Europa-RedeGauck wird Merkels Schweigen brechen

Schon einmal forderte der Bundespräsident von der Kanzlerin klare Worte zur Europapolitik. Nun wird er die Rede halten, die ihre hätte sein müssen. Ein Gastbeitrag von Christoph Giesa. von Christoph Giesa

Joachim Gauck wird am Freitag eine Grundsatzrede über Europa halten – ein Auftritt, der vor allem der Kanzlerin Sorgen bereiten dürfte. Angela Merkel wusste schon, warum sie ihn nicht im höchsten Staatsamt wollte: Der Bundespräsident ist der einzige Kopf im Berliner Betrieb, der ihr wirklich weh tun kann. Wenn er denn sein Mandat bis an seine Grenzen ausfüllt.

Bis heute hat sich Gauck damit sehr zurückgehalten. Doch in Sachen Europa gab er der Kanzlerin schon vor einiger Zeit einen klaren Fingerzeig. Sie müsse ihre Politik besser erklären, forderte der Bundespräsident. Weil das bisher ausgeblieben ist, kann er nun keine Milde zeigen. Gauck wird die Rede halten, die Merkel längst hätte halten müssen. Aber er wird sie anders halten, als sie es getan hätte.

Anzeige

Als Horst Köhler 2010 zurücktrat, beherrschte ein Thema die öffentliche Diskussion, das uns bis heute nicht losgelassen hat: die Griechenland- und damit die Euro-Krise. Die Unsicherheit war damals allgegenwärtig, viele Menschen in Deutschland hatten Angst um ihre Ersparnisse. Regierung wie Opposition konnten den Bürgern nicht das Gefühl geben, den Ernst der Lage erkannt zu haben. Die politische Debatte wurde von Machtspielen dominiert, statt sinnvoll über gemeinsame Lösungen zu diskutieren.

Europa darf nicht nur ein Elitenprojekt sein

Diese Situation war einer der Gründe, warum sich schon 2010 so viele Menschen für einen Bundespräsidenten Gauck engagierten, nicht für einen Parteisoldaten. Es kam zunächst anders. Gauck, der vor der damaligen Nominierung noch als Vortragsreisender und einfacher Bürger im Land unterwegs war, wird diese Befindlichkeiten aber sehr genau gespürt und nicht vergessen haben.

Christoph Giesa
Christoph Giesa

Jahrgang 1980, war 2010 der Initiator der Bürgerbewegung für Joachim Gauck. Er stellte sich damit gegen die FDP, der er damals noch angehörte und die mehrheitlich Christian Wulff unterstützte. Giesa arbeitet als Publizist und Unternehmensberater in Hamburg. 2011 erschien im Campus Verlag sein Buch Bürger. Macht. Politik.

Zwar ist die Atemlosigkeit der ersten Rettungspakete einer gewissen Rettungsroutine gewichen. Eine Konzeption für die Zukunft Europas jenseits von bürokratischen Monstern wie dem Stabilitätsmechanismus ESM oder einer Bankenunion gibt es jedoch bis heute nicht. Über Jahrzehnte hat es die Politik versäumt, aus Europa mehr zu machen als ein Elitenprojekt. Diese Erkenntnis ist inzwischen Allgemeingut, aber noch immer bemüht sich niemand wirklich, daran etwas zu ändern.

Die Diskussionen gehen über die institutionelle Ebene nicht hinaus. In der europäischen Bevölkerung wächst die Wut, leider auch gegeneinander. Das ist die Stelle, an der Gauck ansetzen muss. Ihm sind die Menschen näher als bürokratische Konstrukte. Er weiß, dass Europa scheitert, wenn es weiter allein auf der Grundlage kurzfristiger nationaler Befindlichkeiten gedacht wird. Wahlkampf interessiert ihn sowieso nicht, denn er weiß auch, dass die Rolle Deutschlands nur in Europa zu finden ist.

