WahlkampfSteinbrück will Familienpolitik grundlegend ändern

Ein Gutachten zeichnet ein verheerendes Bild der Familienförderung: SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück will das System umstellen und Geld vor allem in die Betreuung stecken.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat für den Fall eines Wahlsiegs eine grundsätzliche Überprüfung aller familienpolitischen Leistungen angekündigt. "Wir brauchen eine Umstellung der Familienpolitik", sagte Steinbrück Spiegel Online. "In Zukunft kann es nicht darum gehen, an einzelnen Instrumenten herumzustricken."

Die SPD wolle so viel Geld wie möglich in die Infrastruktur stecken, sagte Steinbrück. "Der Fokus muss auf einer verbesserten Betreuung liegen. Sowohl im Kleinkindbereich als auch in der Schule."

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Ein von der Bundesregierung beauftragter Gutachterkreis kommt nach Informationen des Spiegel zu dem Schluss, dass viele Familienleistungen wie Kindergeld und Ehegattensplitting untauglich und wirkungslos sind. Zwar gebe es auch positive Effekte der Förderinstrumente, urteilten die Experten. Doch sie ließen sich auch "mit geringeren unerwünschten Nebenwirkungen erreichen".

Am besten beurteilten die Gutachter dem Bericht zufolge die Investitionen in Betreuungsplätze: Von den staatlichen Ausgaben im Krippen- und Kindergartenbereich flössen bis zu 48 Prozent an den Staat zurück. Damit stützen die Gutachter Forderungen der Opposition aus SPD, Linken und Grünen, die Betreuungsplätze massiv auszubauen.

Grüne fordern Veröffentlichung des Berichts

"Die Koalition Angela Merkels ist in der Familienpolitik komplett auf dem falschen Dampfer unterwegs", sagte die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt der Süddeutschen Zeitung. Sie forderte die Bundesregierung auf, das Gutachten schleunigst zu veröffentlichen und das Zeugnis der Experten ernst zu nehmen, statt die unbequemen Wahrheiten möglichst bis zur Wahl unter der Decke halten zu wollen.

Die Vorsitzende des Familienausschusses im Bundestag, Sibylle Laurischk (FDP), plädierte für ein "Kinderbasisgeld", eine Grundleistung, die auch tatsächlich bei den Kindern ankomme solle. "Wir müssen erkennen, dass wir mit vielen Leistungen Gutes wollen, aber nicht wirklich erreichen", sagte die FDP-Politikerin.

 
Leserkommentare
  1. Kindergärten sind ja im Prinzip keine schlechte Sache, aber der Trend geht ja unaufhaltsam in Richtung staatliche 24/7 Erziehung. Natürlich gibt es Eltern, wo beide finanziell gezwungen sind zu arbeiten und ihr Kind in eine staatliche Anstalt geben müssen (Niedriglohnsektor und Aufstocker sei dank). Aber es gibt eben auch jene Eltern, die ihr Kind nur "abschieben" wollen, damit beide arbeiten können um der Arbeit wegen. Und das finde ich komplett falsch. Wozu möchte man ein Kind, wenn man doch nur der Karriere hinterhecheln will?
    Übrigens, das ist ein geschlecht-unspezifischer Vorwurf. Ich denke einfach, dass Halbtags-Kindergarten ausreicht, den Rest des Tages, sollte das Kind bei einem Elternteil verbringen, egal ob Vater oder Mutter. Wenn eine Betreuerin mehr Zeit mit einem Kind verbringt, als die eigenen Eltern, dann stimmt was nicht.

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    [...]
    “Wozu möchte man ein Kind, wenn man doch nur der Karriere hinterhecheln will?”

