FDPRösler verteidigt Hahn gegen Rassismus-Vorwürfe

Dem hessischen FDP-Chef Hahn wird Rassismus vorgeworfen – nun bekommt er vom angeblichen Opfer Rückendeckung. Auch Kanzlerin Merkel sieht keinen Anlass zur Debatte.

FDP-Chef Philipp Rösler hat den hessischen Landesvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn gegen den Vorwurf des Rassismus in Schutz genommen. "Ich verstehe die Aufregung über die vielfach kritisierte Interview-Äußerung von Jörg-Uwe Hahn vom Donnerstag nicht", teilte Rösler mit. "Jörg-Uwe Hahn ist über jeden Verdacht des Rassismus erhaben." Mit Hahn verbinde ihn eine "persönliche Freundschaft", so Rösler.

Hahn hatte in einem Interview die Akzeptanz von FDP-Chef Rösler als Vizekanzler wegen dessen vietnamesischer Herkunft infrage gestellt: "Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren." Das hatte dem hessischen Landesvorsitzenden Rassismus-Vorwürfe eingebracht.

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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in Hahns Äußerungen ebenfalls keinen Anlass für eine größere Rassismus-Debatte. Der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter sagte dazu: "Die Bundeskanzlerin (hat) sich diese Frage noch nie gestellt." Die Äußerung Hahns sei aus Sicht der Kanzlerin kein Anlass für eine größere Debatte.

Harte Kritik hingegen kommt aus der SPD. Der Vorsitzende Sigmar Gabriel warf Hahn Rassismus vor. "Herr Hahn scheint nicht alle beieinanderzuhaben." Es handele sich um einen "unglaublichen Satz" mit einem "versteckten Rassismus". Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier rechnet gar mit einem Rücktritt Hahns. "Das ist skandalös. Und ich glaube nicht, dass sich Herr Hahn nach diesen Äußerungen über Herrn Rösler halten wird", sagte er.

Hahn wird auch vom Ausländerbeirat seines Landes in Schutz genommen. "Er ist nicht rassistisch eingestellt", sagte der Vorsitzende der hessischen Ausländerbeiräte (agah), Corrado Di Benedetto. Im Gegenteil: "Ich sehe die Äußerungen des Integrationsministers unmissverständlich positiv." Der Ausländerbeirat bezeichnete die Vorwürfe als Folge eines Missverständnisses, die Debatte sei richtig. "Unsere Gesellschaft ist wohl noch nicht so weit, dass man es als selbstverständlich ansieht, dass Menschen mit Migrationshintergrund Führungspositionen besetzen", sagte Di Benedetto. Hahn habe dieses Thema angesprochen – "und es ging dabei keineswegs um Rösler". Allein der Wahlkampf sei für die massive Entrüstung verantwortlich, die nun über Hahn hereinbreche.

Rassistische Äußerungen "keine Seltenheit"

Unterstützung bekam der hessische FDP-Chef auch von mehreren Politikern Partei. "Die Wortwahl war offensichtlich missverständlich. Es ist aber notwendig, diese Debatte zu führen", sagte der Vorsitzende der Jungen Liberalen (JuLi), Lasse Becker. Hahn habe eigentlich das von ihm geschilderte Rassismus-Problem im Umgang mit Rösler ansprechen wollen.

Rassistische Äußerungen gegen den aus Vietnam stammenden FDP-Chef sind Becker zufolge keine Seltenheit. "Ich bekomme am Wahlkampfstand in der Fußgängerzone zu hören: Ich würde Euch ja wählen, aber dafür müsste erst einmal der Chinese weg", sagte er.

Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth schilderte ähnliche Erlebnisse. "Als FDP-Mitglied erlebe ich häufig offene oder versteckte rassistische Äußerungen mit Blick auf Rösler. Dabei können wir stolz auf unser Land sein, in dem es möglich ist, dass ein Opfer des Vietnam-Krieges es bis in die Regierungsspitze schaffen kann", sagte Kurth.