Leserkommentare
    • AndreD
    • 20. Februar 2013 18:27 Uhr

    Ich wünsche mir, dass Herr Gauck eine Rede hält, die der kürzlich mal wieder sehr eindrücklichen und beeindruckenden Rede von Herrn Schulze ähnelt:

    http://www.nachdenkseiten...

    Weniger der nationale Egoismus ist es, der Europa bis zur Ohnmacht im Würgegriff hat, sondern die marktkonforme Demokratie und das Wegbrechen der demokratisch nachvollziehbaren und legitimierten Entscheidungsgewalt.

    Wenn Gauck dieses Thema nicht in aller Deutlichkeit ansprechen sollte, ist, meiner bescheidenen Meinung nach, die Rede umsonst.

    PS: Ich lebe in Spanien und kann nichts von Hass auf Deutsche bemerken. Höchstens eine extreme Abneigung gegen die deutsche Politik.

    54 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ZPH
    • 20. Februar 2013 18:37 Uhr

    Und ich habe eine extreme Abneigung dagegen, für die Fehler der spanischen Politik oder die Blockade der spanischen Gewerkschaften zu bezahlen oder mir die Schuldzuweisungen in Richtung D-Land aus Spanien für Folgen ihrer eigenen Fehler anzuhören.

    Also lasst uns doch bitte beherzt den Euro wieder abschaffen, dann können die Spanier wieder machen was sie wollen und niemand anders muss für das was sie machen bezahlen. Hat jahrzehntelang wunderbar funktioniert und zu der Zeit war mir Europa sehr viel sympatischer als jetzt.

    • ribera
    • 20. Februar 2013 19:37 Uhr

    "PS: Ich lebe in Spanien und kann nichts von Hass auf Deutsche bemerken. Höchstens eine extreme Abneigung gegen die deutsche Politik."
    Das mit der wahrgenommenen Abneigung gegen deutsche Politik liegt eindeutig an Ihrem Umfeld.
    Vermutlich die Klientel, die die direkte Rettung der spanischen Banken aus Rettungsfonds, unbegrenzten Aufkauf von spanischen Staatsanleihen durch die EZB und Eurobonds will.
    In meinem Umfeld spüre ich das Gegenteil:
    Bewunderung und Neid um das deutsche Modell und Anerkennung für die dafür stehenden Politiker.

    Sie sind das optimale Beispiel, woran man sehen kann, wie dringend unsere Gesellschaft über Europa aufgeklärt werden muss. Das ihre Denken spiegelt den Grundsatz dieses Artikels wieder. Eine vollkommen egozentrische und eingeschränkte Sichtweite auf das Problem.

    Natürlich ist die spanische Politik nicht fehlerfrei gewesen, ebenso wenig wie die unsere. Aber zu denken, dass Sie wegen Spanien schlechter dastehen ist absurd. Deutschland ist mitverantwortlich für die Krise im Süden Europas. Durch die niedrigen Löhne und anderen exportförderlichen Maßnahmen haben wir dafür gesorgt, dass diese Staaten sich bei uns verschulden und ihre Exporte sich auf ein Minimum reduzieren (Der Mythos mit der "dt. Qualität" ist nur selten die Wahrheit und wurde uns auf nationaler Ebene von der Exportindutrie eingeredet). M.a.W: Sie profitieren als dt. Staatsbürger sehr von Europa.

    Langfristig müssen wir trotzdem daran arbeiten, ein Gleichgewicht in Europa herzustellen, nicht nur aus Solidarität, sondern auch aus nationalem Interesse.

    Natürlich sind die Dinge, welche mit Demokratiedefizit oft zu schnell zusammengefasst werden, auch wichtig. Jedoch lenken alle Probleme, die in der veröffentlichten Meinung wiederzufinden sind, vom eigentlichen Problem des verzinsten Geldsystems ab.

    Wir suchen uns deshalb alle eine vorgefertigte Ursache, weil wir merken, dass etwas gewaltig schief läuft und wir als Unschuldig gelten oder eine Vorbildfunktion einnehmen wollen.

