Familienpolitik : CSU stellt sich gegen Gleichstellung der Homo-Ehe

Der Vorstoß der CDU zur Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften empört die CSU. Sie fürchtet um den besonderen Schutz der Ehe und warnt vor "Schnellschüssen".

Der sich andeutende Kurswechsel der CDU für eine Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften stößt in der Schwesterpartei CSU auf heftigen Widerspruch. Es gebe keinen Grund für einen "Schnellschuss", sagte die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt. "Ehe und Familie haben für uns einen besonderen Rang. Von zentraler Bedeutung ist für uns deshalb, dass Ehe und Familie auch weiterhin privilegiert werden." Nun müssten in aller Ruhe die Konsequenzen aus den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts gezogen werden.

Der Chef der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag, Georg Schmid, und Generalsekretär Alexander Dobrindt äußerten sich ähnlich. "Dass Ehe und Familie gestärkt werden, ist unser Grundkonzept", sagte Schmid. "Es geht darum, dass wir Ehe und Familie stärken wollen, auch darüber hinaus – selbst wenn wir entsprechenden Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zu folgen haben." Dobrindt sagte: "Wir lehnen Schnellschüsse bei der Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaft mit der Ehe ab. Für uns gilt der Grundsatz, dass Ehe und Familie auch zukünftig besonders privilegiert, gefördert und geschützt sind."​

"Es gibt keinen Grund, jetzt in Aktionismus zu verfallen und schnell gesetzgeberisch tätig zu werden. Den Handlungsbedarf sehe ich nicht", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer. "Ich bin mir sicher, dass es mit der CSU in den nächsten Monaten keine komplette Gleichstellung geben wird." Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bedeute nicht die Notwendigkeit einer kompletten Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften, insbesondere nicht im Steuerrecht. Erst vor wenigen Tagen hatte das Gericht in Karlsruhe eine Neuregelung bei Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare bis Mitte 2014 angemahnt.

Lob von FDP und Grünen, SPD kritisiert 180-Grad-Wende

Der Koalitionspartner FDP und die Opposition nahmen den Vorstoß der CDU hingegen wohlwollend zur Kenntnis. "Mit diesem Schritt erkennt die Union endlich unsere offene und tolerante Gesellschaft an", teilte FDP-Chef Philipp Rösler mit. "Wir sind bereit, schnell zu handeln." Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, lobte die Ankündigungen von CDU-Politikern. "Wenn die Union ernsthaft ihre Diskriminierungspolitik gegenüber homosexuellen Lebenspartnerschaften beenden will, sind wir zur Zusammenarbeit jederzeit bereit."

Die SPD kritisierte die "180-Grad-Wende" der CDU und warf ihr eine unglaubwürdige Politik vor. "Die Union ist nicht lernfähig, sondern wird von veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen und Karlsruhe zu ein bisschen Anerkennung der Realität gezwungen", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Thomas Oppermann zweifelte, dass es die Union ernst meine. "Ich bin skeptisch, ob der Kursschwenk der Union bei den Lebenspartnerschaften tatsächlich kommt", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion.

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auch in

afrikanischen Dorfgemeinschaften, in nichtwestlichen Ländern und auch schon länger als seit 200 Jahren entsteht ein Mensch durch die (mehr oder weniger ausgeprägte) Liebe eines Mannes und einer Frau. Meistens wächst dieser Mensch dann mit Vater und Mutter auf und entwickelt durch eine mehr oder weniger enge Beziehung zu Vater und Mutter seine eigene Identität, und ich spreche hier von den ersten Lebensjahren. Natürlich haben auch andere Menschen Anteil an seiner Erziehung, aber das Normale, und somit das Ideal, ist die Erziehung durch Vater und Mutter.

Hier kann man nicht

mit biologischen oder soziologischen Gründen argumentieren. Meiner Meinung nach genügt ein einfacher Blick auf Männer und Frauen. Warum sind sie so grundsätzlich verschieden, warum passen sie so gut zusammen, warum ergänzen sie sich so perfekt? Warum passen sie anatomisch zusammen? Weil sie zusammen gehören, füreinander gemacht wurden. Ist es nicht in der Tierwelt genauso, bis hinein in die Botanik? Männchen und Weibchen?

wer die waehlt?

Kann ich als Aussenstehende sogar beantworten. Es ist der Mittelstand in Bayern, alle katholisch. Warum waehlt er die? Weil es denen unter der CSU gut geht. Auch dort wird vorwiegend CDU gewaehlt.Solange es den Menschen gut geht, werden sie waehlen die dieses gut sein erhalten.Auch wenn sie nicht recht haben.