Unterstützung aus der FDP

Aus seiner Sicht stelle Hahn nicht Rösler infrage. Vielmehr wolle dieser wissen, "ob die Bürger tatsächlich für den Fortschritt bereit sind, einen 'asiatisch aussehenden Deutschen' als Vizekanzler zu akzeptieren. Das ist ein Appell an das schlechte Gewissen der Deutschen." Auch der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki nahm Hahn in Schutz: "Ich kenne ihn aber seit Langem und gut, und ich weiß, dass er keine rassistischen Äußerungen tätigen wollte."

SPD und Linkspartei hatten Hahns Äußerungen als rassistisch motivierten Ausfall gewertet. Hahn, der auch Justizminister ist, wies die Kritik hingegen zurück. "Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt", sagte er. "Dieses gesellschaftliche Problem darf man nicht totschweigen, sondern muss es offen ansprechen, um es zu bekämpfen." Wer in seine Äußerung etwas anderes hineinlese, verstehe ihn falsch.

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Leserkommentare
  1. Man muss nicht unbedingt jedes Wort auf die Goldwaage legen.

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    hinzuzufügen, dass es nur die großen Medienkonzerne sind, die sich hier etwas zusammenklopfen und Meinung machen.

    So eine Aussage, ach bitte. Der Ausländerbeirat hat da richtig gehandelt und die Aussagen in Verhältnis gesetzt, top!

    Bei allem wird gleich Rassismus geschriehen, es wird langweilig.

    • Jakoro
    • 08. Februar 2013 11:32 Uhr

    der gutmenschlichen Empörungsjournalisten.
    Man, wie ich diese Scheinheiligkeit und Bigotterie verabscheue. Man kann alles falsch verstehen, man muss nur wollen. Und wenn ich jemanden, oder hier eine Partei, prügeln will finde ich selbst in der Wüste einen Stock. Sagt schon ein altes Sprichwort.

    • MarcoG.
    • 08. Februar 2013 12:21 Uhr

    zumal es eigentlich das Gegenteil von Rassismus ist. Er fragt doch nur, in wieweit unterschwelliger Rassismus in der Gesellschaft vorherrscht. Völlig legitim.

    ... in Deutschland tatsächlich geführt werden muss!
    Das Thema Rassismus ruft in Deutschland eine fast schon automatische Empörungswelle hervor, bei der sich möglichst viele Personen zu Wort melden, um den Vorwurf so weit wie nur möglich von sich zu weisen. Aber in einem Land, indem die asiatischen Gesichtszüge eines Politikers nicht ohne Rassismusdebatte kommentiert werden; einem Land in dem man, wegen eines ausländisch klingenden Namens oder eines offensichtlich ausländischen Erscheinungsbilds, eine Wohnung in Toplage oder einen Job in Führungsposition allein aus diesem Grund nicht bekommt; in einem Land in dem jene ständigen unterschwellig rassistischen Äußerungen ausgesetzt sind – "Wo kommst Du ‚wirklich’ her? Wann gehst Du wieder zurück?“ – und vor allem einem Land, wo das direkte Ansprechen dieses Themas stets die Reaktion der vehementen Verleugnung zur Folge hat - „Nein! So war das nicht gemeint!“ - in diesem Land ist die Debatte überfällig!
    Deutschland leidet an der chronischen Verleugnung von Rassismus. Aber Verleugnung macht das Problem nicht weg, das Gegenteil ist der Fall. Deutschland muss endlich akzeptieren, dass es ein ernsthaftes Rassismusproblem hat und sich dem stellen. Nur so kann es sich und der Welt beweisen, dass es nicht (mehr) rassistisch ist und ernsthaft gewillt ist Rassismus zu bekämpfen!

    • NWJ
    • 08. Februar 2013 9:07 Uhr

    Ob Hahn oder wer noch. die FDP vertritt keine liberalen Grundsätze mehr. Wenn Herr Hahn glaubt, dass er dieses Thema ansprechen muss, dann muss das nicht über die Medien geschehen. Und dass Herr Hahn kein Liberaler ist, das hat er auf anderem Gebiet bereits bewiesen. Für zu Unrecht verurteilte und mehrere Jahre hinter Gittern gesessene unschuldige Menschen hat Herr Hahn kein Ohr. Anstatt sich für Gerechtigkeit, d.h. für liberale Grundsätze stark zu machen[...]