    Aber wenn man eine vorgefertigte Meinung aus dem veröffentlichten Pool annimmt ohne die Dinge tatsächlich nachzuvollziehen, dann kann daraus nie eine echte Opposition entstehen. Und deshalb wird das verzinste Geldsystem nach dem Euro-Dollar-Crash (in den nächsten Jahren) neu aufgelegt werden. Danach werden wir wieder 80-100 Jahre Ruhe haben und dann geht das ganze Spiel von vorne los.

    Merksatz für alle Sparer:
    Statut des Einlagensicherungsfonds §6 ''10. Ein Rechtsanspruch auf ein Eingreifen oder auf Leistungen des Einlagensicherungsfonds besteht nicht.

    Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an diese Worte, wenn dann alles durch ist und eine neue Regierung gewählt werden muss.

    http://www.nachdenkseiten...

    Danke für den Link !! Also das ist ja... einfach ... sagenhaft !
    Bravo, Bravissimo.

    you made my day - my month - my year.

    • ZPH
    • 20. Februar 2013 18:30 Uhr

    Ich kann für mich selber denken. Und meine Einstellung zu "Europa" ist inzwischen sehr britisch. Ich mag die Erpresser Union zu der sich die EU entwickelt hat nämlich nicht mehr besonders.

    70 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es gibt große Unterschiede im Grad der Europäisierung der westeuropäischen Länder. Die einzige wirkliche Eurocity ist London, dazu kann man auch Brüssel und Amsterdam zählen und gewissermaßen Paris. Die Kategorie "Eurocity" wird immer wieder von Soziologen benutzt um zu zeigen, wohin Menschen in der EU migrieren, um Karriere zu machen, ein neues Leben zu beginnen und sich zu qualifizieren.

    Keine einzige Stadt im deutschsprachigen Raum erfüllt diese Kriterien! Deutschland ist aus europäischer Perspektive Osteuropa.

    Das liegt aber nicht nur an Deutschlands Unbeliebtheit und Selbstüberschätzung, sondern vor allem am rigiden deutschen Arbeitsmarkt und an der verhältnismäßig geringen Arbeitsproduktivität in Deutschland (ja, in diesen westeuropäischen Ballungszentren ist die Produktivität höher!)

    Hinzu kommt ein weiteres interessantes Phänomen: während Migranten aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland oft der soziale Aufstieg gelingt (vom Arbeiter- in Bürgermilieus), und zwar häufiger noch als Deutschen in Deutschland selbst, steigen deutsche Emigranten in anderen EU-Ländern sogar relativ häufig sozial ab!

    Ich würde sagen, dass bildungsferner Europahass in Deutschland rational begründbar scheint. Aber die Deutschen wären gar wohl europafreundlicher gesinnt, wenn die deutschen Eliten den deutschen Nichtelite-Bürgern in der letzten Dekade nicht den sozialen Abstieg verordnet hätten! Die EU trägt für die deutsche "Binnenabwertung" nur geringe Verantwortung.

    • ZPH
    • 20. Februar 2013 22:44 Uhr

    nicht verstaden. Europa ist ein Kontinent mit seinen Menschen und seinen Kulturen, zu dem Serbien, die Schweiz und Norwegen genauso gehören wie D-Land, Frankreich und Griechenland. Von "Europa" ist oft die Rede, wenn eigentlich die EU gemeint ist. Die EU war mal eine sehr positive Sache, für die ich auch viel Sympathie hatte. Solange es um eine europäische Integration ging im Sinne einer engen Kooperation souveräner Staaten ging, um den Austausch von Kultur, Reise- und Niederlassungsfreiheit und das gemeinsame Vertreten gemeinsamer Interessen. Das war so unendlich viel besser als all ständigen Kriege die es vorher vorher gab. Umso unverständlicher, dass die EU dann meinte, dass alles sein nichts, wenn "Europa"nicht vollendet werden und dann mit ihrer politischen Währung ein absolutes ökonisches und dann politsches Desaster verusacht hat. Ein Desaster, das von Stimmen mit ökonomischen Sachverstand vorhergesagt wurde aber mit "europäischen" (EU) Pathos übertönt wurde. Also braucht man sich nicht zu wundern, wenn viel Menschen die jetzt Nase absolut voll von "europäischem" (EU) Pathos haben. Und trotzdem natürlich allen Europäern von Herzen wünschen, dass sich die ökonmische Lage möglichst schnell wieder bessert.