    Da muß ich allerdings die Doppelverdiener in Schutz nehmen!
    In der Lebenspraxis geht es doch in den seltensten Fällen um “Karriere”.
    Mit nur einem Einkommen kann man eben heutzutage keine Familie mehr ernähren!
    Zudem schießt sich in dieser deutschen Arbeitsgesellschaft jeder Nicht-Arbeitene gesellschaftlich ins Abseits. Nicht Belohnung mit “Karriere” wirkt da motivierend, sondern der Angstdruck, aus dem Arbeitsmarkt auf nimmer Wiedersehen herauskatapultiert zu werden, wenn sich im Lebenslauf auch nur die kleinste Lücke auftut.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche und belegen Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

    [...]
    “Wozu möchte man ein Kind, wenn man doch nur der Karriere hinterhecheln will?”

    Da muß ich allerdings die Doppelverdiener in Schutz nehmen!
    In der Lebenspraxis geht es doch in den seltensten Fällen um “Karriere”.
    Mit nur einem Einkommen kann man eben heutzutage keine Familie mehr ernähren!
    Zudem schießt sich in dieser deutschen Arbeitsgesellschaft jeder Nicht-Arbeitene gesellschaftlich ins Abseits. Nicht Belohnung mit “Karriere” wirkt da motivierend, sondern der Angstdruck, aus dem Arbeitsmarkt auf nimmer Wiedersehen herauskatapultiert zu werden, wenn sich im Lebenslauf auch nur die kleinste Lücke auftut.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche und belegen Ihre Aussagen mit seriösen Quellen. Danke, die Redaktion/ls

  2. wie wäre es mit gleichen Löhnen und Chancen für Papa und Mama?
    In Hinsicht auf die Höhe der Gehälter.
    In Hinsicht auf Akzeptanz der elterlichen Kinderbetreuung.
    Ich bin Vater von zwei Töchtern und sehe diese nur müde am Abend.
    Ich will meinen Kinder gerne etwas von mir geben.
    Doch muss ich die Präsenzkultur aufrecht halten, um die Familie zu finanzieren.
    Wir sind noch sehr weit entfernt von Unternehmenskulturen, bei denen MANN in den Führungsebenen seine Kinder ausreichend begleiten kann!
    Und was machen die niederen Einkommensschichten? Da müssen beide voll ran und Kind wird vom Staat ohne Empathie (Betreuungsschlüssel!) auf Leistung getrimmt...
    Das ist nicht nachhaltig! Mit 40 kommt dann der Burnout.

    8 Leserempfehlungen
    • Dr.No
    • 04.02.2013 um 10:28 Uhr

    Ich bin Vater von 3 erwachsenen Kindern, die mittlerweile selbst Rentenzahler sind, meine Frau ist zu Hause geblieben, sie hat unsere Kinder groß gezogen. Man mag das für von gestern halten, aber wir sind freie Menschen, wir haben uns beide für dieses Modell entschieden - und da sind wir nicht allein. Ich habe eine kleine Firma aufgebaut, meine Frau hat geholfen, und in den Anfangsjahren (wo wir weniger pro Jahr hatten als Steinbrück pro Stunde) hat uns das Kindergeld (das erst Helmut Kohl auf diese Höhe gebracht hat) Sicherheit gegeben und hat uns ruhig schlafen lassen. Und natürlich war ich gesetzlich krankenversichert, zusammen mit Frau und Kindern. Wenn irgendwelche Gutachter nun Politik machen wollen, und Steinbrück greift das auf - soll er. Ich wähle ihn nicht. Und dann die Leier: Kindergeld streichen gegen Kita-Ausbau. Kinder kosten nicht nur als sechsjährige Geld. Später wird es erst richtig teuer, Eltern, die rechnen müssen, wissen das.

    Ach übrigens: Ich bin Mitglied der Linken, aber wenn SPD, Grüne und Linke hier glauben, man müsste bestimmte Lebensmodelle durch eine gnadenlos unsoziale Politik kaputt machen, dann wähle ich bei der nächsten Bundestagswahl.... die CDU. Die werden wohl dann die absolute Mehrheit bekommen.

