Das Problem ist aber nicht der Streit selbst. Das Problem ist, dass die Piraten darüber hinaus kaum noch etwas Bemerkenswertes zustande bringen. "Köpfe mit Themen", fordert Schlömer seit dem Parteitag im November als neue Strategie. Soll heißen: Einzelne, öffentlichkeitswirksame Piraten gehen mit ihren Themen in Talkshows und werden so zu echten Gesichtern jener Partei, die bisher so viel Wert darauf legte, als Kollektiv Erfolg zu haben.

Bisher aber fruchtet diese Strategie nicht. Abgesehen vom bayerischen Piraten Bruno Gert Kramm, der über die Parteigrenzen hinaus als Experte fürs Urheberrecht anerkannt ist, sind keine "Köpfe mit Themen" zu sehen. Die einzigen sichtbaren Piraten-Köpfe sind die, die gegeneinander knallen.

Tiefpunkt der Mumble-Diskussion

Der Tiefpunkt der Mumble-Diskussion war erreicht, als Schlömer das mysteriöseste Kapitel der jüngeren Parteigeschichte ansprach: Die vermeintlichen Rücktrittsabsprachen im Vorstand im vergangenen Oktober. "Johannes hat gesagt, er würde zurücktreten, wenn ich auch zurücktrete und Sebastian auch", konfrontierte der Parteichef den Geschäftsführer. Betretene Stille in der Runde. Ponader sagte, er sei "angefasst und verärgert" über Schlömers Offenlegung. Warum es dann aber doch nicht zum gemeinsamen Rücktritt kam, ließen beide auch diesmal offen.

Trotzdem twitterte Ponader später: "Heute ist diese Partei aus meiner Sicht wieder ein Stück weit offener und ehrlicher geworden."

Parteichef Schlömer war da längst am Ende seiner Kräfte. Nach seinem Eindruck hätten "die letzten 45 Minuten nur Schaden angerichtet". Er sei "jetzt müde und kaputt", gestand er am Ende. Erschöpft von der ständigen Selbstbeschäftigung.

Klaus Peukert übrigens, ein anderes Vorstandsmitglied, hat an diesem Abend einfach nicht mitgemacht. "Für solche Debatten habe ich keine Zeit", sagte er. Stattdessen lud er interessierte "Neumitglieder ins LQFB ein". Über die Plattform Liquid Feedback (LQFB) versuchen die Piraten, im Internet politische Positionen zu finden. Das also, wofür sie einmal angetreten waren – und wofür sie im Herbst eigentlich gewählt werden wollen.