    "Eurocity? "Ich lebe im Berlin, was inzwischen eine sehr internationale Stadt ist, und ich freue mich über Israelis oder Mexikaner die hier herkommen genauso wie über Spanier oder Franzosen. Europa oder nicht ist mir vollkommen egal. Die EU sowieso

    In Londonistan lebt es sich in der Tat sehr interessant und dorthin zu emigrieren kann man jedem nur empfehlen (hab´s selber auch mal gemacht). Sie, verehrtester Ahlibaba, haben allerdings keine Ahnung wovon Sie schreiben und sollten vielleicht auch mal demnächst emigrieren, dann würde ihr politically correctes Deutschen-Bashing aus der Entfernung vielleicht etwas lesenswerter. Mit "Eurocity" ist nämlich schon in Stockwell und spätestens Clapham und Brixton eher wenig, geschweige denn in Hackney oder im Eastend. Produktivität ist da auch niente, was nicht bedeutet dass nicht allerhand Geld umgeschaufelt würde

    • beat126
    • 20. Februar 2013 18:30 Uhr

    Angela Merkel wird eines anschliessend nicht bringen können, das Versprechen einer Bürgerbeteiligung, indem der Präsident Europas direkt vom Volk gewählt werden dürfe.

    Denn die alternativlose, politische Gefolgschaft, wie es Deutschland kennt, werden andere europäische Staaten nie und nimmer mitmachen. Die Menschen wollen nicht über die Person, sondern über die Entscheide abstimmen.

    Da wird sich Angela Merkel und ihre Elite schon etwas mehr einfallen müssen.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Politik-Konzept "Alternativlos" wird sich auch in Deutschland nicht ewig halten. Ein Paradebeispiel dafür ist der Umbau des Stuttgarter Bahnknotens, die entsprechenden Proteste sind auffällig schwer in den Griff zu bekommen. Eigentlich gar nicht, denn hier im Südwesten tritt man seit Monaten auf der Stelle.

    Kein Wunder, denn "alternativlos" bedeutet immer auch das fehlen jeglicher Flexibilität. Funktioniert Plan A nicht, hat man verloren. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis man mal daneben greift und die Fuhre den Bach hinunter geht.

  1. 4. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • ZPH
    • 20. Februar 2013 18:37 Uhr

    Und ich habe eine extreme Abneigung dagegen, für die Fehler der spanischen Politik oder die Blockade der spanischen Gewerkschaften zu bezahlen oder mir die Schuldzuweisungen in Richtung D-Land aus Spanien für Folgen ihrer eigenen Fehler anzuhören.

    Also lasst uns doch bitte beherzt den Euro wieder abschaffen, dann können die Spanier wieder machen was sie wollen und niemand anders muss für das was sie machen bezahlen. Hat jahrzehntelang wunderbar funktioniert und zu der Zeit war mir Europa sehr viel sympatischer als jetzt.

    30 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mein Wunschdenken"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • PGMN
    • 20. Februar 2013 19:21 Uhr

    ... lassen Sie uns beherzt die Franfurter Börse abfackeln, beherzt den Hamburger Hafen zuschütten, beherzt alle Industriegebiete dem Erdboden gleich machen, denn die werden alle nicht mehr gebraucht werden, nachdem wir beherzt den Euro wieder abgeschafft haben.