    11 Leserempfehlungen
  3. 125. Kinderged

    Das Kindergeld hat mit Kindergartenkosten nichts zu tun. Es steht auch Schulkindern und Jugendlichen zu. Auch die haben ein Recht auf ihr steuerfreies Existenzminimum.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Also mich nervt "
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    nicht mit einem warmen Mittagessen fördern oder den Nahverkehr für Kinder und Jugendliche kostenlos gestalten.

    Es gäbe so viel Möglichkeiten, etwas ohne die riesige Bürokratiekosten zu machen, das gleichzeitig auch noch regionale Arbeitsplätze fördert.

    Warum soll das schlecht sein?

    nicht mit einem warmen Mittagessen fördern oder den Nahverkehr für Kinder und Jugendliche kostenlos gestalten.

    Es gäbe so viel Möglichkeiten, etwas ohne die riesige Bürokratiekosten zu machen, das gleichzeitig auch noch regionale Arbeitsplätze fördert.

    Warum soll das schlecht sein?

    • lajrop
    • 04.02.2013 um 10:29 Uhr

    wir persönlich müssen sogar unsere Kinder extra versichern.
    Gut finde ich das nicht.
    Was Begrenzung auf die Elternzeit angeht: Man muss unterscheiden, zwischen der Finanzierung der Kinder. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und auf der anderen Seite die Finanzierung der Eltern (meist betrifft es die Mütter). Hier ist schon etwas genauer hinzuschauen und der Steuerzahler nicht ohne Not über Gebühr zu belasten.

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    • doof
    • 04.02.2013 um 10:55 Uhr

    "steuerzahler" nicht ohne noch über gebühr belastet?
    1. auch eltern, die gesetzlich mitversichert sind bezahlen steuern mit jeder windel, deren kauf aus dem familieneinkommen bestritten wird (um es polemisch auszudrücken).
    "ohne not". not scheinen gerade dei gkv im moment aber - trotz familienmitversicherung - nicht zu leisten.
    und, wie schon einige hier anmerkten: es geht ja noch weiter: schüler und studenten sollten doch auch krankenversichert sein? und deren lebenshaltung kostet auch? was ist mit diesen?
    zudem, leider scheint diese debatte die erwünschte wirkung zu entfalten: was - je nach gerade herrschendem meinungsmonopol nicht konform geht - in diesem fall familien mit einem einkommen und mütter, die zuhause bleiben wollen - wird als "sozial nicht erwünscht" deklariert und als daraufhin die gemeinschaft schädigend angesehen - inkl. "neid" auf diese, die sich das vermeintlich "leisten" können.
    wohin das wohl führt?

    • doof
    • 04.02.2013 um 10:55 Uhr

    "steuerzahler" nicht ohne noch über gebühr belastet?
    1. auch eltern, die gesetzlich mitversichert sind bezahlen steuern mit jeder windel, deren kauf aus dem familieneinkommen bestritten wird (um es polemisch auszudrücken).
    "ohne not". not scheinen gerade dei gkv im moment aber - trotz familienmitversicherung - nicht zu leisten.
    und, wie schon einige hier anmerkten: es geht ja noch weiter: schüler und studenten sollten doch auch krankenversichert sein? und deren lebenshaltung kostet auch? was ist mit diesen?
    zudem, leider scheint diese debatte die erwünschte wirkung zu entfalten: was - je nach gerade herrschendem meinungsmonopol nicht konform geht - in diesem fall familien mit einem einkommen und mütter, die zuhause bleiben wollen - wird als "sozial nicht erwünscht" deklariert und als daraufhin die gemeinschaft schädigend angesehen - inkl. "neid" auf diese, die sich das vermeintlich "leisten" können.
    wohin das wohl führt?

