weiterhin eine afrikanische Einsatztruppe zu unterstützen – wenn diese denn aufgestellt wird. Ohne das Eingreifen Frankreichs hätten die Islamisten vermutlich bereits die Hauptstadt erreicht.

Für was steht die Sicherheitspolitik der schwarz-gelben Koalition? Was wird in Erinnerung bleiben, sollte die Bundesregierung in der derzeitigen Konstellation in diesem Jahr abgewählt werden? Das Nein im Weltsicherheitsrat im Fall Libyen, das Heraushalten in Syrien und die von Merkel benannte Strategie der "Ertüchtigung von Regionalmächten" – alles umstrittene Strategien. Am Ende von Westerwelles Vortrag an der Bundeswehruniversität fragen Soldaten nach, wie das alles zusammenpasst: das Heraushalten in Libyen, aber den Aufbruch Nordafrikas in die Freiheit zu loben. Die Menschenrechtsverletzungen in Syrien tadeln, aber nichts zu tun. Die Franzosen für den Kampfeinsatz in Mali loben, aber selber nicht zu helfen. Westerwelle flüchtet sich ins Vage. Das ist sein außenpolitisches Konzept.