    Es ist verständlich, mit Bitternis auf die Einführung des Euro zurückzublicken, denn sie war verfrüht. Aber zu denken, man könne den Kalender auf 1992 zurücksetzen und mit der Abschaffung des Euro wäre alles wieder gut, ist nicht nur naiv, sondern kindisch.

    • Ethan
    • 20. Februar 2013 23:07 Uhr

    zurück kann man nicht. Der Euro war ein furchtbarer Fehler und ihn zu überwinden, wird sicher noch sehr viel Geld kosten. Aber das ist keine Wahlmöglichkeit mehr, die Kosten sind so oder so da.

    Aber nach Überwindung des Euro besteht wieder die Chance, zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Kontinent zu werden und zu einer erfolgreichen Kooperation der europäischen Staaten zurückzukehren.

    Die Alternative sind doch offensichtlich langfristiger und dauerhafter Wohlstandsverlust, Demokratieverlust, Wiederaufleben nationaler Animositäten, kurz, der Abstieg der Eurozone und die Spaltung Europas. Ironischerweise opfert man Europa, um die Ideologie des absoluten Euro nicht anzukratzen.

    • ZPH
    • 20. Februar 2013 23:08 Uhr

    wurden uns im Wesentlichen zwei Dinge versprochen:
    * Es wird die dynamischte Wachtumsregion der Welt geschaffen
    * Die Völker Europas werden vereint.

    Dann gab es noch, mehr als Bestandserhalt, die Versprechen:
    * es gibt kein Risio wegen des "no-bailout"
    * der Euro wird so stabil wie die DM

    Zu den ersten beidem Punkte muss man glaub ich nichts mehr sagen, offensichtlich ist genau das Gegenteil eingetreten und zwar in drastischem Ausmaß.

    Aus dem "no-bailout" ist eine Haftung in der Höhe vieler
    hunderten Milliarden Euro, eine Bad-Bank EZB in potentiell unbegrenzter Höhe und der Zahlung in zunächst "nur" Zehnermilliarden Höhe für Banken anderer Länder via ESM und Schuldenschnitte anderer Länder geworden. Von Bankenunion und Transferunion will ich gar nicht reden.

    Das einzige was bisher noch Bestand hat ist die Stabilität des Euro was die Inflationsrate angeht. Wenn das auch noch fällt, dann ist der Euro wirklich ein Desaster auf der komplett ganzen Linie.

    Die Frage nach dem Ausstieg aus dem Euro ist wirklich nur noch die, ob das Desaster des Ausstiegs größer ist oder das Desaster des Erhalts des Euros. Ich glaube eben, dass ein Ende mit Schrecken besser wäre als ein Schrecken ohne Ende. Auch wenn mir klar ist, dass es kein leichter Schritt ist. Aber Europa gefiel mir nun mal wirklich entschieden besser vor dem Euro ohne gegenseitige Haftung und Schuldzuweisungen.

    Oh, bitte. Dann kommen Sie mal hier herunter und leben mit uns eine Weile. Es geht den Leuten hier immer schlechter. Ihr Land wird schrittweise entdemokratisiert (man lebt hier in einem zweijährigen Stuttgart-21-Zustand: Polizeigewalt, Personalienkontrolle bei Zugang von Demos, Impunität usw.) und von einer Politikerkaste regiert, die sich recht schamlos das Geld gegenseitig zusteckt (googlen Sie nach Gürtel, Bárcenas und die jahrzehntelange Schwarzgeldaffäre der regierenden PP, die gerade aufgeflogen ist).

    Sie leben in einem Land mit einer unerträglichen, überflüssigen und teuren Monarchie, in dem auch im Winter Familien auf die Straße geworfen werden, und in dem das Sozialsystem radikal zusammengekürzt wird (wogegen Kirche, Polizei und Militär ironischerweise viel mehr Geld bekommen als unter den Sozialisten).

