Berliner FlughafenWowereit tritt als Flughafen-Aufsichtsratschef zurück

Berlins Bürgermeister Wowereit zieht Konsequenzen aus dem Flughafen-Debakel. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck will nachfolgen und die Vertrauensfrage stellen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) tritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft zurück. Nachfolger in dem Amt wird Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), sagte Wowereit am Montag in Berlin. Anlass ist die neuerliche Verschiebung des Eröffnungstermins für den Hauptstadtflughafen.

"Der Aufsichtsratsvorsitz geht vom Land Berlin an das Land Brandenburg", sagte Wowereit weiter. Platzeck ist bereits Aufsichtsratsmitglied. Einen neuen Eröffnungstermin für den Flughafen nannte Wowereit nicht.

Anzeige

Platzeck will außerdem bei der nächsten Landtagssitzung die Vertrauensfrage stellen. Dies teilte sein Sprecher mit. Platzeck begründete seinen Schritt damit, dass er sich nun der vollen Unterstützung der Fraktionen, die die Landesregierung tragen, sicher sein wolle. Im Landtag gibt es eine deutliche Mehrheit von Rot-Rot.

Rücktritt als Bürgermeister? "Nein!"

Als Regierender Bürgermeister von Berlin will Wowereit weiter im Amt bleiben. Auf die Frage, ob er auch von dieser Funktion zurücktrete, sagte er: "Nein."

Zudem werde die nächste Aufsichtsratssitzung auf den 16. Januar vorgezogen. Ein Tagesordnungspunkt werde die Neuordnung der Geschäftsführung sein. Geschäftsführer ist Rainer Schwarz, dessen Rücktritt seit Längerem vom Bund, aber auch von Wowereits Koalitionspartner CDU gefordert wird. Wowereit sagte, er rechne mit einem Antrag auf Ablösung von Schwarz.

Die Berliner SPD hatte zuvor zurückgewiesen, dass viele Mitglieder auch den Rücktritt Wowereits als Regierender Bürgermeisters forderten. Eine SPD-Sprecherin sagte: "Herr Wowereit wird nicht an der Sitzung des geschäftsführenden Landesvorstandes teilnehmen. Es wird nicht über Rücktritte debattiert." Zuvor wurde berichtet, in der SPD werde ein baldiger Rücktritt Wowereits für möglich gehalten.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Sie haben ein so dickes Fell, die stehen auch ohne Rückgrat grade.

    Wenn Platzek das Problem nicht lösen kann, dann wird nach einer Schamfrist von 3 Monaten Wowi wieder übernehmen.
    Putin lässt grüßen.

    Macht eine große Einkaufsmall daraus!
    Vorfeld und Landebahn sorgen dann wenigstens dafür, dass genug Parkplätze vorhanden sind.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Moika
    • 07. Januar 2013 18:20 Uhr

    Ihre Anregung wäre vielleicht die beste Alternative bei dieser Misere.

    Ich weiß nicht - und kann es mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, was die beiden Aufsichtsratsvorsitzenden im Kopf hatten, als ihnen die Planungen vorgelegt wurden.

    Denn seit einigen Wochen sagen Experten klipp und klar, dieser Flughafen ist zwei Nummern zu klein geraten. Er würde vom ersten Tage an voll ausgelastet sein, Zuwächse wären danach kaum noch möglich und der Ausfall nur eines einzigen Gepäckbandes könne ein Chaos verursachen - und trotzdem wird einfach weitergebaut?

    Aber das hat man doch schon vorher gewußt! Man sollte vielmehr prüfen, was in der Planungsphase "falsch gelaufen" ist und ob der gesamte Vorgang nicht insgesa,t justiziabel ist.

    Nicht erst seit der Ankündigung weiterer Kosten stinkt dieser Bau doch bis zum Himmel.

  2. jetzt muss er tatsächlich auf die schönen Einnahmen fürs Nichtstun verzichtet. Verantwortung hat er nicht zu Fürchten.

    • Hokan
    • 07. Januar 2013 17:31 Uhr

    in Berlin.