    Mit seinen Äusserungen hätte Herr Hahn wissen müssen, dass er in die braune Sosse tritt. Und damit das klar ist, die aktuelle FDP hat mit Liberalismus nichts am Hut, denn reiner Lobbyismus hat auch mit Liberalismus nichts zu tun (siehe Ärzteschaft, Tabakindustrie, Hotelgewerbe ...).

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

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  2. Was will uns da die FDP denn da suggerieren? Wer jetzt nicht FDP wählt, hat etwas gegen Asiaten und ist ein Rassist... ??? Also, liebe Wähler, beweist dass ihr keine Rassisten seid und stimmt für uns...
    Diese Partei muß wirklich in einem erbarmungswürdigen Zustand sind, wenn man zu solchen geschmacklosen Mitteln greifen muß.

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    Da die FDP außer von der Satirebranche kaum noch zur Kenntnis genommen wird, muss sie selbst für Aufmerksamkeit sorgen. In der Tat ein Armutszeugnis. Aber wenn man sonst nichts vorzuweisen hat, ...

    • Otto2
    • 08. Februar 2013 13:15 Uhr

    Erinnern Sie sich an Koch (CDU), der im Wahlkampf Plakate kleben ließ, die ausdrücklich vor den Ypsilantis und den Al Waziris warnten?
    Die Rechte scheint mindestens in Hessen durchaus bereit zu sein, an dumpfe rassistische Einstellungen zu appellieren, wenn es um die politische Macht geht.

  3. Langsam nimmt das Ganze humoreske Züge an wenn man, auch mit Bewunderung, liest wie sich Hahn und seine Unterstützer gekonnt und variantenreich herauswinden. Das Verbiegen der deutschen Sprache ist ja die höchste Kunst des Politikers und läuft hier zu Höchstform auf.

    "Ich würde Euch wählen aber erst muss der Chinese weg" ist aber auch unfreiwillig entlarvend. Es handelt sich doch nach eigener Aussage um ein nicht seltenes Statement von FDP-Sympathisanten! Sehr interessant, haha.

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    Lesen Sie doch einmal nach, was die Redakteure, die dieses Interview mit Hahn führten, dazu sagen.

    http://www.fnp.de/fnp/reg...

    Kein Skandal, weit und breit keiner!
    Diese ständigen Fehlinterpretationen von Aussagen mit anschließendem Skandal-Geschrei gehen mir mittlerweile gehörig auf die Nerven. Generell!

    Interessant wäre in diesem Zusammenhang noch eine Statistik, wie oft FDP-Sympathisanten nicht nur Probleme mit dem Chinesen sondern früher mit dem Homosexuellen hatten. Oder gab es überhaupt keine diskriminierenden Äußerungen in dieser Richtung, die Anlass für den Anstoß einer eminent wichtigen gesellschaftlichen Debatte gewesen wären? Das wäre dann ja mal ein Hoffnungsschimmer für unsere Gesellschaft.

    Wörter verdrehen tun wohl eher die politischen Gegner. So kriegen die es hin der einzigen Partei die einen Menschen als Vorsitzenden hat, der von den Äußerlichkeiten einen Migrationshintergrund hat -oder wie man das heute verklausulieren muss- daraus einen Rassismusvorwurf zu basteln.

    Ich frage mich wie man eigentlich noch Debatten führen soll, wenn man mit derart ernsten Sachen wie einem Rassismusvorwurf nicht mehr angemessen umgeht.

    Und nein, Özdemir zählt meiner Meinung nach nicht. Einerseits sind die Grünen die einzige Partei bei der der Fraktionsvorsitz wichtiger ist, andererseits wird er durch Roth marginalisiert und ist eigentlich Ihr stellvertreter, und vor allem bekam er als "Parteivorsitzender" noch nicht einmal einen Listenplatz.

    was dieser "hahn" da von sich gibt, die FDP wird sich mit ihren eigenen Giftpfeilen erschiessen . Respekt aber vor
    der Reaktion des Herrn Roesler.