    Wenn Sie von Sympathie für Europa sprechen, dann sollten Sie auch auf die andere Seite blicken. Niemand in Spanien will von anderen Staaten fremdfinanziert werden. Es ist ersichtlich, dass reformiert werden muss, aber warum muss die Bevölkerung dafür bluten, dass sich die örtlichen Großbanken verzockt haben? Warum wird dies von der Bundesregierung geflissentlich übergangen, während sie Südeuropa dazu zwingt, das Volksvermögen zugunsten des Bankensektors umzuverteilen? Können Sie die extreme Abneigung gegen die deutsche Politik wirklich nicht nachvollziehen?

    • whale
    • 21. Februar 2013 8:47 Uhr

    Reichlich naiv - oder polemisch?
    Als gäbe es ohne den Euro keine wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Kein Land kann "machen, was es will", ohne dass es nicht Auswirkungen auf die Handelspartner hätte, das
    ist doch nicht nur eine Frage der gleichen Währung, ja, das ist nicht einmal die Frage, ob EU oder nicht...

    • whale
    • 21. Februar 2013 9:23 Uhr

    Welches Europa meinen Sie denn?
    Spanien unter Franco?
    Griechenland unter den Obristen?
    Ein Europa der Grenzwarteschlangen und -kontrollen?
    Ein Leben in Grenzregionen mit drei Währungen in der Tasche? Tausch-Chaos, überteuerte Wechselkurse?

    Wer wollte behaupten, dass es derzeit keine Probleme mit dem Euro und der EU gebe - aber pauschal zu behaupten, früher sei alles "sympathischer", na ja, da muss man aber auf einigen Augen blind gewesen sein.

    • CH-Gast
    • 20. Februar 2013 18:39 Uhr

    Nach der Rede von Hrn. Gauck, wird die Korruption in GR sofort aufhören, GR wird die Arbeitslosigkeit von 26% auf 5% reduzieren, vom letzten Platz der Wettbewerbsfähigkeit in der EU die Nr. 1 werden. Analog für Spanien, Italien, Portugal, Frankreich...
    Hr. Draghi wird die EZB-Notenpresse sofort anhalten, die 2000 Mia. deutschen Schulden werden sich in nichts auflösen, nach 40 Jahren immer neuer Schulden erwirtschaftet D ab März 2013 nur Überschüsse. Die wertlosen 700 Mia. Target2 Papiergeld bei der Bundesbank werden pures Gold...
    Ein Paradies auf Erden entsteht. Hallelujah !

    52 Leserempfehlungen
  2. an der der Bundespräsident noch schreibt?

    Ich bilde mir meine Meinung erst am Freitag.

    49 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die Rede schreibt nicht "er". Die Rede schreiben die, die schon Christian Wulff so "gut" beraten haben. Ich bin gar nicht neugierig darauf. Mich interessieren Reden von Politikern schon lange nicht mehr. Ich registriere nur noch Taten und eine gute Tat wäre gewesen, das Amt abzuschaffen.

  3. Europa - das ist doch jetzt schon ein gescheitertes Projekt. Die Herzen der Menschen schlagen nicht für Brüssel, nicht für die Entmachtung der nationalen Parlamente, nicht für das Übergehen demokratischer Prozesse. Europa, das war die Hoffnung auf ein Europa der Vaterländer, einen Zusammenschluß freier, unabhängiger und im Unterschiedlichen einiger Nationen. Die Idee wurde längst verdorben, schmeckt schal wie alter Wein. Es sind nicht nationale Egoismen, es ist das krampfhafte Festhalten der politischen Klasse an einem Zentralisierungssystem, das nur einem nützt - der politischen Klasse selber. Wenn der Bundespräsident in seiner geplanten Rede die alten Phrasen nur nochmals aufwärmen will, nicht auf den Unmut eingeht, der die Menschen befallen hat, dann kann er sich das Manuskript über den Frühstückstisch hängen. Sagt uns endlich, wo Europas Grenzen sein werden, wann und wie sich Brüssel selbst beschränken wird und welche Rechte die Nationen noch haben sollen. Dann kann der Bürger entscheiden - aber davor habt Ihr ja Angst, Ihr Eurofantasten.