  4. wenn man die Betroffenen, also die Kinder selbst, fragen könnte, genauer gesagt: diese von ihrem Artikulierungsvermögen her bereits zu antworten in der Lage wären, dann würden alle Gutachten und Studien genauso von einer Sekunde zur anderen zu Makulatur, wie das altbekannte Klappergespenst, das Herr Steinbrück jetzt wieder aus dem Keller hervorholt, daß nämlich buchstäblich alles, was in einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft vonnöten ist, in die Hände - oder besser: Klauen - des Staates gehört.
    Mitsamt dem unausweichlich damit verbundenen bürokratischen, vorschreibenden und belehrenden (um nicht zu sagen:indoktrinierenden), überwachenden und kontrollierenden, zuteilenden und entziehenden, verbietenden und gewährenden Apparat.
    So gerät eine freiheitliche Gesellschaft mählich auf den Hund.
    Der Text unserer Nationalhymne lautet doch mitnichten
    "Einigkeit und Recht und Ordnung", sondern "Einigkeit und Recht und Freiheit." Daran muß offenbar immer wieder erinnert werden.

    5 Leserempfehlungen
  5. führt immer noch die CDU mit weitem Vorsprung.
    Das können sie unter den Einnahmen und Ausgaben des Bundes nachlesen. (Quelle: Statistisches Taschenbuch, Webseite vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

    Im übrigen finde ich es ziemlich erstaunlich was die Leute alles mit so wenig Information herauslesen können.

    Eine Leserempfehlung
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    Da kann ich Ihnen beipflichten. Leider finden solche Artikel zu schnell eine "walhkampf"-orientierte Auswertung. Ohne dass ein politisches Konzept von den Parteien angeboten wird, kann man aus den bisherigen Informationen nur wenig herauslesen.

    Ich frage mich schon:

    > was an umfangreicheren Betreuungsangeboten verwerflich ist so lange es Angebote sind und keine Zwangseinweisung?

    > warum man ein Ehegattensplitting (dass sich ausschließlich auf einen Trauschein bezieht) nicht ernsthaft zur Diskussion stellen soll (solange es nicht nur um Abschaffung sondern um Schaffung zielgerichteter Alternativen geht)?

    Wo ich persönlich wenig Spaß verstehe, ist die Abschaffung der Familienversicherung. Kommentar 124 hat einen wunderbaren Beleg für die Notwendigkeit einer solchen Rechtsinstitution dargelegt, und es gibt viele vergleichbare Lebensrealitäten. Die Familienversicherung ist ein besonderer einfachgesetzlicher Ausdruck des Gesetzgebers für die verfassungsmäßige Sonderstellung der Familie - und diese ist die kleinste Solidargemeinschaft. Ich würde da die Finger von lassen, gleich welche Partei.

    Da kann ich Ihnen beipflichten. Leider finden solche Artikel zu schnell eine "walhkampf"-orientierte Auswertung. Ohne dass ein politisches Konzept von den Parteien angeboten wird, kann man aus den bisherigen Informationen nur wenig herauslesen.

    Ich frage mich schon:

    > was an umfangreicheren Betreuungsangeboten verwerflich ist so lange es Angebote sind und keine Zwangseinweisung?

    > warum man ein Ehegattensplitting (dass sich ausschließlich auf einen Trauschein bezieht) nicht ernsthaft zur Diskussion stellen soll (solange es nicht nur um Abschaffung sondern um Schaffung zielgerichteter Alternativen geht)?

    Wo ich persönlich wenig Spaß verstehe, ist die Abschaffung der Familienversicherung. Kommentar 124 hat einen wunderbaren Beleg für die Notwendigkeit einer solchen Rechtsinstitution dargelegt, und es gibt viele vergleichbare Lebensrealitäten. Die Familienversicherung ist ein besonderer einfachgesetzlicher Ausdruck des Gesetzgebers für die verfassungsmäßige Sonderstellung der Familie - und diese ist die kleinste Solidargemeinschaft. Ich würde da die Finger von lassen, gleich welche Partei.

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