  3. Wenn es wirklich nur der Brandschutz ist, ist dann möglicherweise die Frage erlaubt, ob wir es da mit unserer deutschen Gründlichkeit (das ist eine vornehme Formulierung) vielleicht übertreiben. Würden alle Passagiere diesen Standard an Ihrem jeweiligen Zielflughafen erwarten, müssten 95 der Flüge storniert werden.warum gibt es in deutschland für so ein thema keine praktikablen Lösungen?

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben vollkommen recht.

    Übrigens wussten sie schon das Brandschutz Ländersache ist, was für alle Beteiligten ein Problem darstellt, weil man drei Bauherren hat.

    Das sich gerade in Sachen Brandschutz in den letzten drei Jahren unheimlich viel verändert hat, wird auch so gut wie nirgens erwähnt.

    Es würde mich nicht wundern, wenn jetzt auf einmal nach der neuen europäischen Brandschutzverordnung geprüft werden muss.

    Glücklicherweise habe ich selbst nur temporär damit zu tun, denn wenn ich von meinem Arbeitsplatz aus nur 10 km gegen Osten fahre, dann habe ich ganz andere Vorschriften (und ich bin immer noch ganz tief in Westdeutschland)

    Und da sie als ausführender Planer, im Fehlerfall zu 60% haftbar gemacht werden, stehen sie sowieso immer mit einem Bein im Gefängnis. Deswegen sollte es auch niemand wundern, wenn das keiner mehr machen will.

    • kael
    • 07. Januar 2013 17:38 Uhr

    ...sollte wissen, worauf er sich einlässt. Er sollte auch die Dimensionen begriffen haben, um die es geht. Wer sich aus welchen Gründen auch immer dennoch nicht scheut, ein solches Prestige-Amt (zudem als Vorsitzender) zu übernehmen, steht mit in der Verantwortung, zuzmindest in einer Kontroll-Verantwortung. Denn wozu sonst heißt ein Aufsichtsrat auch Aufsichtsrat? Um "Aufsicht" zu üben. Ein Rücktritt ist die erste und gnadenreiche Variante möglicher Konsequenzen.

  4. Politiker formulieren schöne Reden und schöne Gesetze und Vorschriften. Aber wehe, wenn sie mal selbst umsetzen müssen, was sie da so in ihren Sonntagsreden von sich geben! Wenn sie selbst mit der Realität in Kontakt kommen: Dann merkt man eben doch, dass sie außer Reden - und vielleicht ein bisschen Organisieren, Netzwerken und Intrigieren - nicht viel können!
    Diese Politiker sitzen in Aufsichtsräten und haben oft weder von den realen Arbeitsbedingungen noch überhaupt von Zahlen keine Ahnung. Deshalb sind sie dann auch so leichtgläubig: Sie glauben an die Machbarkeit ihrer Pläne und Vorschriften einerseits und an die Zahlengebilde, die ihnen Ministerialbeamten und/oder die ausführenden Firmen vorlegen.
    Wowereit ist nicht der einzige Politiker, der in einem solchen Gremium nichts zu suchen hat!
    Nebenbei bemerkt, hat er allerdings auch in seinem Hauptberuf versagt!

    2 Leserempfehlungen
    • cornus
    • 07. Januar 2013 17:44 Uhr

    Und damit kommt er durch?

    Eine Leserempfehlung
    • Otto2
    • 07. Januar 2013 17:45 Uhr

    Es ist nicht selten, dass Politiker glauben, dass allein ihre wichtige Persönlichkeit automatisch bewirkt, dass alles klappt, wie von ihnen vorgesehen.
    So ist die Welt aber nicht. Man muss von der Sache etwas verstehen und sich außerdem hineinknien.
    Beides fehlte, wie mir scheint, denn das ist kein Mini-Job. Vermutlich weiß W. das inzwischen. Leider ist diese Art von Aufsichtsräten nicht auf ihn begrenzt. In der Vergangenheit war das auch in Bayern sowie aus der Wirtschaft zu hören, wo Aufsichtsräte nie etwas wussten, wenn Pannen oder kriminelles Handeln in der jeweiligen Firma ans Tageslicht kam.

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, zz
  • Schlagworte Klaus Wowereit | Matthias Platzeck | SPD | CDU | Flughafen | Geschäftsführer
Service