    61 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • PGMN
    • 20. Februar 2013 19:26 Uhr

    ... wenn (siehe "Die Herzen der Menschen schlagen nicht für Brüssel, nicht für die Entmachtung der nationalen Parlamente, nicht für das Übergehen demokratischer Prozesse.") Europhoben ihre eigene Einstellung als die "des Volkes" deklarieren, sich dabei als "am Puls der Volksmeinung" wähnen und das ganze dann auch noch als den Grund dafür angeben, warum Europa nicht nur scheitern (einer der unerfüllten Wunschträume derselben) wird, sondern sollte.

    Die Behauptung "die Leute sollten gegen Europa sein, denn schließlich sind die Leute gegen Europa" ist kein Argument.

    Es sind nicht immer die Projekte, für welche die Herzen aller schlagen, die einen Sinn machen, sondern auch Vernunftprojekte wie Europa. Ich gebe Ihnen recht, die Machtkonzentration der Kommissare in Brüssel ist teilweise äusserst übel und bevormundet uns alle in Europa. Doch solches Handeln haben wir ja auch in der landeseigenen Politik. Ganz entscheidend ist es deshalb, das Europaparlament in Brüssel zu stärken und da sind wir Bürger ja alle parlamentarisch vertreten. Die europäische Idee resignativ aufzugeben kommt nur der Kleinstaaterei entgegen und arbeitet den nationalistischen Rattenfängern in die Hände. Entgegengesetzt zu den in Asien und Südamerika aufsteigenden Superstaaten würde sich Europa ins Mittelater zurückbewegen und auch wirtschaftlich rasant an Bedeutung verlieren und das würde beweisen, dass wir nicht fähig sind an der Gestaltung großer Ideen teilzunehmen. Die USA sind uns bei aller Problematik darin aber haushoch überlegen. Vom Nationalstaatler zum Europäer zu werden, ist keineswegs eine leichte Auseinandersetzung sondern hartes Ringen. Die europäische Einheit ist es aber wert, seine Vorurteile und Egoismen hintanzustellen. Übrigens hatten wir auf unserem Boden schon einmal ein Projekt bei dem die Menschen mit ganzem Herzen dabei waren und das von jetzt aus gerechnet immer noch 920 Jahre währen sollte, aber vor 68 Jahren in einem gigantischen Chaos aus 52 Mio Toten, Schutt und Tränen endete. Ein wirklich geeintes Europa wäre auch ein Garant für Frieden.

    Ach, wertester pierissimo.
    Das mit dem Frieden in Europa war doch schon. Wir hatten die EWG, dann die EG, die hat prächtig funktioniert. Dann dieser Erweiterungswahn, dieser Euro-Unsinn. In der Folge - naja, Sie wissen schon, ein Blick auf den "Frieden" im Süden genügt. Und dieser ewige Rückgriff auf das 1000jährige! Ist Ihnen das nicht langsam selber peinlich?
    Der europäische Zentralstaat ist eine Unmöglichkeit. Was uns aber beruhigen sollte: Ein wirtschaftlich starker Verbund europäischer Staaten - ein Staatenbund - ist machbar, wäre allgemein akzeptiert und bewahrte die Identität der Nationen. Tröstlich, oder?

    • Erkos
    • 21. Februar 2013 10:40 Uhr

    Zitat: "Es sind nicht nationale Egoismen, es ist das krampfhafte Festhalten der politischen Klasse an einem Zentralisierungssystem, das nur einem nützt - der politischen Klasse selber."
    Hier fehlt noch das Wesentliche: Es geht garnicht in erster Linie um den Nutzen für die politische Klasse. Das ganze Konstrukt dient in erster Linie "Big business". Es handelt sich um einen gigantischen Raub von Eigentum, der in einzelnen Nationalstaaten ohne den Staatenverbund so nicht möglich gewesen wäre. Cui bono?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service