Nimmt man Berlin, dort regiert rot und man setzt die behinderten Leute auf die Strasse. Der Thierse beglueckwuenscht die Lobby.

Alles passiert im Kopf und am eigenen Lebensgefuehl. Ist so, ist in jedem Land so und wird sich nicht aendern.

Sie müssen aber

zwischen den Begriffen "Kernfamilie" und "Kleinfamilie" unterscheiden. Das Modell der bürgerlichen Kleinfamilie mag noch jung sein, das Modell der Kernfamilie mit Mann und Frau im Zentrum und mehr oder weniger zahlreichen Begleitpersonen existiert schon seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Um diese Kernfamilie geht es mir. Sie bestand immer schon aus Mann und Frau, wie sollte es auch anders möglich gewesen sein?

Außerdem ist die Argumentation, Kinder müssten davor beschützt werden, zu einem "begehrten Gut" für adoptionswillige, aber naturgemäß unfruchtbare gleichgeschlechtliche Paare zu werden, tatsächlich zulässig und nicht aus der Luft gegriffen.

Gleichbehandlung?

Ich bin kein Jurist, aber über den Gleichbehandlungsgrundsatz habe ich doch zumindest gelernt, daß das Gesetz nur fordert, daß "wesentlich gleiches" gleich behandelt werdne muß.

Hier ist also sehr wohl erst mal die Darlegung der "wesentlichen Gleichheit " erforderlich. Zum Term "wesentlich" kann man in diesem Kontext trefflich unterschiedliche Auffassungen vertreten.

Adoptionsrecht ist kein Grundrecht!

Hier geht es darum in erster Linie die Mutter und ihre Mutterschaft zu schützen. Dann kommt die Ehe und die Familie wo sie ihr Kind groß ziehen darf und kann, dann kommt erst eine lange Stille und erst dann wenn das Kind verlassen wird die Frage der Unterbringung, das Sorgerecht und eventuell Adoptionsrecht.

Diese Gegebenheiten sollten grundsätzlich im Vordergrund stehen und nicht irgendwelcher Wunsch die Kinder zu haben.

Letztendlich auch die leiblichen Eltern besitzen ihreeigene Kinder nicht und gerade in diesem Bewusstsein entwickelt sich diese wertvolle Beziehung, leibliche Eltern - das Kind und insbesondere leibliche Mutter - das Kind.

Wenn es vordergründig in einem politischen Programm einer Partie oder einer e.V. steht sich für diese Ziele einzusetzen dann ist es selbstverständlich willkommen und hat nichts mit den allen berechtigten Fragen der Rechtsgarantie der homosexuellen Menschen zu tun.

Die Allweisheit des Bundesverfassungsgerichts

Sie werden es nicht glauben, aber es ist hierzulande tatsächlich erlaubt - zumindest noch - anderer Meinung als das Bundesverfassungsgericht zu sein, ohne dafür ins Umerziehungslager zu kommen.

Die Allweisheit des Bundesverfassungsgerichts erschließt sich im Übrigen durch die Tatsache, daß es in vielen Fragen im Laufe seines Daseins seine Rechtsmeinung schon um 180° geändert hat.

Es handelt sich dabei pro Senat um jeweils 8 Richter, die nach parteipoltischen Proporzüberlegungen in ihr Amt gekommen sind und nicht von Gottes Gnaden Recht sprechen. Unfehlbarer als der Papst sind sind sie auch nicht.

Die Titulierung, die ihnen einmal ein heutiger Mitherausgeber der ZEIT und der Deutschen derzeit repsektiertester Altpolitiker angedeihen ließ, will ich hier lieber nicht wiederholen.

Bamberger Ehepaar Panel

Natürlich ist eine Ehe(-schließung) kein Garant für Nachwuchs.
Angeregt durch eine Nachfrage in einem anderen Kommentar, bin ich bei dieser Untersuchung fündig geworden. Eine Längsschnittuntersuchung an 1.500 Ehepaaren zeigt im Verlauf von 14 Jahren, dass nur ca. 9% der Ehen kinderlos blieben.
Damit dürfte die Unterstellung, viele Ehen existierten nur wegen der damit verbundenen (vermeintlichen) finanziellen Vorteile ins Reich der Fabel zu verweisen.

kuestenwache