Auch aus der SPD kommen unterstützende Signale für Wowereit. Demonstrativ stellte sich SPD-Chef Sigmar Gabriel hinter den Regierenden Bürgermeister: "Ich halte die Vorwürfe gegenüber Klaus Wowereit für absolut unberechtigt." Vehement widersprechen SPD-Politiker der Darstellung, Wowereit habe die Information über die erneute Verzögerung wochenlang zurückgehalten. Er habe immer offen gespielt, heißt es.

Aus Kreisen der SPD-Fraktion ist zu hören, dass es keine Revolte gegen den Chef im Roten Rathaus geben wird, noch nicht mal von einer größeren Missstimmung könne die Rede sein. Die SPD-Abgeordneten sind zwar – wie fast alle Berliner – verzweifelt angesichts der in immer weitere Ferne rückenden Flughafeneröffnung. Sie sehen aber die Schuld eher bei der BER-Geschäftsführung und bei den Zulieferfirmen.

Ohne Alternative

Zudem ist keine personelle Alternative in Sicht: SPD-Landeschef Jan Stöß hat keine Erfahrung im Senat. Zudem ist er beim Partei-Establishment unbeliebt, seit er sich gegen Wowereits Favoriten Michael Müller bei der Wahl zum Parteivorsitz durchgesetzt hat. Eine Geschichte, die auch gegen Müller spricht. Bleiben noch zwei andere Senatoren: Ulrich Nußbaum und Dilek Kolat (SPD). Doch Nußbaum ist parteilos und Kolat einfach zu unbekannt.

Selbst wenn sich ein geeigneter Nachfolger für Wowereit fände, blieben dieselben Probleme: Die Eröffnung des Großflughafens ist weiterhin ungewiss und von politischer Seite nicht mehr steuerbar. Sollte der neue Bürgermeister dann eine weitere Verschiebung verkünden müssen, wäre er sogleich angeschlagen. Allein deshalb ist es wahrscheinlich, dass Wowereit mindestens bis zur BER-Eröffnung im Amt bleiben wird.