    • Infamia
    • 08. Februar 2013 9:20 Uhr

    Grundsätzlich ist ja gar nichts dagegen zu sagen, wenn jemand aus aktuellem Anlass den Vorwurf erhebt, ein Asiate (ein Türke, ein Afro-Deutscher) hätte keine Chance auf ein hohes, politisches Amt in Deutschland. Bloß, wer hat danach gefragt? Rösler bekleidet ein hohes, politisches Amt in Deutschland und offensichtlich können wir in Deutschland damit gut leben, wenn vielleicht auch nicht mit der Person Rösler selbst. Bei aller Kritik hinsichtlich der Person Rösler ging es immer um die Person und/oder die Partei selbst, nicht um seine nationale Herkunft. Das ist für ein Land, welches ein latentes Rassismusproblem von geschätzten 20% haben soll, keine Selbstverständlichkeit. In den USA, wo Obama Präsident ist, sind die Kritiken hinsichtlich der Person Obamas oft auch rassistischer Natur.

    Und wenn ein Land wie Amerika einen schwarzen Präsidenten wählen kann, kann Deutschland durchaus einen asiatischen Kanzler wählen. Nur sollte dieser vielleicht nicht Rösler heißen, was nichts mit seiner nationalen Herkunft zu tun hat, sondern mit seiner Person selbst.

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    "Jörg-Uwe Hahn ist über jeden Verdacht des Rassismus erhaben." Mit Hahn verbinde ihn eine "persönliche Freundschaft", so Rösler.

    Die Alarmisten und Hysteriker werden gerade vorgeführt und versuchen nun ihre Haut zu retten. Denen ins Stammbuch: Das größte S.....n im ganzen Land,ist und bleibt der Denunziant!

  4. Reife Leistung für einen Integrationsminister.

    Wenn der sich so unklar ausdrückt, dass genau das Gegenteil verstanden wird, was er meinte zu sagen, dann braucht der Mann selbst Integration.

    Spendiert ihm mal einen Sprachkurs.

    9 Leserempfehlungen
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    • ekbül
    • 08. Februar 2013 11:00 Uhr

    Da gibt's nix misszuverstehen. Der Mann wurde bewusst missverstanden, aus niedrigen Beweggründen und von denen, die ich eigenlich normalerweise wähle.
    Schlimm das!

    sondern die Journaille. Wenn es denn allerdings bereits gegen die PC verstößt wenn man in nichtnormativer Weise auf Differenzierungsmerkmale Bezug nimmt und die Frage stellt, ob diese immer noch einen Unterschied machen, dann haben wir wirklich ein Problem in unserem Land. Nicht was jemand meint, sondern was wir raushören wollen und hineinkonstruieren können bestimmt die Debatte, die damit eigentlich keine mehr ist.

    "Die FDP generiert Probleme wo keine sind."
    --------------------------
    Es wurde ja kein Problem generiert sondern nur eune Frage gestellt.
    Die Medien generierten hieraus dann ein Problem und der Michel macht mit!

  5. Da hat sich Herr Becker auch gleich noch verplappert. Umwerfend! Derartige Sätze kommen ja nicht repräsentativ aus der Bevölkerung" sondern von FDP-Sympathisanten! Das ist doch so spannend dass man noch mal explizit darauf hinweisen muss.

    7 Leserempfehlungen
  6. 8. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

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    FDP, Nazis, Möllemann, jetzt Rassismus, und nun vermasselt der Rösler den Salat und verteidigt Han, ehm ... Hahn! Aber wahrschéinlich ist das ja nur Ausdruck seines Anti-Asiatischen Selbsthasses

    Da guckt was um die Ecke. Ob Rösler das nicht merken will?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte FDP | Philipp Rösler | Angela Merkel | SPD | CDU | Frank Walter Steinmeier
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